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11. Januar 2016

Gute Werte in der B-Note

Im Ensemblehaus spielte das Landesjugendbarockorchester.

Vieles ist erfrischend anders in diesem Konzert. Zum Beispiel der große Anteil der Kinder und Jugendlichen im Publikum. Oder das Stimmen der Streichinstrumente. Da haben die erwachsenen Musikerinnen und Musiker nicht schlecht zu tun, um ihren jungen Kolleginnen und Kollegen, wenn es schnell gehen muss, an die Wirbel und Saiten zu greifen. Darmsaiten verstimmen sich nun mal leicht – auch der Umgang damit will erst gelernt sein.

All das gehört zur Praxis von Barockmusikspezialisten und bedarf spezieller Schulung. Das Landesjugendmusikbarockorchester ist dafür ein guter Ort und das Freiburger Barockorchester (FBO) könnte kein besserer "Coach" sein. Es hat die Schirmherrschaft über den neuen Klangkörper übernommen, was mehr bedeutet, als nur seinen guten Namen herzugeben. Da ist einmal Gerd-Uwe Klein, selbst Geiger im FBO und Lehrender an der Musikschule Calw, wo er das Projekt ins Leben gerufen hat. Und da sind in der aktuellen Arbeitsphase die Geigerin Brigitte Täubl, Mentorin der Jugendarbeit des FBO, Annette Schmidt (Viola), Guido Larisch (Violoncello) und Carsten Lorenz (Cembalo), die den Probenendspurt im Neuen Jahr mit Rat und Tat begleiten. Heißt: Die Profis spielen mit beim Konzert im voll besetzten Großen Saal des Freiburger Ensemblehauses. Oder stimmen die Instrumente…

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Noch steckt die Arbeit in den Kinderschuhen – kein Ensemble gelangt aus dem Stand ins klingende Elysium. Umso erfreulicher ist das, was sich an positiven Erkenntnissen aus dem Abend mit Werken von Händel mitnehmen lässt. Wollte man mit einem Vergleich aus dem Eiskunstlauf aufwarten, ließe sich sagen: erfreulich vor allem die B-Note – die künstlerischen Werte. Die jungen Musici zeigen sich vertraut mit den Erfordernissen barocker Aufführungspraxis, mehr noch: Sie zeigen in Parametern wie Artikulation, Phrasierung und Dynamik eine respektable Homogenität, deklinieren die Wechsel von Tutti und Concertino kontrastreich durch. Auch die Führung der Barockbögen wirkt allen vertraut. Dass insgesamt bei der – technischen – A-Note noch Luft nach oben ist, liegt in der Natur der Sache. Das Spiel ohne Vibrato verlangt exakteste Intonation, Unsauberkeiten lassen sich nicht durch einen höheren Ausschlag der Amplitude abfangen.

Mit drei Arien aus dem "Messias" kann die junge Sopranistin Theresa von Bibra (Jahrgang 1998) ihre gute stimmliche Anlage demonstrieren: klarer, schlackenloser Ton bringt ihre helle Stimme insbesondere in der kräftigen Höhe zum Leuchten. In der Mittellage und Tiefe fehlt es noch an Substanz, doch auch hier entwickelt sich etwas erst aus der Keimzelle der Begabung heraus. Genau dafür sind solche Projekte ideal.

Autor: Alexander Dick