Gute Nerven, ruhige Hand

Jürgen Ruoff

Von Jürgen Ruoff

Fr, 07. September 2018

Kegeln

Die Kugeln rollen und die Kegel fallen wieder: Schwarzwälder Zweitligisten starten in die Saison.

KEGELN. Jana-Sophie Bachert, die talentierte Keglerin des SKV Bonndorf, ist derzeit auf der Polizeischule in Lahr. Sie macht dort eine Ausbildung für den gehobenen Dienst, Kriminalbeamtin will sie werden. Für diesen Beruf braucht man starke Nerven. Dass sie über die verfügt, hat sie im Kegelsport schon oft nachgewiesen: Die 22-Jährige gehört zur deutschen U-23-Nationalmannschaft. Bei der Weltmeisterschaft im Mai in Cluj (Rumänien) holte sie mit dem deutschen Team die Silbermedaille. "Im Einzelwettkampf lief es nicht ganz so gut", erzählt sie schmunzelnd.

Zwei Jahre war die erste Frauenmannschaft des SKV Bonndorf auf Entdeckungstour in der ersten Bundesliga. Die vergangene Saison in der höchsten deutschen Wettkampfliga beendeten die Bonndorferinnen auf dem letzten Platz und stiegen in die zweite Bundesliga Süd-West ab. Ist der Abstieg verarbeitet? "Ja, der Abstieg kam ja nicht überraschend, sondern hat sich über die ganze Saison angedeutet", sagt Jana-Sophie Bachert, die Spielführerin der Frauenmannschaft.

Andrea und Tanja Cosic, wichtige Säulen des Teams, kämpften in der vergangenen Saison mit Rückenproblemen. Andrea Cosic fiel phasenweise aus, konnte irgendwann aber wieder mitkegeln, während ihre Schwester Tanja den Großteil der Runde sausen lassen musste. Aufgrund der personellen Probleme war der Abstieg nicht zu verhindern. Den besten Schnitt des Tabellenletzten spielte Bachert mit 572 Zählern im 120er-Wurf-System, Andrea Cosic brachte es bei ihren Einsätzen im Schnitt auf 563 Punkte und Birgit Dornfeld war drittbeste Bonndorferin (544).

Wenn ein Erstligateam in die zweite Bundesliga absteigt, wird es eine Liga tiefer automatisch als Titelfavorit gehandelt. "In der zweiten Liga haben wir eigentlich immer vorne mitgespielt. Ich hoffe, dass das wieder so sein wird", sagt Bachert. In Sarah Albert hat eine ehemalige Bonndorfer Keglerin wieder mit dem Training angefangen und gehört ebenso zum Zweitligakader wie Birgit Eder, Birgit Dornfeld, Andrea Eder, Bettina Helmle, Selina Gampp, Andrea Cosic und Jana-Sophie Bachert.

In der am Wochenende beginnenden Saison der Zweitliga-Keglerinnen müssen die Frauen des SKV Bonndorf in Rottweil antreten. Die Plattenbahnen dort werden gerne als schwierig bezeichnet. "Kopfsache", sagt Jana-Sophie Bachert dazu, "es ist machbar". Was für beide gilt, die Bahn und den Gegner.

In der zweiten Bundesliga Süd-West ist das Frauenteam des KSV Hölzlebruck seit Jahren eine feste Größe. Nach der Vizemeisterschaft ein Jahr zuvor beendeten die Hölzlebruckerinnen die vergangene Runde auf Rang fünf. "Ein Platz im gesicherten Mittelfeld ist auch das Ziel in dieser Saison", sagt Sportwartin Nicole Langenbacher. Spielführerin Claudia Reichmann ergänzt: "Ich sehe uns auch im oberen Bereich." Einen besonderen Charme bekommt der am Wochenende beginnende Zweitliga-Alltag durch die beiden Schwarzwaldderbys. "Ich freue mich, dass wir wieder auf Bonndorf treffen", sagt Langenbacher, von besonderer Brisanz seien die Duelle für sie aber nicht.

Hin und wieder streuen die Hölzlebrucker Keglerinnen und Kegler einen sogenannten "Freiburgtag" ein, um die Trainingsmonotonie aufzubrechen. Motto: Training und Spaß haben im Breisgau-Städtle. "Wir trainieren dann zusammen mit den Männern, was sonst nicht der Fall ist, und wir machen auch mal andere Trainingsformen wie beispielsweise einen Sprintwettkampf", erzählt Langenbacher.

Nadine Kaltenbach hat nach einer längeren Pause das Training wieder aufgenommen und zählt zum erweiterten Zweitligakader, Stammspielerinnen sind Ayleen Kaltenbach, Nicole Langenbacher, Alisa und Claudia Reichmann, Lilo und Jessica Eckert. Meike Jaschke steht in dieser Saison nicht zur Verfügung, da sie Mutter wird.

Zum Favoritenkreis zählt Nicole Langenbacher die TSG Kaiserslautern, eine Mannschaft, die sich gut verstärkt und den Titelgewinn selbst als Ziel ausgegeben hat, sowie den ESV Pirmasens II. "Bonndorf ist der Erstliga-Absteiger, die Mannschaft ist sicher auch stark", sagt Reichmann.

Im ersten Zweitliga-Wettkampf am Sonntag um 13 Uhr in Reichmanns Kegelstube treffen die Hölzlebruckerinnen auf den Mitfavoriten Pirmasens II. Wie es um ihre Leistungsstärke tatsächlich bestellt ist, werden die Schwarzwälderinnen nach diesem Kräftemessen wissen. "Ich glaube, die kommen auf unseren Bahnen nicht zurecht. In den vergangenen Jahren haben wir alle Heimspiele gegen Pirmasens gewonnen", sagt Nicole Langenbacher. Wenn das so bleibt, hätte sie nichts dagegen.

Das Männerteam des KSV Hölzlebruck hat als Aufsteiger in der vergangenen Zweitligasaison eine Punktlandung hingelegt. Im Zehnerfeld belegte die Mannschaft um Routinier Martin Reichmann und die Grießhaber-Zwillinge den achten Platz. Sie lag damit knapp über dem Strich, der die Absteiger vom Rest der Liga trennt. In Michael Adler vom SKV Bonndorf und Dejan Peric, der aus Waldkirch zurück nach Hölzlebruck wechselte, ist der Zweitligakader des KSV in der am Wochenende beginnenden Runde breiter aufgestellt als in der Vorsaison, zumal das Stammpersonal – Jan und Marc Grießhaber, Martin Reichmann, Franz Aigner, Kevin Raißer, Andreas und Markus Ketterer sowie Niklas Klüttermann – geschlossen weitermacht.

Jan Grießhaber rüttelt an Martin Reichmanns Thron

"Sechs Teams spielen um den Meistertitel und vier Mannschaften, zu denen auch wir gehören, kegeln die beiden Absteiger unter sich aus", sagt Jan Grießhaber, der Sportwart des KSV Hölzlebruck.

Seit Juli sind die Kegler wieder im Training, noch ist Martin Reichmann der Leistungsstärkste des Teams. In der vergangenen Saison kam er im Schnitt auf 595 Zähler, damit war er der drittbeste Zweitligakegler. Doch Jan Grießhaber versucht schon eine Weile an Reichmann Thron zu rütteln. Er kam auf 590 Punkte im Schnitt, in der zweiten Liga war das der neuntbeste Wert. Es ist ein gesunder Konkurrenzkampf der beiden Spitzenkegler, "gemeinsam versuchen wir die anderen mitzureißen", sagt Grießhaber.

Der Schlüssel zum Klassenerhalt liegt in Reichmanns Kegelstube. "Wir müssen die Punkte auf unserer Bahn holen", hatte Martin Reichmann schon vor der vergangenen Saison gesagt. Daran hat sich nichts geändert. "Wir sind heimstark. Wir müssen die Heimwettkämpfe gewinnen. Was wir auswärts holen, ist Bonus", sagt Sportwart Jan Grießhaber.

Dem ersten Zweitliga-Heimwettkampf am Samstag, 14.30 Uhr, kommt deshalb gleich eine besondere Bedeutung zu. Denn die Hölzlebrucker treffen in Reichmanns Kegelstube auf den SVH Königsbronn, ein Team, das nach Grießhabers Einschätzung ebenfalls zu jenen Zweitligisten gehört, die primär den Klassenerhalt als Saisonziel ausgeben werden. Wird es aus Sicht des KSV Hölzlebruck wieder ein Happyend und eine Punktlandung im Zweitliga-Abstiegskampf geben?