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23. Februar 2011

Alte Brachen mit Leben erfüllen

Die 3. Bleibacher Baugespräche beschäftigten sich mit den Themen Innenverdichtung und Umnutzung von Flächen.

  1. Gewerbeflächen für Wohnbebauung umnutzen: Das frühere Gelände der Brauerei Mutschler in Waldkirch ist ein Beispiel dafür. Foto: Sylvia Timm

  2. Referenten beim Bleibacher Baugespräch waren Johannes Dreier, Detlev Kulse, Ingmar Roth, Klaus Wehrle, Joachim Schuster, Thomas Schmid (von links). Hier mit dem Gutacher Bürgermeisterstellvertreter Bernhard Stratz und Moderator Jörg Hemmerich. Foto:  Eberhard Weiss

GUTACH. "Innenverdichtung und Konversion" war das Thema der 3. Bleibacher Baugespräche, die dieser Tage im Bürgersaal in Bleibach stattfanden. Zu den Fachgesprächen eingeladen hatten die Sparkassen-Immobiliengesellschaft Freiburg-Nördlicher Breisgau, die Regiowerk GmbH sowie Badenova-Konzept. Zielgruppen waren Kommunen und Gebietskörperschaften, Bürgermeister, Stadt- und Gemeinderäte, Verwaltungen sowie Wohnungsbaugesellschaften.Die Moderation lag bei Jörg Hemmerich, Journalist und Herausgeber.

Der Gutacher Bürgermeisterstellvertreter Bernhard Stratz konnte zu diesem 3. Bleibacher Baugespräch, mit diesmal sechs Vorträgen, ein großes Fachpublikum willkommen heißen. Erster Referent war Johannes Dreier, der Leiter des Referates Raumordnung, Baurecht und Denkmalschutz im Regierungspräsidium Freiburg (RP). Seine These: Die Bevölkerung wachse nicht mehr und in zwei bis drei Jahren werde sie auch bei uns abnehmen. Der tägliche Flächenverbrauch sei also im Schwinden. Teilziel sei daher ein Flächenverbrauch "Netto-Null". Das RP verfolge eine Nachhaltigkeitsstrategie. Das bedeute eine finanzielle Förderung von Maßnahmen der Innenentwicklung über die Städtebauförderung. Zuerst müssten Baulücken geschlossen, ehe dann neue Gebiete aufgemacht werden.

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Thomas Schmidt, Geschäftsführer der Sparkassen-Immobiliengesellschaft, geht dagegen davon aus, dass die Region in den nächsten 10 bis 15 Jahren mit hoher Wahrscheinlichkeit weiter wachsen werde. Er begründete seine Meinung zunächst mit der Attraktivität von Freiburg mit wachsenden Einwohnerzahlen, auch durch Studenten. Die Region zähle als Wohnstandort zu den "Top Five" in Deutschland, besitze überregionale Verkehrsverbindungen mit ICE, Autobahn, vier Regionalflughäfen. Das habe natürlich Auswirkungen auf die Siedlungspolitik von Kommunen. Es sei notwendig, die Infrastruktur optimal zu nutzen. Einig war er sich mit Johannes Dreier, dass das Prinzip der Innenverdichtung vor der Erschließung von Außenflächen zu stehen habe.

Wie kann man Potenziale von Kommunen lokalisieren und effektiv nutzen? Wie ermöglicht eine Gemeinde eine sinnvolle städtebauliche Entwicklung? Diese Fragen beantwortete Bürgermeister Joachim Schuster am Beispiel von Neuenburg. Am Ende des Zweites Weltkrieges seien vier Prozent der Wohnungen leicht beschädigt gewesen, der Rest war nicht mehr da. In der Innenstadt gab es freien Raum und es wurde eine attraktive Stadt geschaffen. Die Frage heiße heute, wie man in neue Entwicklungen die Bürgerschaft einbeziehe. Der Bürgermeister schilderte am Beispiel eines innerstädtischen Gebietes die Bestandsaufnahme mit neuen Aufgabenstellungen im Dreierschritt "Prozesse" – "Akteure" – "Management".

Der Waldkircher Bauamtsleiter Detlev Kulse erläuterte anhand von Fotografien sehr eindrucksvoll drei Projekte der Innenentwicklung auf Altlastenflächen in den vergangenen zehn Jahren. Das war zum einen das Gelände der alten Mutschler-Brauerei. Das Konzept wurde in einer umfänglichen Bürgerbeteiligung gut geheißen. Im "Unteren Amtsfeld", einem größeren Altlastengebiet (früher Bauhof), in dem auch kostengünstig gebaut werden sollte, seien die Bürger stark eingebunden gewesen und auch der Kontakt mit dem Landratsamt war erforderlich.

Beim dritten Projekt handelt es sich um eine innerstädtische Brachfläche, auf der die frühere Karussellfabrik Mack stand. Hier verlangte die Aufsichtsbehörde trotz des vereinfachten Bebauungsplanverfahrens eine Umweltprüfung und ging damit eigentlich über die Intension des Gesetzgebers nach einem zügigen Ablauf hinaus. Mit großem Aufwand wurden also auf dem Gelände im ganzen drei Eidechsen gefunden – und die Planungen überarbeitet, um diesen Tieren in dem neuen Wohngebiet wieder in Natursteinmauern Lebensraum zu bieten. Alle drei Gebiete wurden wohl auch deshalb von der Bevölkerung so gut angenommen, weil sie in unmittelbarer Nähe zum Waldkircher S-Bahnhof liegen.

Ingmar Roth, der Geschäftsführer der Badenova-Konzept, legte die Vorteile der öffentlichen und der privaten Zusammenarbeit bei der Schaffung von Bauland anhand des Badenova-Konzeptes dar, wobei es um ein Grunderwerbsmodell, um die Betrachtung der Wirtschaftlichkeit, um die Finanzierung und die Vergabe von Bauleistungen ging.

Ist die Bauform des Einfamilienhauses am Ende?, hieß der Titel des abschließenden Vortrages von Klaus Wehrle, Architekt und Projektentwickler. Es gehe also um den Wunsch der Deutschen nach dem eigenen Häuschen im Grünen, um den "Traum und den Realitätsbezug der Gesellschaft". Klaus Wehrle zeigte anschaulich Lösungsansätze für eine "soziale und ökologische Wohnraumversorgung" auf.

Autor: Eberhard Weiß