Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

07. Februar 2012

Wein, der in eisiger Zeit entsteht

Am Sonntag waren Helfer der Winzergenossenschaft Glottertal bei minus 13 Grad Trauben lesen.

  1. Eisweinlese Glottertal Foto: Andrea Steinhart

GLOTTERTAL (ast). Das Warten auf den Frost hat sich im Glottertal gelohnt. In den frühen Morgenstunden stiegen am Samstag Hermann Herbstritt vom Düschenhof und 25 Erntehelferinnen und -helfer in den Weinberg, um blaue Spätburgundertrauben für die Winterrarität zu lesen. "Wir haben gut gearbeitet und 240 Grad Öchsle erzielt", freute sich anschließend Udo Opel von der Winzergenossenschaft Glottertal.

Vierzehn lange Reihen hatte der Winzer im Herbst mit Netzen gegen die Vögel überzogen und monatelang auf Frostgrade gehofft. Natürlich liegt das 20 Ar große Rebstück fast ganz oben am Steilhang. Aber trotzt des mühevollen Aufstiegs durch die dunklen Rebzeilen und den eisigen Temperaturen konnte Hermann Herbstritt viele Freunde motivieren, die dick eingemummelt kamen, um zu helfen.

So machten sich befreundete Winzer aus dem Glottertal und aus den Nachbardörfern, Jungwinzer aus Freiburg und viele weitere Eisweinfreunde an die Rebstöcke. "Es hat schon etwas Besonderes an sich, wenn die unansehnlichen Trauben gelesen werden und am Ende eine solche Rarität herauskommt", sagt Vanessa Wolf (18), eine junge angehende Winzerin, die es sich nicht nehmen ließ, beim minus 13 Grad Celsius am Erlebnis Eisweinlese 2011 im Februar 2012 teilzuhaben.

Werbung


Beeren wie kleine Stahlkugeln

Knapp zwei Stunden brauchte das Team, um das eisige Lesegut von den Stöcken zu holen. Wie kleine Stahlkugeln prasselten die komplett durchgefrorenen Beeren in die Sammelbehälter. Mit Hilfe einer kleinen Transportraupe gelangten etwa 1300 Kilogramm nach unten und wurden dann umgehend zur Weiterverarbeitung in die Genossenschaft gebracht.

"Es ist jedes Mal ein Lotteriespiel: Sollen die Trauben im Herbst hängen bleiben oder nicht?", verdeutlicht Udo Opel die Besonderheit der Eiswein-Produktion. Ein sonniger Herbst, gesunden Trauben und viel Arbeit sind die ersten Voraussetzungen dafür. "Und dann braucht es noch kräftige Minusgrade." Für die Eisweinlese muss es nämlich kalt sein. "Die edelsüße Spezialität kann nur bei mindestens minus sieben Grad über die Presse gehen." Das Wasser in den Trauben muss gefroren sein. Durch den Entzug des Wassers und die lange Reifezeit am Stock entwickeln sich dann sehr intensive Aromen, eine sehr konzentrierte Säure und Süße. Beim Keltern tropft dann aus den Beeren ein zuckersüßer Saft, aus dem später der rare Eiswein wird. "Den gibt es aber dann erst nächstes Jahr." Abgefüllt wird die absolut rare Spezialität als "2011er Glottertäler Eichberg Spätburger-Weißherbst, Eiswein" in 0,375 Liter-Fläschchen. Über den Preis wollte sich der Geschäftsführer der Winzergenossenschaft noch nicht äußern.

Autor: ast