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11. Januar 2017 17:51 Uhr

Einigung in Freiburg

Handwerkskammer: Ex-Hauptgeschäftsführer geht

Die Handwerkskammer Freiburg und ihr früherer Hauptgeschäftsführer Johannes Burger trennen sich mit sofortiger Wirkung. Das bestätigte die Kammer gegenüber der Badischen Zeitung.

  1. Johannes Burger verlässt die Handwerkskammer Freiburg. Foto: HWK

Der frühere Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Freiburg, Johannes Burger, verlässt die Kammer mit sofortiger Wirkung. Es sei eine Vorruhestandsregelung getroffen worden, bestätigte ein Sprecher am Mittwoch der Badischen Zeitung. Zuvor hatte eine außerordentliche Vollversammlung – das Parlament der Handwerker – dem Vergleich zugestimmt.

Damit endet eine langwierige Auseinandersetzung zwischen Burger und der Kammerspitze. Die begann im August 2015, als das im November 2014 neu gewählte Präsidium mit Malermeister Johannes Ullrich an der Spitze Burger entmachtete. Der langjährige Hauptgeschäftsführer der Kammer, in der rund 15.000 Handwerksfirmen Mitglied sind, sollte als einer von drei Geschäftsführern nur noch für die Handwerksrolle verantwortlich sein. Die stets von Burger wahrgenommene Vertretung der Kammer in der Öffentlichkeit wurde ihm entzogen.

Verhandlungen über einen außergerichtlichen Vergleich

Begründet wurde das damit, "dass die bereits vor den Wahlen definierten zentralen Ziele und die Art und Weise, wie das Freiburger Modell mit neuem Leben erfüllt werden sollte, nicht in der gewünschten Art und Weise gemeinsam angegangen werden konnten". Dagegen klagte Burger vor dem Arbeitsgericht Freiburg, parallel liefen Verhandlungen über einen außergerichtlichen Vergleich. Die scheiterten lange Zeit – so viel drang darüber nach außen – weniger an der Höhe der Abfindung, als vielmehr an Burgers Weigerung, sich zum Stillschweigen über seinen Arbeitgeber zu verpflichten. Solche beiderseitigen Verschwiegenheitserklärungen gehören zum traditionellen Repertoire von Vergleichen.

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Das Arbeitsgericht Freiburg gab Burger schließlich in drei von vier strittigen Punkten Recht, woraufhin die Handwerkskammer ihm anbot, den Geschäftsbereich berufliche Bildung zu leiten, die größte Abteilung der Kammer. Nach dem Jahresurlaub hätte Burger diese Tätigkeit am 13. Januar antreten sollen.

Wie sieht der Vergleich aus?

Wie der nun geschlossene Vergleich aussieht, bleibt – wie in solchen Fällen üblich – das Geheimnis der Beteiligten. Zu welchen Bedingungen der 62-jährige Burger in den Vorruhestand geht, wird die Öffentlichkeit nicht erfahren.

Die 40-köpfige Vollversammlung der Handwerkskammer tagte unter Ausschluss der Öffentlichkeit, wie es bei Personalfragen üblich ist. Weder Burger noch sein Anwalt waren am Mittwoch für Stellungnahmen erreichbar. Dass es um erkleckliche Summen geht, steht außer Frage. Im Zuge der Gerichtsverhandlung wurde bekannt, dass Burger – auch dank Gehaltserhöhungen durch den früheren Kammerpräsidenten Paul Baier – in der Gehaltsklasse von Botschaftern und Oberbürgermeistern größerer Städte rangiert.

Auch zwei Vorgänger mussten gehen

In der Handwerkerschaft dürfte die Erleichterung über das Ende der Querelen den Ärger über die Kosten der Abfindung überwiegen. Bei der regulären Vollversammlung im Herbst klagte beispielsweise Präsident Ullrich, die gute Arbeit der Kammer werde durch den Streit mit Burger völlig in den Hintergrund gedrängt.

Burger ist der dritte Hauptgeschäftsführer, der die Kammer unfreiwillig verlässt. Auch seine Vorgänger Kuno Zeller und Rudolf Weng mussten gehen und klagten gegen ihren Arbeitgeber.

Ganz beendet ist die Angelegenheit noch nicht. Bei der Stadt Freiburg ist ein Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen Ullrich anhängig. Er soll in seinem Malerbetrieb Schwarzarbeit zugelassen haben. Ironischerweise geht es dabei um Arbeiten, die Ullrichs Firma am Haus von Johannes Burger vornahm. Es werde "sehr, sehr, sehr gründlich ermittelt", sagte Ullrich im Herbst. Die Akte umfasse mittlerweile mehr als 600 Seiten. "Das Verfahren ist bundesweit einmalig", so Ullrich. Wie es nun bei der Stadt Freiburg heißt, soll Ende Januar eine Entscheidung fallen.

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Autor: Jörg Buteweg