Wenn alle Köpfe runter gehen

Jochen Dippel

Von Jochen Dippel

Mo, 27. November 2017

Handball 3. Liga

Drittliga-Handballerinnen der HSG Freiburg kassieren gegen SV Allensbach herbe 20:32-Schlappe.

HANDBALL. Dritte Liga Frauen: HSG Freiburg – SV Allensbach 20:32 (8:14). Jetzt hat es die Ballwerferinnen der HSG Freiburg doch noch in diesem Jahr erwischt: Nach vier Heimsiegen in Folge kassierten sie ihre erste Niederlage, die zweite in dieser Saison. Und die fiel mit zwölf Treffern Differenz im südbadischen Derby gegen den SV Allensbach zugleich überaus schmerzhaft aus. Trotz der 20:32-Klatsche bleiben die Freiburgerinnen vor der letzten Hinrundenpartie beim Zweitligaabsteiger TSV Haunstetten vorerst Tabellenzweiter.

"Mit so einem Ergebnis habe ich nie gerechnet, vor allem angesichts unserer Verletztenmisere", gestand der Allensbacher Trainer Oliver Lebherz und zeigte sich "nach der besten Saisonleistung" zu Recht stolz auf sein Team. Mit der Prognose befand er sich in guter Gesellschaft. Denn auch die rund 350 festlich gestimmten Zuschauer, die auf einen weiteren Heimsieg gehofft hatten, zumindest aber auf eine spannende Auseinandersetzung, trauten ihren Augen nicht ob des unerwartet einseitigen Geschehens in der Gerhard-Graf-Sporthalle.

"Allensbach hat seine ganze Klasse ausgespielt und unsere Defizite schonungslos aufgedeckt", räumte HSG-Trainer Ralf Wiggenhauser zerknirscht nach der sechzigminütigen, "extrem bitteren" Lehrstunde ein. Das Team habe kollektiv schwach agiert. "Aber das wirft uns nicht aus der Bahn." Dagegen freute sich die Allensbacherin Sarah Rothmund über "eine endlich einmal konstante und nicht nur phasenweise gute Leistung". Den Grund dafür sah Lebherz vor allem darin, "dass wir die Freiburger Schlüsselspielerinnen im Griff hatten".

Dabei begannen die Einheimischen gewohnt engagiert und erfolgreich: Gleich die ersten drei Würfe fanden ihr Ziel und bescherten eine 3:1-Führung. Zweimal traf Liga-Toptorjägerin Nadine Czok, einmal Angelika Makelko, der auch das 4:3 gelang, der letzte Vorsprung. Hinten hielt Torhüterin Debora D’Arca beim Comeback nach mehrwöchiger Verletzungspause ihren Kasten weitgehend dicht.

Dann aber war es mit der Freiburger Herrlichkeit vorbei. Während sich im Angriff Patzer an Patzer reihte und die HSG immer seltener Abschlusslösungen fand, bekam die Abwehr keinen Zugriff auf die munter kreuzenden, spielstarken und körperlich präsenten Gäste. "Vorne spielten wir nur quer, nicht mehr tief zum Kreis", urteilte Wiggenhauser. Selbst Czok, hernach untröstlich, erwischte einen gebrauchten Tag und fabrizierte fortan etliche Fehlwürfe, womit sie nach und nach alle Teamkolleginnen ansteckte. Über 7:4 zog Allensbach zur Pause auf 14:8 davon.

Nach dem Wechsel bäumten sich die Freiburgerinnen zwar noch einmal auf. Doch als dann Christiane Baum, Carolin Spinner, Makelko und zweimal Czok mit gleich fünf Tempogegenstößen binnen vier Minuten die starke Gästekeeperin Stephanie Lukau zur Weltmeisterin machten, schwand auch der letzte Funken Hoffnung. "Bei allen gingen die Köpfe runter, die Spielerinnen glaubten nicht mehr an sich, alles war blockiert", sagte Wiggenhauser. Der HSG-Express wirkte wie ein mit angezogener Handbremse fahrendes Auto, das immer stärker qualmt, weil niemand sie löst.

Allensbach, das ohne das verletzte HSG-Gewächs Hannah Person antrat, enteilte bis auf 26:14 (50.) und zerlegte resignierende Freiburgerinnen akkurat und genüsslich wie schmackhafte Bodensee-Felchen. Einen HSG-Lichtblick gab es in den letzten zehn Minuten doch noch: Die 16-jährige B-Jugendliche Alina Majcen spielte völlig unbelastet, erzielte vier Tore und war, symptomatisch für diesen Abend, beste Schützin ihres Teams.

Tore HSG: Majcen 4, Spinner 3, Czok 3/1, Makelko 2, Dürr 2, Burgert 2, Baum 2, Hartl 2. Spielfilm: 3:1, 4:3 (10.), 4:7 (18.), 6:11 (24.), 8:12 (27.), 8:14. – 10:18 (39.), 12:23, 14:26 (50.), 20:32.