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11. August 2012

Skurriler Wettbewerb

Handtasche, flieg!

BZ-INTERVIEW mit André Puchta, dem Organisator der Handtaschenweitwurf-Weltmeisterschaft in Bottrop.

  1. Siegtrophäe ist eine goldene Handtasche Foto: Fotos: BZ/privat

  2. Organisator André Puchta Foto: Privat

FREIBURG. In Bottrop findet am Samstag die laut Veranstalter erste Handtaschen-Weitwurf-Weltmeisterschaft in Deutschland statt – ein Ereignis, das Fragen aufwirft. Über die HTWWWM, wie die eingängige Abkürzung lautet, sprach Katharina Meyer mit einem der Organisatoren, dem Kölner PR-Berater André Puchta (29).

BZ: Vermutlich machen bei Ihrer WM nur Männer mit?

Puchta: Nein, wir haben sowohl Männer als auch Frauen vor Ort.

BZ: Erstaunlich, schließlich trennen sich die meisten Frauen nur ungern von ihren Handtaschen...

Puchta: Na ja, wir wissen schon, welchen Stellenwert Handtaschen für das weibliche Geschlecht haben. Schließlich ist die Idee für den Wettbewerb entstanden, als ich in einem Kölner Café mitbekam, wie einer Frau die Handtasche entrissen wurde. Sie war fast trauriger über den Verlust der Handtasche als über den des Geldes oder des Handys.

BZ: ...um so unvorstellbarer, dass die Frauen alle ihre eigenen Taschen rumschleudern.

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Puchta: Die Taschen werden selbstverständlich gestellt, wir haben zwei Ausstatter.

BZ: Aha. Also keine eigenen Taschen.

Puchta: Man kann selbstverständlich seine eigene Tasche mitbringen. Aber wir haben 60 ganz verschiedene Taschen vor Ort, da kann sich jeder seine Wunschtasche heraussuchen und dann für sein Heimatland oder Lieblingsland antreten.

BZ: Das heißt, die Taschen fliegen ohne Lippenstift und Wimperntusche.

Puchta: So sieht das aus. Die Taschen werden auf ein oder zwei Kilo mit Sand befüllt, je nach Wind. Es gibt vier Wurfmöglichkeiten: Das ist das Stoßen der Handtasche in gebeugter Position, dann haben wir einen kurz angebundenen Kurbelwurf, da wirft man mit linker Hand und Höchstgeschwindigkeit in den Himmel. Dann gibt es die Disziplin Freestyle, eine eher ästhetische, sinnliche und elegante Alternative und dann noch den drehenden Diskuswurf.

BZ: Und man muss in allen Disziplinen antreten?

Puchta: Das sind einfach Wurfmöglichkeiten, es zählt die Weite des Wurfs.

BZ: Wo liegt der Rekord?

Puchta: Einen Rekord gibt es noch nicht, da es noch keine Weltmeisterschaft gegeben hat.

BZ: Es könnte ja eine deutsche Meisterschaft gegeben haben.

Puchta: Da haben Sie recht. Es gab auf diversen Stadtfesten und Vereinsfesten den Versuch, den Handtaschenweitwurf zu etablieren, aber in dieser Größe und Professionalität – mit 14 Teams aus mehreren Ländern – hat es das noch nicht gegeben. Daher gibt es keine offizielle Messlatte. In unserem Trainingscamp zeigte sich aber, dass man 20 Meter durchaus schaffen kann.

BZ: Mit was für einer Handtasche?

Puchta: Mit einer handelsüblichen Handtasche, wie Sie sie vielleicht auch zu Hause haben.

BZ: Das klang jetzt nicht besonders modebewusst. Ich meinte eher: Kunstleder oder echtes, Clutch oder Shopper...

Puchta: Ich denke nicht, dass das Material einen Unterschied macht. Eher die Körperhaltung oder die Oberarme.

BZ: Es ist offenbar in Mode, Alltagsgegenstände durch die Gegend zu werfen. Im Handy-Weitwurf gibt es ebenfalls eine Weltmeisterschaft und Prinz Willem löste kürzlich in Holland einen kleinen Skandal aus, als er an einem Toilettenweitwurf teilnahm. Worin liegt der Reiz?

Wir können natürlich nicht für andere Weltmeisterschaften sprechen. Wir können aber sagen, dass wir mit dieser WM einen Nerv getroffen haben. Handtaschen interessieren Frauen, aber auch die Männerwelt. Es gibt Studien, die besagen, dass Frauen durchschnittlich 35 Utensilien darin herumtragen. Meist werden alte Taschen im Kleiderschrank eingemottet. Deshalb ist unser Motto: "Mehr Mut zum Loslassen." Für die Männer stellt die Handtasche nach wie vor ein Mysterium dar. Mancher Bewerber möchte mit dem Wurf vielleicht auch ein Stück Frauenvergangenheit beenden. Wussten Sie eigentlich, wie viel Lebenszeit eine Frau damit verbringt, in ihrer Handtasche zu wühlen?

BZ: Nein.

Puchta: Auch dazu gibt es Studien. Es sind 76 Tage.

Autor: kam