Kribbeln vor Südbadengipfel

Jochen Dippel

Von Jochen Dippel

Fr, 24. November 2017

Handball 3. Liga

Handballerinnen der HSG Freiburg erwarten in der Dritten Liga den SV Allensbach / Zugänge überraschend schnell integriert.

HANDBALL. Der Sieg in Waiblingen war kaum eingetütet, da hat sich der Blick der Handballerinnen der HSG Freiburg bereits auf das Derby gegen den SV Allensbach gerichtet. Am Samstag (20 Uhr) treffen in der Gerhard-Graf-Halle die beiden besten Drittligateams aus Südbaden aufeinander. "Man merkt, dass dies ein besonderes Spiel ist", sagt HSG-Trainer Ralf Wiggenhauser. Vor allem für ihn, der vom Bodensee stammt. "Ein gewisses Kribbeln" spüren aber auch seine Spielerinnen.

Obwohl die Freiburgerinnen (15:3) in der Tabelle vor Allensbach (11:7) rangieren, sieht der Coach die Gäste mehr unter Erfolgszwang. "Wir haben nach einer überraschend guten Runde nur positiven Druck", sagt Wiggenhauser. Allensbach, in dessen Team HSG-Eigengewächs Hannah Person steht, benötigt eine positive Serie, um das angepeilte Saisonziel Aufstieg umzusetzen. Der Freiburger Erfolg ist umso bemerkenswerter, als etliche Spielerinnen integriert werden mussten. Dies gelang unerwartet leicht, dauert aber an. Im Rückraum wurden Stammkräfte wie Nadine Czok, Angelika Makelko und Anna Gempp um ein neues Trio ergänzt, das erst andere Sportarten ausübte: Leonie Hartl, Rebecca Dürr und Christiane Baum. Alle drei fühlen sich prima aufgehoben in einem jungen und motivierten Team, in dem es Spaß mache, zu spielen und ins Training zu gehen.

Die Allrounderin
Leonie Hartl (19) betrieb lange Zeit genauso begeistert Leichtathletik (Mehrkampf und Sprint), ehe sie sich "erst spät für Handball" entschied. Bei ihrem Heimatverein HC BW Feldkirch stellten sich alsbald Erfolge ein. Zuletzt als Jugendliche im Frauenteam in Österreichs erster Liga. Nach Freiburg wechselte die Vorarlbergerin, weil sie "beruflich und sportlich eine neue Herausforderung sowie ein neues Umfeld" suchte.; auch im Zuge eines Abnabelungsprozesses, um "erstmals auf eigenen Füßen zu stehen". So kann Leonie Hartl nun ihr Sportstudium an der Universität ideal mit Handball verbinden. Beides plante sie sehr gezielt, machte schon die HSG-Vorbereitung mit. Die 1,65 Meter große Allrounderin besticht durch Athletik, Sprungkraft, Schnelligkeit und Spielverständnis. "Außer Torwart habe ich alle Positionen gespielt, vor allem Aufbau Rückraummitte." Und sie scheut sich nicht, mit Elan in gegnerische Abwehrlücken zu preschen – dorthin, wo es es eng ist und wehtun kann.

Die heimliche Chefin
Rebecca Dürr (22), die vom Drittliga-Absteiger TV Brombach (zuvor dreimal Aufstieg) kam, besitzt ähnliche Tugenden. Obwohl von eher zierlicher Statur, spielt sie körperbetont, packt kräftig zu, hält aber auch manchen Knuff aus. Schließlich wuchs sie in einer sehr sportlichen Familie auf. Beide Brüder ringen beim Regionalligisten WKG Weitenau-Wieslet. Mithin stand auch sie früh auf der Matte, kam aber im Kindergarten über eine Freundin zum Handball. "Ob das an den Genen lag, weiß ich nicht, aber Ringen hat sicher nicht geschadet", sagt "Becci" lachend. Auch ein Kreuzbandriss warf sie 2012 nicht aus der Bahn. "Ans Aufhören dachte ich keine Sekunde, jetzt ist alles vergessen." Zudem hatte sie beim TVB in der Dritten Liga "Blut geleckt". In Freiburg übernahm die Weitenauerin, die nach ihrem Studium als Controllerin bei Vitra in Weil arbeitet, sofort Verantwortung, organisiert die Abwehr und lenkt den Angriff. "Alle ziehen an einem Strang, ich bin froh, dass ich den Schritt gewagt habe."

Die mit der linken Klebe
Christiane Baum (26) hat der Berufseinstieg nach ihrem Maschinenbaustudium ("Trotz acht Prozent Frauenquote hatte ich die Jungs gut im Griff") nebst Kontakt mit Ex-Freiburgerin Lena Nussbaumer zur HSG geführt. Die pfeilschnelle, technisch versierte Linkshänderin ("Konter rannte ich immer schon") kam vom Oberligisten HSG St. Leon. Zuvor stieg die einstige Turnerin ("Highlight war das Bundesfinale Jugend trainiert in Berlin") mit ihrem Heimatklub SG Nußloch viermal auf, bis in Liga drei – zwei Jahre davon mit HSG-Torfrau Katharina Heilmann ("Eine coole Socke"). Daher kannte Baum, der neben Sport "das Drumherum wichtig" ist, die Freiburger Halle. Wegen einer komplizierten Daumenverletzung der Wurfhand musste auch sie eine einjährige Auszeit einlegen. "Salz- und Pfefferstreuer bedienen ging gar nicht", erinnert sich die Produktionsingenieurin. "Doch vom Turnen bin ich es gewohnt, dass man wieder aufsteht, wenn man hinfällt."