Böllerschützen Bleibach

An Feiertagen wird geböllert

Karin Heiß

Von Karin Heiß

Mi, 06. Dezember 2017 um 18:04 Uhr

Gutach im Breisgau

"Pulver, Knall und Rauch – das ist unser Brauch!" Dies ist das Leitmotiv der Böllerschützen Bleibach. Am Barbaratag böllerten sie traditionell zu Ehren ihrer Schutzpatronin, der Heiligen Barbara, am Vogelhof.

Unter dem Kommando von Willi Völzke absolvierten die Böllerschützen dies in vorgegebener Reihenfolge und Form: Zunächst exakt alle zusammen, dann hintereinander einzeln oder zu zweit und abschließend folgte der Ehrenschuss wieder gemeinsam.

In diesen letzten Schuss schloss Kommandant Völzke dieses Jahr neben der Heiligen Barbara auch ein Brautpaar mit ein: Genau an diesem Tage hatten sich Barbara Angelé und Hans-Peter Buhl, die vor einem Jahr von Freiburg nach Siegelau gezogen sind, auf dem Standesamt das Ja-Wort gegeben. "Wir haben den Barbara-Tag für unsere Heirat gewählt, weil es der Namenstag meiner Frau ist", berichtete Buhl. Dann hätten sie im Gemeindeblatt vom Böllern für die Heilige Barbara gelesen und beschlossen, diesem beizuwohnen. Dass das passt, sahen die Böllerschützen auch so und gratulierten dem Paar nach dem Ehrenschuss persönlich. Mit Likör für die Damen und Schnäpschen für die Herren wurden die guten Wünsche besiegelt. Dann ging es zur Jahresabschlussfeier der Böllerschützen ins Gasthaus Löwen.

Dort bot sich eine gute Gelegenheit, den Schussmeister Kurt Beckmann, der ein Gründungsmitglied der Böllerschützen Bleibach ist, über die Historie des Böllerschießens zu befragen. Im Jahre 2006 hat Kurt Beckmann mit Walter Wernet die "Böllerschützen Bleibach" als eine offizielle Gruppe gegründet. "Anstoß dazu gab 2002 der Dorfschmied, der bis dahin das traditionelle Böllern an Fronleichnam übernommen hatte, und besorgt war, dass es nach ihm nicht weitergeführt wird." Das Böllern ist ein uralter Brauch und wird an vielen Orten bei unterschiedlichen Gelegenheiten praktiziert. "Geböllert wird nur zu besonderen Anlässen, etwa zur Begrüßung besonderer Gäste, bei Hochzeiten, Ehrungen und Bekanntgaben", nannte Beckmann als Beispiele. In Bleibach werde an kirchlichen Festtagen, wie Patrozinium und Fronleichnam, geböllert und zum Barbaratag, weil die Heilige Barbara die Schutzpatronin "aller, die mit Schwarzpulver beziehungsweise Sprengungen zu tun haben", ist.

Das Sprengstoffgesetz schreibe die Richtlinien genau vor, an die Böllerschützen sich zu halten haben. "Die gesetzlichen Vorgaben sind für uns streng", betonte er. "Schwarzpulver, das wir mit unseren traditionellen Handkanonen abfeuern, ist immer noch auch ein Sprengmittel." Als Schussmeister hat Beckmann die Verantwortung für das korrekte Führen der Schießbücher, die alle fünf Jahre kontrolliert würden. Nachdem Kurt Beckmann und Schatzmeister Walter Wernet 2002 dem Dorfschmied erstmals beim Böllern an Fronleichnam geholfen hatten, versprachen sie ihm, es weiter zu führen, wenn er nicht mehr könne. "Daraufhin machten die ’Hilfskanoniere’ Beckmann und Wernet 2004 einen Lehrgang nach § 27 des Sprengstoffgesetzes," steht in der Chronik auf http://www.boellerschuetzen-bleibach.de

Nach bestandener Prüfung konnten nun auch sie Schwarzpulver erwerben und verwenden. Inzwischen zählt die offizielle Gruppe, die sich vor einiger Zeit im Trachten-, Heimat- und Brauchtumsverein Zweitälerland angesiedelt hat, 21 Mitglieder. 14 davon sind ausgebildete, pulverberechtigte Schützen, davon zwei Frauen. Zu der Gruppe zählen auch fünf Marketenderinnen, die für Speis’ und Trank beim Böllern zuständig sind, ein Fahnenjunge sowie ein Tafelträger, die vor allem bei Festumzügen mitlaufen.

Das Böllern unterliegt der althergebrachten Form. Befehle gibt der Kommandant, die Schützen müssen sie umgehend ausführen. "Pulver einfüllen; verdämmen (mit einem Korken); Zündtütchen setzen; Böller hoch (Schussgeräte in die Höhe halten); Hahn spannen; Feuer", das ist die Reihenfolge der Kommandos. Vorab weist der Kommandant darauf hin, welche Schussfolge als nächstes kommt. In Bleibach böllern die Schützen unter anderem beim Maibaumstellen. Ansonsten sind sie viel außerorts eingeladen. Die Böllerschützen Bleibach sind mit anderen gleichgesinnten Vereinigungen in der Umgebung befreundet, treffen sich und unterstützen sich gegenseitig.

Wenn man die lauten Knalle vernimmt, hat das bis heute einen besonderen, feierlichen Anstrich. Jeder weiß dann, ein besonderer Anlass liegt vor. So versteht man die beiden Gründungskanoniere gut und darf dankbar sein, dass sie sich entschlossen, die Tradition fortzuführen. "Im Dorf wird viel gerumst und gekracht, nur meist haben es nicht die Böller gemacht", so Beckmann augenzwinkernd zum Schluss.