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10. Dezember 2015

Ein wunderbar getanzter Adventskalender

Schüler des Tanz- und Ballettprojekts Häusern präsentieren eine Choreografie ihrer Lehrerin Evelyn Puefken.

  1. Da war er: Sonnenkönig Louis XIV. (Sebastian Gerhards) inmitten seiner Hofdamen bei der Ballettaufführung in Häusern. Foto: Cornelia Liebwein

HÄUSERN (lib). Worin lag der Zauber dieser Sonntagnachmittagsstunden, an dem die Menschen herbeiströmten und das Kur- und Sporthaus bis auf den letzten Platz füllten? Es waren die großartigen Leistungen von mehr als 22 kleinen und großen Tänzerinnen und einem Tänzer des Tanz- und Ballettprojekts Häusern unter der Leitung von Evelyn Puefken. "Adventskalender Ballett" – so war die Aufführung überschrieben. Zu sehen gab es tanzende Überraschungen hinter 23 Adventstürchen.

"Das 24. Türchen aber soll natürlich Zuhause geöffnet werden", lächelte Ballettmeisterin Puefken. Die wiegenden Hüften und Schultern ihrer Ballettschülerinnen Marion Baumgartner und Lena Schupp oder das rhythmische Tanzen des 16-jährigen Sebastian Gerhards sowie das des kompletten Ensembles zuzüglich der 15 Jugendlichen Ballettschülerinnen aus Freiburg, waren die Antworten der fantasievollen Choreografien von Evelyn Puefken.

Für jedes der 23 kleinen Türchen gab es eine andere Facette der grazilen Tanzdarstellungen, in denen von der Geschichte des Mannes erzählt wurde, "dem man so vieles zu verdanken habe".

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Da war er, das Gesicht hinter einer Maske, der Schopf unter einer Schwarzhaarperücke und einem gewaltigen Kopfschmuck – mitten unter den Eleven der einzige Junge, als Sonnenkönig Ludwig XIV., goldfarben gekleidet.

Und in diesem nachmittäglichen Glanz ertönte die kunstvolle Klaviermusik als Einspielungen des Pianisten Helmut Timpelan. "Auf der ganzen Welt, jeden Tag, seit über 300 Jahren trainieren Ballettschüler, um den Körper zu prägen wie ein Bildhauer den Körperbau zu einem Kunstwerk", erzählte Puefken. Plié, Hacke, Spitze, 1-2-3, jeder habe über seine eigenen Grenzen hinaus gearbeitet, erfuhren die Gäste.

Es sei der Weg und nicht das Ziel und die Regeln seien die gleichen. Aber woher kommen sie? Ohne ihn hätte es keinen Schwanensee gegeben, keinen Nussknacker, denn mit dem Aufstieg Louis XIV. zur Macht, wurden auch die Akademien für Musik und Tanz gegründet. Er leuchtete wie die Sonne, fuhr Puefken fort.

Die Haare der Mädchen waren streng nach hinten gebunden. Sie trugen ihre weißen Tüllröcke und im Gesicht ihr Lächeln. Vertraut schwebten sie auf Ballettschuhen – beim "Tanz der Zuckerfee" oder beim "Marsch" von Tschaikovsky auf den Spitzen – mit geradem Rücken die ganze Diagonale der Bühne entlang und drehten sich anmutig und liebreizend um die eigene Achse. Dabei lebten sie ihren Traum und ihre Leidenschaft. Vergessen waren alle Mühen konzentrierten Trainings bis hierher.

Dafür war große Freude zu spüren, dort wo die spanischen, französischen, italienischen und englischen über 300-jährigen Originalüberlieferungen bei rekonstruierten Tänzen wie dem "Un sarao de la Chacona", "Les Folies d’Espagne", "La Bourree d’Achilles (aus der Oper Axilles et Polypheme)" und den vielen anderen Darbietungen ihren eigenen Charme entfalteten und die Zuschauer bezauberten. So wie auch am vorletzten Sonntag, als die Schar in Freiburg vor ausverkauftem Haus auftrat.

Autor: lib