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15. März 2010 15:30 Uhr
Konsequenzen
Handgranaten-Kuckucksuhr verschwindet von Tourismus-Broschüre
Eine Kuckucksuhr mit Handgranaten, Sturmgewehren und Totenköpfen sorgt für Aufregung im Hochschwarzwald – ziert sie doch das Titelblatt einer Tourismus-Broschüre. Noch. Denn nun ist Schluss mit der provokanten Coverkunst.
HOCHSCHWARZWALD. Das Titelblatt der Kulturbroschüre des Hochschwarzwalds wird überklebt beziehungsweise bis zur Lieferung dieses Aufklebers entfernt: So hat die Hochschwarzwald Tourismus Gesellschaft (HTC) auf die Kritik an der Verwendung des Fotos der "bewaffneten" Kuckucksuhr reagiert.
Hatte der Online-Artikel der Badischen Zeitung am Donnerstag binnen weniger Stunden für Dutzende von Kommentaren gesorgt, so ist der Neustädter BZ-Redaktion über das Wochenende eine Fülle von Leserbriefen eingegangen. Diese sind am Dienstag in der gedruckten BZ zu lesen.
Der HTC-Aufsichtsratsvorsitzende Hansjörg Eckert stellte am Montag fest, dass er persönlich die Wahl der Kuckucksuhr als "Missgriff" sehe und sich persönlich davon distanziere. Werbemittel seien nicht Thema des Aufsichtsrats, sondern des Geschäftsführers, und da sei Fingerspitzengefühl gefordert. Geschäftsführer Thorsten Rudolph gab in Abstimmung mit Eckert und den Bürgermeistern nach einer Sprengelsitzung eine Stellungnahme ab.
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Die HTG, heißt es darin, werbe seit November 2009 mit einem 274 Seiten starken Image- und Gastgeberkatalog im In- und Ausland, der keinerlei Kunstobjekte des Heimatkünstlers Stefan Strumbel oder ähnliche Werke enthalte; auch nicht im Kunst & Kultur-Teil auf Seite 49. Für den Produktbereich Kunst & Kultur sei am 16. Januar 2010 ein Veranstaltungskalender auf den Markt gebracht worden mit der Kuckucksuhr Strumbels als Titel. Rudolph betont die international hohe Anerkennung Strumbels und führt hierfür nochmals einen Artikel der New York Times an. "Hier", schreibt er, "wurde auch jene Uhr in Weiß abgebildet, die in Schwarz das Titelbild des neuen Veranstaltungskalenders der HTG ziert".
Rudolph weiter: "Totenköpfe und Skelette sowie der Sensenmann wurden (...) als Motive auf den Schwarzwalduhren von unseren Schwarzwälder Uhrmachern verwendet. Ein solches Objekt ist im Klostermuseum in St. Märgen zu besichtigen. Auch auf den traditionellen Schwarzwalduhren sind immer wieder Gewehre zu sehen und werden ohne große Diskussionen akzeptiert. Aus diesem dargestellten Hintergrund und da es sich um einen neuartigen Veranstaltungskalender handelt, wurde dieses Titelbild ausgesucht." Die Broschüre sei seit zwei Monaten auf dem Markt und von tausenden Einheimischen und Gästen in den Händen gehalten worden; bis zur Veröffentlichung des Artikels habe es eine einzige negative Reaktion gegeben; ansonsten habe der Flyer bei der Verteilung auf Messen bei den Gästen nur positive Resonanz hervorgerufen.
Er fügt an, dass er als Vater von zwei kleineren Kindern die Verherrlichung von Gewalt in jeder Form ablehne. Ihm seien bei der Verwendung dieses Kunstobjekts "Vergleiche in dieser oder jeder anderen Richtung, wie sie angestellt werden, nicht bewusst gewesen und sie entsprechen absolut nicht der Intention des Künstlers." Speziell die Verbindung zum Reichsadler und zu Nazisymbolen sei abwegig. Und: "Ich bedauere sehr, dass sich einzelne Menschen persönlich getroffen fühlen und Irritationen entstanden sind."
- Heimat-Debatte: Stefan Strumbel in der Galerie Springmann
Autor: Peter Stellmach
