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22. April 2010
Ein virtuoser Klamauk
"Improvisationstheater Ungeniert" in der Bleibacher Güterhalle / Das Publikum muss gut aufgelegt sein und war es auch .
GUTACH. Was Silvia Huber-Gschwandtner, Susanne Lanz, Dieter Frick, Wolfgang Hau, Sabine Kieffer, Tamara Burg und Ilona Fleig mit Martin Glönkler am Keyboard vergangenen Samstag als "Improvisationstheater Ungeniert" auf die Bühne der Bleibacher Güterhalle zauberten, war sehenswert.
Zwei Moderatoren (Silvia Huber-Gschwandtner, Wolfgang Hau) bildeten die Brücke zum Publikum, lockten Begriffe und Szenen hervor, strickten ein wenig Tingeltangel á la Samstagabend-Fernsehshow (Countdown-Zählen und La-ola-Welle) drum herum und schon ging es los. Die Eingangsszene war ein gutes Beispiel für das Prinzip des Improvisationstheaters: Eine Tüte Suppenpulver aus dem Publikum diente abwechselnd als Schuhputzlappen, Pizza-Stück oder sich übergebende Schildkröte.Die Emmendinger schlugen von Anfang an ein hohes Tempo an: Szenen wurden immer wieder nur angerissen, wie in einer Staffel ging es von Duo zu Duo. Das Niveau war durchaus oberhalb der gängigen Fernsehunterhaltung. Nicht jeder kann schließlich eine Szene improvisieren, deren Satzanfänge dem Alphabet folgen. Bis auf den Anfang verzichtete das Septett auf Requisiten, nur ein paar Stühle standen auf der Bühne und die Schauspieler waren neutral gekleidet: So kam es noch mehr auf Witz und Bühnenerfahrung an.
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Dass alles aus dem Stand improvisiert wurde, wie das Abendprogramm glauben machen wollte, wird wohl nicht ganz gestimmt haben. Es war nicht nur der Rahmen des Abends vorgegeben, sondern nahezu alle Akteure verfügten über deutlich sichtbare Bühnenerfahrung bis hin zu beeindruckender Virtuosität (Tamara Burg). Nachholbedarf besteht allenfalls, wenn es um improvisierte Lieder geht: Die blieben deutlich hinter den gespielten Szenen zurück. Keyboarder Martin Glönkler lieferte seinerseits äußerst standsichere, professionelle Begleitungen des Geschehens ab. Aktuelle Anspielungen – wunderbar: die Folgen des Vulkanausbruchs – blieben weitgehend die Ausnahme. Aber gerade dieses kleine Stück mit der süffisanten Frage von Dieter Frick, ob es nicht wunderbar sei, "dass wir mit unserem kleinen Vulkan" den gesamten europäischen Flugverkehr lahm legten, hatte etwas.
Genial auch die "Gerichtsverhandlung", in der Tamara Burg des Kannibalismus am Papst überführt werden sollte: Sie saß Dieter Frick auf dem Schoß, hatte sich seine Hände "ausgeliehen", der das Geschehen illustrierte und ihr die "Ratevorlage" lieferte. Auch das Zebra, das eigentlich ein Schimmel war, und von seiner Liebsten immer wieder bemalt wird, gelang aus dem Stand.
Gewiss, was das Theater "Ungeniert" anbietet, ist vor allem Klamauk; man fühlte sich ein wenig an Gesellschaftsspiele erinnert; Boshafte würden das Geschehen als Kindergeburtstag für Erwachsene etikettieren. Das wäre aber dann schon ziemlich ungerecht: Nicht nur, weil das Können der Emmendinger immens ist, sondern weil ihr Theater trotz allen Gelächters hier und dort durchaus Tiefgang hat.
All das gelingt übrigens nur, wenn das Publikum mitmacht. Säßen alle stumm und reglos auf den Stühlen, fiele alles in sich zusammen. In Bleibach war die Güterhalle voll und die Stimmung prächtig.
Autor: fbt
