Handball

Patrick Gempp aus Weil am Rhein spielt Zweite Bundesliga

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

Fr, 13. Oktober 2017

Handball Allgemein

Handballer Patrick Gempp hat eine enttäuschende U-21-Weltmeisterschaft hinter sich und will sich nun bei der DJK Rimpar etablieren.

HANDBALL. Der Weiler Handballer Patrick Gempp spielt seit dieser Saison Zweite Bundesliga. Im unterfränkischen Rimpar bastelt der 21-Jährige am nächsten Karriereschritt. Zwischen Praxissemester, Training und dem Traum vom Profitum.

Rückblick: Zwei triste Tage mitten im Hochsommer. All die heißen Sonnenstrahlen der algerischen Hauptstadt konnten die Gemütslage der deutschen U-21-Handballjunioren nicht aufklaren. Trauerstimmung in Algier, dort, wo andere Urlaub machen. "Die Enttäuschung war riesig", erinnert sich Patrick Gempp an die Weltmeisterschaft. "Ein ganz trauriger Moment", meinte DHB-Trainer Erik Wudtke. Es hatte etwas Tragisches.

Als amtierender Vizeeuropameister war die U 20 mit Kreisläufer Gempp nur so durch das Turnier geflogen. Kaum Probleme hatten die Wurfkünstler bei ihrem Siegeszug ins Halbfinale. Gegen Europameister Spanien war dann aber im Halbfinale Schluss, urplötzlich. Zu viele Chancen ließen die Talente liegen – 21:26. Zwar blieb ihnen die Chance auf Bronze, doch im Spiel um Platz drei gegen die Franzosen war das Glück nicht auf deutscher Seite. Ein Tor fehlte für die Verlängerung. Heimreise ohne Medaille.

"Das war

natürlich hart."
Patrick Gempp zur U-21-WM
"Das war natürlich hart. Das ganze Turnier nur zwei Spiele verlieren, aber dann doch ohne Zählbares da zu stehen", sagt der Kreisläufer, der aus dem Nachwuchs des ESV Weil stammt, zwei Monate später.

Gempp ist gerädert. Bundesligahandball und Praxissemester machen ihm zu schaffen. In Aschaffenburg studiert der Weiler Recht und BWL im fünften Semester. Dieses verbringt er, um Berufserfahrung zu sammeln, in einer Würzburger Steuerberatungskanzlei. Gepaart mit sieben Trainingseinheiten die Woche ergibt sich ein auslaugender Mix. Morgens Kanzlei, Krafttraining in der Mittagspause und abends Einheiten mit dem Team. Ein gemütliches Studentenleben sieht anders aus. "Man gewöhnt sich aber dran", beschwichtigt der Muskelberg. Er hat eine gemütliche Art, ist zum Scherzen aufgelegt. Nur auf dem Spielfeld bewegt er seinen 105-Kilogramm-Körper in einer Mischung aus Bolide und Gazelle rasant-wuchtig am Kreis entlang. Seit dieser Saison auch in der Zweiten Bundesliga.

Über den TV Großwallstadt, den Club mit glorreicher Vergangenheit und sieben Meistertiteln im Briefkopf, hat sich Gempp nach oben gearbeitet. Und in Würzburg kann er Studium und Handball auf hohem Niveau weiterhin optimal verbinden. Sein neuer Verein, die Rimparer Wölfe, preisen ihn als hungrigen und lernwilligen Spieler an. In den ersten acht Spielen hat er es auf sechs Tore geschafft. Die Wölfe, letztes Jahr noch Vierter, stehen derzeit auf Rang neun. "In Ordnung", findet das Gempp, "wir haben eine gute, junge Mannschaft, am Ende wollen wir einen einstelligen Tabellenplatz."

Das nächste Mal in der Heimat am Hochrhein wird der Koloss erst wieder über Weihnachten sein. Bis dahin versucht er, Bundesligahandball und Steuerkanzlei unter einen Hut zu bringen. "Das bin ich aber auch gewohnt." Nach den ersten Handball-Versuchen beim ESV Weil und im Südbaden-Kader wechselte Gempp mit 15 Jahren in das Großwallstadter Internat. "Das hat Riesenspaß gemacht", sagt er über den großen Schritt. Als Pubertierender 500 Kilometer weg von zu Hause, in ein Internat mit 14 anderen Jungs: kein leichter Schritt. Aber gemeistert mit Bravour. Hier empfahl er sich für die U-19-Nationalmannschaft und holte die Silbermedaille bei der EM.

"Ich will auch hier

mein Niveau bringen."
Patrick Gempp zur 2. Bundesliga
Im Anschluss an die vier Internatsjahre wechselte er ins Drittligateam Großwaldtstadts, reifte zum Juniorennationalspieler. Mit dem bekannten tragischen Ende an den zwei tristen Sommertagen mitten im Sommer von Algiers.

Ist die Nationalmannschaft das unmittelbare Ziel? Lässiges Abwinken. "Ich muss stark im athletischen Bereich arbeiten, meine Sprungkraft verbessern", betont der 1,90-Meter-Hüne. Und überhaupt: Erst einmal gelte es, in der neuen Liga Fuß zu fassen. "Ich will auch hier mein Niveau bringen." Er hat es mit renommierten Handballclubs wie TuSEM Essen und ThSV Eisenach zu tun.

Dafür ist Patrick Gempp bereit, hart zu arbeiten. Pendeln zwischen Arbeit, Training und Kraftraum: Es wird auf längere Zeit sein täglich Brot bleiben. Getreu dem Motto: Wider den tristen Sommertagen. Das nächste große Turnier will er schließlich nicht mit zwei Niederlagen beenden.