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29. September 2010

Wie arabische Christen in Israel leben

Das am Bruder-Klaus-Patrozinium erwirtschaftete Geld soll Hochschule in Miliya zu Gute kommen.

  1. Das Info-Brett über Miliya Foto: gaf

GUNDELFINGEN (gaf). Mit dem Patrozinium feierte die katholische Pfarrgemeinde Bruder Klaus am Sonntag ihren Namenspatron, den Schweizer Nationalheiligen Niklaus von Flüe. Der Erlös des Festes kommt zum einen der Pfarrei zugute. Zum anderen fließt er stets auch in wohltätige Projekte. In diesem Jahr geht die Spende nach Miliya, einem Dorf im Norden Israels unweit der Grenze zum Libanon. Sowohl im Festgottesdienst als auch anhand einer Dokumentation konnten die Festgäste einiges über den Ort in Westgaliläa erfahren.

In Miliya leben etwa 3000 Menschen. Dabei handelt es sich um arabische Christen israelischer Staatsbürgerschaft. "Eine schwierige Kombination in Israel, weiß Daniel Hörl", der das Projekt vorstellte. Schwierig deshalb, "weil der Staat Israel diese Menschen nicht akzeptiert, weil sie Araber sind." Die benachbarten Muslime würden sie aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit ebenfalls nicht anerkennen.

Im Libanon-Krieg 2006 feuerte die Hisbollah immer wieder Raketen auch auf Miliya ab. Zwar wurde dabei niemand verletzt, doch die Angst vor einem neuen Konflikt steckt nach wie vor in den Köpfen.

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In Miliya gibt es neben einer Grundschule eine private, christliche Oberschule, die Notre-Dame-Highschool. Das Hilfswerk Misereor hatte sie Ende der 90er Jahre erbaut. 300 Schüler aus Miliya und Umgebung besuchen dort den Unterricht und bereiten sich auf ihr Abitur vor. Weil der Staat Israel lediglich die Lehrergehälter bezahlt, müssen die Kosten für Instandhaltung, Strom, Gas Wasser sowie Lehrmittel privat finanziert werden. Derzeit wird für den geplanten Aufbau eines Deutschkurses dringend Geld benötigt.

"Viele der Jugendlichen verlassen nach dem Abitur ihre Heimat, um im Ausland zu studieren", weiß Hörl. Besonders beliebt sei Deutschland. Da israelische Araber nicht dem 21-monatigen Wehrdienst unterliegen, mache es der Staat ihnen sehr schwer, in der Zeit nach dem Schulabschluss einen Studienplatz in Israel zu finden – um keinen Vorteil gegenüber jungen Juden zu haben, erklärt Hörl. Die Idee, gerade für Miliya und die Notre-Dame-Highschool zu spenden, geht auf persönliche Kontakte zurück: Im Jahr 2007 hatten einige Gundelfinger Ministranten während einer Pilgerreise Miliya besucht und zu Gleichaltrigen Kontakt geknüpft. Der Gegenbesuch erfolgte ein Jahr später.

Derzeit lebt eine junge Frau aus Miliya in Freiburg, um Deutsch zu lernen und demnächst ein Studium aufzunehmen. Am Patrozinium selbst konnte sie allerdings nicht teilnehmen, da sie gerade ihre Heimat besucht.Zum Erfolg des Patronatsfestes trugen die verschiedenen Gruppen der Pfarrei bei. Außerdem heizte bei kühlem Herbstwetter die Young Generation des Musikvereins den Besuchern ein. Mit einem Flohmarkt, Kinderbetreuung, kreativen Angeboten für Jung und Alt war für jeden was dabei. Zum ersten Mal entstand ein Gemeinschaftsbild, zusammengesetzt aus vielen kleinen Quadraten, malerisch gestaltet von den Gästen und Ausdruck einer vielfältigen, lebendigen Gemeinde und Seelsorgeeinheit. In seiner Ansprache dankte Pfarrgemeinderatsvorsitzender Franz-Peter Dussing allen Helfern. Die Spende an die Highschool wird über den Verein "Jabalna" abgewickelt werden. Diese Initiative hat sich zum Ziel gesetzt, mit Hilfe verschiedener Projekte ein friedliches, demokratisches und gleichberechtigtes Zusammenleben von Christen, Moslems, Drusen und Juden zu fördern.

Autor: gaf