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24. August 2009 10:27 Uhr

PS-Spektakel im Markgräflerland

Harakiri unter Flutlicht – das Hertinger Grasbahnrennen

Grasbahnrennen in Hertingen - hier trommeln auch mal Erdklumpen an die Schläfen jener Zuschauer, die sich nicht rechtzeitig wegducken. Matthias Kaufhold war bei dem PS-Spektakel im Markgräflerland dabei.

  1. Verbissener Kampf um jeden Zentimeter: Motorsport-Action in Hertingen, einem Ortsteil von Bad Bellingen. Foto: meinrad schön

  2. Im richtigen Augenblick voll da: Stephan „The Catman“ Katt (vorne) versetzt beim EM-Halbfinale seinen deutschen Kontrahenten Enrico Janoschka. Foto: schön

MOTORSPORT. Mit der einbrechenden Dunkelheit kam das ohrenbetäubende Geknatter. Zwei lichtdurchflutete Nachtfahrten hatte es beim Hertinger Grasbahnrennen noch nicht gegeben. Die Premiere am Wochenende war ein voller Erfolg. 2500 Zuschauer sahen am Freitagabend das EM-Halbfinale, das Stephan Katt aus Neuwittenbek für sich entschied. Tags darauf kamen 3000 Zuschauer zu den Wettbewerben im Gespannfahren, den Solo, Enduro-, Schüler- und Quad-Klassen. "Damit sich wir überaus zufrieden", bilanzierte Frank Fredrich, erster Vorsitzender des Ausrichters MSC Rebland Hertingen.

Grasbahnrennen in Hertingen – hier fliegen nicht die Fetzen, hier trommeln Erdklumpen an die Schläfe jener schläfrigen Zuseher, die sich hinter der Bande an der schräg abfallenden Zielkurve des Markgräflerrings nicht rechtzeitig wegducken. Alle anderen verlassen das Oval im Rebland mit Staub auf den Schultern und Sand zwischen den Zähnen. Alle Bewässerungsaktionen des Veranstalters haben Staubwolken bei den Schrägfahrten nicht verhindern können. Die Trockenheit war übermächtig, der Regen blieb aus.

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Auch wenn die Grasnarbe auf dem 520-Meter-Kurs längst gewichen ist und an das Grün des Namens höchstens die umliegenden Wiesen erinnern, hat Sirg Schützbach seine sportliche Zukunft womöglich auf Sand gebaut. Beim für die Schweiz fahrenden Langbahnfahrer aus dem oberschwäbischen Baindt wurde vor kurzem eine Allergie gegen 24 Gräserarten diagnostiziert. In Hertingen musste Schützbach das Halbfinale der Europameisterschaft nach dem ersten Lauf abbrechen. Die Allergie schnürte ihm die Luft unter dem Helm ab.

DIE MARKGRÄFLER LUFT VERLEIHT FLÜGEL

Die Markgräfler Landluft verleiht Stephan Katt hingegen Flügel. "Ich liebe diese Bahn", sagte der 29-jährige Nordlicht aus Schleswig-Holstein, "hier überwinde ich immer gerne meinen Schweinehund". Katt, in der Soloklasse der 500-ccm-Maschinen Europameister 2006, gewann den abschließenden A-Finallauf des EM-Halbfinales mit einem famosen Start vor Enrico Janoschka (Güstrow). Dabei hatte Janoschka zuvor sämtliche vier Punkterennen für sich entschieden und lag auch im A-Finale nach 400 Metern zunächst vorne. Dann aber wurde das Rennen wegen eines Sturzes des Briten Paul Hurry annulliert und neu angesetzt. Janoschka verpatzte den zweiten Start, "mein Vorderrad stieg an, ich musste zwei, drei Mal nachkuppeln", erklärte der Mannschafts-Weltmeister, der im weniger bedeutsamen Rennen der internationalen Soloklasse am Samstag hinter Hurry erneut Zweiter wurde.

Schwamm drüber. Was in Hertingen zählte, war die Qualifikation für das Finale der Europameisterschaft am kommenden Sonntag in Berghaupten. Dafür mussten die Fahrer lediglich das A-Finale erreichen, was neben Katt und Janoschka auch Christian Hülshorst aus Lüdinghausen gelang. "Hülse", der Westfale, musste jedoch den Umweg über das B-Finale gehen, aus dem sich die ersten beiden Fahrer neben den vier punktbesten der Vorläufe für das A-Finale qualifizierten.

Somit gingen die Akteure im B-Finale größtes Risiko, was in einen (glimpflich verlaufenen) Massensturz und eine Harariki-Aktion des Ukrainers Vladimir Trofimov mündete. Trofimov touchierte kurz vor der Zieldurchfahrt mit verbogenem Lenker die Bande, konnte als Vierter jedoch die EM-Qualifikation des Zweiten Hülshorst sowie des B-Lauf-Siegers und EM-Titelverteidigers Stephane Tressarieu (Frankreich) nicht verhindern.

"Alle Unfälle sind zum Glück nicht schwerwiegend verlaufen", bilanzierte der erste Vorsitzende Frank Fredrich am Sonntag erleichtert. Enduro-Fahrer Stefan Baldermann aus Blansingen musste mit Kopfschmerzen kurzzeitig ins Krankenhaus zur Beobachtung. "Ansonsten sind wir mit Prellungen davongekommen", so Fredrich, der vor allem am Samstag einige Stürze sah. "Die Bahn verkraftet zwei komplette Renntage mit über 100 Starts nicht", folgerte er. In Zukunft soll das Programm deshalb etwas gestrafft werden, ohne dabei auf zwei Flutlicht-Abende zu verzichten.

In der hart umkämpften Enduro-Klasse holten sich Klaus Kaiser aus Weil (Freitag) und Peter Amann aus Bellingen (Samstag) die Tagessiege. Bei den A-Lizenz-Seitenwagen setzte sich der Favorit und Europameister Thomas Kunert (Memmingen) mit Beifahrer Markus Eibl durch.

Autor: Matthias Kaufhold