Vögel können in Turm brüten

Gabriele Fässler

Von Gabriele Fässler

Fr, 21. Dezember 2018

Gundelfingen

In der Gundelfinger Bruder-Klaus-Kirche gibt es neue Nisthilfen für Falken, Dohlen und Mauersegler.

GUNDELFINGEN. Die Bruder-Klaus-Kirche kann im kommenden Jahr mit mehr Kirchenbesuchern rechnen – und zwar aus der Luft. Im Zuge der Renovierungsarbeiten am Kirchturm wurden Nisthilfen für verschiedene Vogelarten an unterschiedlichen Stellen angebracht. Initiiert hat dies Matthias Hollerbach, der in Nachbarschaft zur Kirche wohnt.

"Als ich das Gerüst am Kirchturm gesehen habe, war mir klar, dass ich diese einmalige Gelegenheit beim Schopf packen und schnell handeln muss", sagt der Hobby-Vogelkundler Matthias Hollerbach. Beruflich ist der Diplomingenieur für Landschaftsplanung bei der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes Breisgau-Hochschwarzwald dafür zuständig, bei Bauvorhaben Tierarten und Pflanzen zu schützen und deren Lebensraum zu erhalten oder an anderer Stelle zu ersetzen. Hollerbachs Idee für Nisthilfen im Kirchturm fand bei der Pfarrgemeinde gleich Unterstützung. "Allerdings erwies es sich schwieriger als gedacht, die Kästen hinter der Lochfassade anzubringen", erläutert Hollerbach.

Dort, oberhalb der Kirchturmuhr befinden sich Schalbretter und die Konstruktion für den Glockenstuhl, was Maßarbeit erforderte. Nachdem Hollerbach Konstruktionsskizzen erstellt hatte, war klar "dass wir das nicht allein schaffen." Mit "wir" meint er Norbert Hollenkamp, Naturschutzwart beim Schwarzwaldverein Gundelfingen und Vogelkundler, und den pensionierten Biologielehrer Hanspeter Biechele, die ihn bei seinem Projekt unterstützten. Als Glücksfall habe sich laut Hollerbach dabei die hinzugezogene Schreinerei Wagner aus Freiburg erwiesen. Diese fertigte mit einem Aufwand von einer knappen Arbeitswoche die Brutkästen und installierte sie.

Renovierung der Kirche bot einmalige Chance

Jetzt gibt es auf der Ostseite des Kirchturms hinter der untersten Reihe der Lochfassade einen Nistkasten für Turmfalken sowie drei Sitzhilfen, die Hanspeter Biechele gezimmert hat. "Der Turmfalke hat in diesem Kirchturm bereits gebrütet. Aus artenschutzrechtlichen Gründen sind wir verpflichtet, diesen Brutplatz zu erhalten", betont Hollerbach. Darüber hinaus biete dieser Vogel die beste Gewähr dafür, dass Tauben, die viel Dreck machen, den Turm nicht für sich in Anspruch nehmen. Bekannt ist der Wanderfalke für seinen Rüttelflug. Mit schnellen Flügelschlägen steht der Jagdvogel in der Luft um Mäuse zu erspähen und sie sich im Sturzflug zu erbeuten.

Auf der gegenüber liegenden Seite finden sich gleich drei Nisthilfen für Dohlen. "Die sehr geselligen kleinen Rabenvögel wollen in Gesellschaft mit anderen Artgenossen brüten", erläutert Hollerbach. Die Dohlen, die sich durch angenehm käckernde Soziallaute auszeichnen, gibt es noch nicht im Kirchturm von Bruder Klaus. Wegen des Mangels an geeigneten Brutplätzen sind die putzigen schwarz-grau gefiederten Vögel mit hellblauen Augen selten geworden.

Weil Kirchtürme ideale Brutplätze für Mauersegler darstellen, lag es nahe, am nördlichen und südlichen Dachtrauf des Kirchturms insgesamt acht Doppelkästen anzubringen. Damit wurde jetzt für 16 Brutpaare die Möglichkeit geschaffen, ihren Nachwuchs auszubrüten und aufzuziehen. "Der Mauersegler war ursprünglich ein Fels- und wurde zum Mauerbrüter. Er braucht Spalten und Nischen zum Brüten. Doch diese werden im Zuge von Gebäudesanierungen immer weniger", so Hollerbach. Als Mitglied der Pfarrgemeinde Bruder Klaus und aus christlicher Überzeugung "war es mir persönlich sehr wichtig, mit meinen Fähigkeiten und Möglichkeiten einen aktiven Beitrag zur Bewahrung der Schöpfung zu leisten."

Die zweimonatige Renovierungsphase des Kirchturms bot dazu die einmalige Gelegenheit. Während verstopfte Ablaufrinnen an der Lochfassade gereinigt, Schäden am Putz saniert sowie der gesamte Glockenturm dampfgestrahlt und gestrichen wurden, investierte Hollerbach rund 45 Arbeitsstunden, um im Kirchturm von Bruder Klaus Lebensraum für drei Vogelarten zu schaffen.