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13. April 2010 10:24 Uhr

Bürgermeisterin

100 Tage Kathrin Schönberger: Ernüchterung in Hartheim

Kathrin Schönberger ist seit 100 Tagen Bürgermeisterin, angekommen ist sie aber noch nicht - weder im Amt, noch in Hartheim. Eine Bilanz von BZ-Redakteur Markus Donner.

  1. 100 Tage im Amt: nachdenkliche Bürgermeisterin Kathrin Schönberger Foto: Markus Donner

Fragt man die Hartheimer, will keiner zugeben, sie jemals gewählt zu haben. Einige sprechen gar von einem "Betriebsunfall". Eigentlich wollte man ja Amtsvorgänger Martin Singler nach seinen ersten acht Jahren im Rathaus lediglich in einen zweiten Wahlgang drängen. Doch der "Warnschuss" ging nach hinten los.

Jetzt also Kathrin Schönberger, 42, aufgewachsen in Sachsen-Anhalt, geschieden, alleinerziehende Mutter mit Noch-Wohnsitz in Freiburg. Bis 2004 arbeitet sie als Pharmazeutisch-Technische Assistentin, dann die berufliche Umorientierung. Fachhochschulreife, Besuch der Hochschule für Öffentliche Verwaltung in Kehl. In ihrer praktischen Ausbildung kommt sie auch nach Hartheim. In dieser Zeit reifen die ersten Überlegungen, es hier einmal als Bürgermeisterkandidatin zu versuchen – nach einer kurzen beruflichen Zwischenstation im Bürgerservice und Ordnungsamt in der Gemeinde Sasbach am Kaiserstuhl.

Schönberger ist die erste Bürgermeisterin im Landkreis

Kathrin Schönberger rekrutiert ein Wahlkampfteam und hinterlegt zum frühstmöglichen Termin ihre Bewerbung als Bürgermeisterin. Sie besucht die Hocks der Vereine, man sieht sie auf dem Freitagsmarkt beim Einkauf, beim Erntedankfest in Feldkirch oder beim Verteilen ihrer Wahlflyer vornehmlich in den Neubaugebieten. Dann der Wahlsonntag. Kathrin Schönberger zieht mit dem besseren Ergebnis an Martin Singler vorbei und macht bereits im ersten Wahlgang alles klar. Hartheim hat eine Bürgermeisterin – die erste im Landkreis überhaupt. Die Siegerin wird gefeiert, klar. Von offizieller Seite war man auf diesen Wahlausgang nicht so recht vorbereitet. Die Bürgermeisterkollegen aus den Nachbargemeinden hätten darauf gewettet, dass es Martin Singler wieder schafft, das Weingeschenk stand schon parat. Doch Gutedel mag die Wahlsiegerin nicht, sie macht keinen Hehl daraus, dass ihr ein Gutschein für Kosmetikartikel lieber gewesen wäre.

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Im Rathaus wird der Wechsel vorbereitet, die Mitarbeiter stellen sich auf die künftige Chefin ein. Die meisten von ihnen kennen "die Kathrin" ja schon – als damalige Praktikantin auf deren Weg zur Diplom-Verwaltungsfachwirtin. Manche sind einfach nur froh, nicht weitere acht Jahre dem raubeinigen Gemüt von Martin Singler ausgesetzt zu sein, der es sich zuletzt wegen einer am Widerstand des Gemeinderats gescheiterten Personalrochade bei den Bediensteten verscherzt hatte. Mit Kathrin Schönberger, die von vielen im Rathausflur geduzt wird, sollte sich das Betriebsklima zum Besseren wenden.

Ihre öffentlichen Auftritte sind rar gesät

Noch vor der Jahreswende vereidigt, begann am 1. Januar die offizielle Amtszeit der neuen Bürgermeisterin. Die meisten Hartheimer hatten bis dato Kathrin Schönberger noch nicht zu Gesicht bekommen, kannten sie nur im adretten Hosenanzug vom Foto im Wahlprospekt. Der öffentliche Neujahrsempfang der Gemeinde in der Rheinhalle sollte das ändern. Doch Fehlanzeige: Die neue Bürgermeisterin lag länger als geplant im Krankenhaus und ließ sich entschuldigen. Auch in der Folgezeit waren die öffentlichen Auftritte der neuen Bürgermeisterin rar gesät. Auch ihre Kinder sollen nicht zu kurz kommen. Selbst an der in Hartheim stets ausgelassen gefeierten Fasnet sah man Kathrin Schönberger nur bei wenigen Veranstaltungen. Und auch der Investitur des neuen katholischen Pfarrers blieb die Bürgermeisterin fern. Ob Generalversammlungen der Vereine oder der Besuch der Hartheimer Senioren in der elsässischen Partnerstadt Fessenheim – der Hinweis "Frau Bürgermeisterin lässt sich entschuldigen" hört man oft, für manche Hartheimer zu oft. Besser dran ist da der "Salmenverein". Dessen Veranstaltungen stehen sehr in der Gunst der neuen Rathauschefin, weil sie die Pläne, die ehemalige Gastwirtschaft zu einem Kulturtreff umzuwandeln, unterstützt. Doch das ist beinahe selbstverständlich, denn die Gemeinde ist mit dem Kauf der Schwanitz-Immobilie eine Verpflichtung eingegangen, der sich die Bürgermeisterin nicht entziehen kann. Dafür steht sie im "Salmen" gerne auch mal in der Schürze am Herd.

Schönberger bezeichnet sich selbst als Bürgermeisterin des Dialogs

Ansonsten schwimmt Kathrin Schönberger noch eher unbeholfen durch das Haifischbecken der Kommunalpolitik. Obwohl vom eigenen Gemeinderat zur Kandidatur aufgefordert, überlässt sie den Vorsitz im grenzüberschreitenden Zweckverband Mittelhardt-Oberrhein ihrem Amtskollegen Harald Kraus aus dem benachbarten Eschbach, einst Erzfeind ihres Vorgängers Martin Singler. Sie müsse sich jetzt mit ganzer Kraft um Hartheim kümmern, lässt Schönberger die Öffentlichkeit wissen. Die andere Version für den Amtsverzicht: Die Hartheimer Bürgermeisterin fürchtete um das Vertrauen der elsässischen Kolleginnen und Kollegen, weil sie sich offen als Gegnerin der Atomkraft und damit des Meilers Fessenheim bekennt. Und ausgerechnet Fessenheim steht als Partnerstadt in einer besonderen Beziehung zu Hartheim.

Als "Bürgermeisterin des Dialogs" hat sich Kathrin Schönberger unlängst selbst im Gemeindeblatt tituliert. Im Alltag machen die Bürger mit ihr auch gegenteilige Erfahrungen. Ob es klug ist, einem aufmüpfigen Elternbeirat in einer öffentlichen Gemeinderatssitzung gleich drastisch mit Rausschmiss zu drohen, nur weil der zu den angehobenen Gebühren im Kindergarten "Klötzle" das Wort ergreifen wollte? Dialog sieht anders aus. Da könnte bei den Einwohnern leicht die Vermutung aufkommen, dass sie nicht im Mittelpunkt des Interesses der Bürgermeisterin stehen. Schönbergers Zorn bekommen jene zu spüren, die mit allzu kritischen Fragen der Bürgermeisterin offenbar zu nahe treten. So entsteht Distanz, die der Rathauschefin von vielen Hartheimern bereits als Arroganz ausgelegt wird.

Was soll durch die neue Bürgermeisterin anders werden?

Nach einem kritischen Artikel und einigen Leserbriefen über das streitige Kindergartenthema stand die Bürgermeisterin der Badischen Zeitung für ein bereits zugesagtes Gespräch über die ersten 100 Tage im Amt nicht mehr zur Verfügung. Begründung: Sie könne sich ja nicht sicher sein, ob das, was sie äußere, dann auch tatsächlich so in der Zeitung stünde. Sie alleine bestimme die Themen, mit denen Hartheim in die Öffentlichkeit tritt, ließ sie die BZ-Redaktion wissen. Das Image der Wahlsiegerin mit Potenzial verblasst. Nach den ersten 100 Tagen im Amt fragt man sich, was durch Kathrin Schönberger anders werden soll in Hartheim. Ihre Vorhaben in nächster Zeit sind eine Blaupause des von Vorgänger Singler bereits initiierten Programmes – nicht mehr, nicht weniger. Dazu zählt auch der Bau des neuen Bürgerhauses in Feldkirch und die Sanierung des "Salmen". Das vor Ostern von Schönberger an die Feuerwehr übergebene neue Löschfahrzeug hat noch ihr Amtsvorgänger bestellt. Das Versprechen, die Breitbandversorgung verbessern zu wollen, gilt es noch einzulösen.

"Vielleicht muss man ihr noch eine Chance geben"

Visionen? Eine mitreißende Rede? Bei Kathrin Schönberger eher Fehlanzeige. Eine Klausurtagung mit den Gemeinderäten vor wenigen Tagen sollte Perspektiven aufzeigen und den Blick in die Zukunft lenken. Doch davon erfährt die Öffentlichkeit erst einmal nichts.

Kathrin Schönberger sagt über sich, dass Geduld nicht unbedingt ihre größte Stärke sei. Sie sagt also das, was Politiker und Behördenleiter immer sagen, wenn man sie nach ihren persönlichen Schwächen fragt – in der Hoffnung, der Makel der Ungeduld würde als Zeichen von Dynamik interpretiert. "Vielleicht muss man ihr doch noch die Chance geben, es besser zu machen," sagt ein Hartheimer, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Er hat Kathrin Schönberger nicht gewählt. "Sie sollte sich aber allmählich warmlaufen, denn acht Jahre sind schneller vorbei als man denkt." Wenn die neue Bürgermeisterin nicht dasselbe Schicksal ihres Vorgängers ereilen sollte, muss sich einiges ändern in Hartheim. Zuerst einmal die Einstellung von Kathrin Schönberger zu ihrem Amt.

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Autor: Markus Donner