Einführung zum 1. April

Handel einigt sich auf Tierwohl-Label

Erich Reimann/Sascha Meyer

Von Erich Reimann/Sascha Meyer (dpa)

Fr, 11. Januar 2019 um 19:14 Uhr

Wirtschaft

Tierschutz beim Einkaufen soll einfacher werden: Die großen deutschen Supermarktketten wie Edeka, Rewe, Aldi und Lidl wollen ein einheitliches Siegel auf Fleisch-Packungen einführen.

Die Kennzeichnung soll Verbraucher über Haltungsbedingungen der Schlachttiere informieren. Das teilte die vom Lebensmittelhandel getragene Initiative Tierwohl am Freitag mit.

Die Aufdrucke mit der Aufschrift "Haltungsform" sollen künftig für Rinder-, Schweine- und Geflügelfleisch bei Aldi, Edeka, Kaufland, Lidl, Netto Marken-Discount, Penny und Rewe zu finden sein. Vorgesehen sind vier Stufen: Die erste Stufe "Stallhaltung" entspricht lediglich den gesetzlichen Anforderungen. Fleisch, das mit der Stufe 2 "Stallhaltung plus" gekennzeichnet ist, sichert Tieren unter anderem mindestens zehn Prozent mehr Platz und zusätzliches Beschäftigungsmaterial. Stufe 3 "Außenklima" garantiert Tieren noch mehr Platz und Frischluft-Kontakt. Bei Stufe 4 "Premium" haben die Tiere zudem Auslaufmöglichkeiten im Freien. Auch Biofleisch soll in diese vierte Stufe eingeordnet werden.

Viele der Handelsketten hatten in den vergangenen Monaten bereits mit eigenen Kennzeichnungssystemen begonnen. Die Uneinheitlichkeit soll nun durch das einheitliche Vier-Stufen-System mehr Klarheit für Verbraucher schaffen. Die Branche prescht damit weiter vor, während Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) noch die Vorbereitungen für ein staatliches Tierwohl-Kennzeichen vorantreibt, das voraussichtlich 2020 in die Regale kommen soll.

Das Ministerium begrüßte die Initiativen des Handels – machte aber klar, dass die eigenen Pläne darüber hinausgehen sollen. Das neue System des Handels sei so konzipiert, dass es grundsätzlich mit einer staatlichen Kennzeichnung vereinbar sei, erläuterte die Initiative Tierwohl. Vorreiter war der Discounter Lidl. Er hatte im April vergangenen Jahres begonnen, auf Fleischprodukte seiner Eigenmarken eine Haltungskennzeichnung aufzudrucken. Erklärtes Ziel: mehr Produkte aus besserer Haltung zu verkaufen. Viele Wettbewerber von Aldi bis Rewe waren dem Beispiel gefolgt. Deutschlands größter Lebensmittelhändler Edeka hatte sich allerdings zunächst zurückgehalten. Am Freitag kündigte Edeka nun an, von 1. April an ebenfalls das gemeinsame Siegel einzuführen. Die Supermarktkette Real will dagegen auf eine bundesweite gesetzliche Regelung warten.

Der Deutsche Tierschutzbund begrüßte die Initiative des Handels. Doch reiche dies nicht aus, sagte Verbandspräsident Thomas Schröder der Neuen Osnabrücker Zeitung. Wenn der Handel es wirklich ernst meine, müsse er auch Billigpreiswerbung für Fleisch beenden.