Mit Zauberhandball in den Sommer

Jochen Dippel

Von Jochen Dippel

Mi, 25. April 2018

Handball 3. Liga

Drittliga-Frauenteam der HSG Freiburg beendet gute Saison auf Platz fünf / Kader bleibt zusammen / Suche nach Trikotsponsor.

HANDBALL. Der Kreis ist geschlossen: Am letzten Spieltag haben die Ballwerferinnen der HSG Freiburg ihr Publikum in der heimischen Gerhard-Graf-Halle noch einmal mit einer Gala-Auftritt verwöhnt und Tabellenführer TSV Haunstetten die Meisterschafts- und Aufstiegsparty verdorben. Bereits zum Saisonstart hatte die HSG in den eigenen vier Wänden wie aus einem Guss gespielt und wiederholt Feststimmung verbreitet. Dazwischen gab es für das Drittligateam zwar einigen Leerlauf, vornehmlich in der Rückrunde, doch überwiegen die positiven Erkenntnisse deutlich. Als Fünfter erreichte die Mannschaft die gleiche Platzierung wie in den beiden Runden zuvor. Und mit 27:17 Punkten kam sie fast an jene 28 Zähler heran, die sie im Vorjahr auf der Habenseite verbucht hatte.

Somit zeigen sich die Verantwortlichen überaus zufrieden mit der Bilanz. "Platz fünf ist eine gute Leistung mit dem jüngsten Kader der Dritten Liga", sagt die sportliche Leiterin Silke Frei, "Leistungsschwankungen sind bei einer so jungen Truppe normal." Ähnlich sieht es Ralf Wiggenhauser. In der Hinrunde (15:7 Punkte) habe das Team "das Ziel übererfüllt", die Rückrunde (12:10) sei "in Ordnung" gewesen. "Allerdings", bedauert der HSG-Trainer, "wäre sogar mehr drin gewesen." Unnötige Niederlagen bei Ketsch II, in Kandel und gegen Waiblingen-Korb II hätten aber "richtig weh getan".

Zu Saisonbeginn hätte Wiggenhauser davon kaum zu träumen gewagt. Erneut musste er einen riesigen Umbruch verkraften mit dem Abgang mehrerer Stammkräfte, dem Ausfall von Torhüterin Lena Fischer (Kreuzbandriss-OP) und der Integration eines halben Dutzend neuer, junger Spielerinnen, sogar im laufenden Spielbetrieb. Doch dieser Prozess klappte erstaunlich schnell. Dabei galt es in der Abwehr den gesamten Innenblock zu ersetzen. Auch die größte Baustelle im Tor wurde mit Improvisationskunst, darunter der Rückholaktion von Altmeisterin Katharina Heilmann, gemeistert. Indes verhehlt Wiggenhauser nicht, dass er sich hier von Debora D’Arca und Zoe Ludwig "etwas mehr Rückhalt erhofft" hätte.

Der starke Schlussakkord, den Ludwig gegen Haunstetten setzte, lässt für die Zukunft hoffen. Dies gilt auch für ihre Teamkolleginnen, die allesamt eindrucksvoll ihr sportliches Potenzial aufzeigten: So verrammelte der kompakte Abwehr-Innenblock mit Rebecca Dürr, Nadine Czok, Carolin Spinner und Angelika Makelko die Räume für den Gegner. Alle Spielerinnen kämpften mit unbändigem Einsatz und erstellten im Verbund eine kaum überwindbare Barrikade. Auch das blitzartige Umschalten von Abwehr auf Angriff und umgekehrt klappte beim Finale mit frappierender Souveränität. Herrliche Spielzüge wurden gekrönt mit spektakulären Treffern aus dem Lehrbuch.

Dennoch ist die Deckung Wiggenhausers größte Baustelle. "Zu oft kassierten wir über 30 Gegentore, da müssen wir uns erheblich verbessern." Zur nächsten Saison will er dem Team ein zweites Abwehrsystem vermitteln. Das Problem fehlender Konstanz sieht der HSG-Coach nicht im fehlenden Willen oder Einsatz. Verantwortlich macht er "eher Kopf und Übereifer der Mädels, die sich nicht absichtlich hängen lassen". Auch dies wertet Wiggenhauser als Lernprozess. "Sie funktionieren, wenn sie unter Druck stehen und es drauf ankommt" – wie gegen die drei Topteams Bietigheim II, Metzingen II und Haunstetten, gegen die sie jeweils den direkten Vergleich gewannen.

Stärken will der Freiburger Übungsleiter, der sich auch nach 13 Amtsjahren nicht abgenutzt fühlt, vielmehr sein Tun "inzwischen als Herzensangelegenheit" ansieht, die Eigenverantwortung seiner Spielerinnen. Czok, Spinner, Christiane Baum und Dürr, die schon in ihrer ersten Saison Wiggenhausers rechte Hand auf dem Feld war, müssten künftig "auch emotional eine Anführerrolle übernehmen". Dazu gehöre "mehr Kommunikation im Spiel".

Eine gute Basis ist, dass der Kader fast komplett zusammen bleibt. Emotional verabschiedet wurden nur die sichtlich gerührte Anna Gempp und Lisa-Marie Oevermann. Kommen sollen in der Sommerpause noch zwei, drei Neuzugänge. Eigengewächs Kathrin Schilling fügte sich schon bei ihrem Drittligadebüt gegen Haunstetten erstaunlich gut ein. Als Spielmacherin war sie passsicher, antrittsschnell und torgefährlich. Ein Wunsch liegt Wiggenhauser und seinem Co. Ralf Sausmann noch besonders am Herzen: dass sich ein Sponsor findet für die Trikotfront der Frauen. Denn die HSG Freiburg besitzt als einziges Team der Dritten Liga keinen Werbeschriftzug.