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12. Februar 2016

Eine filmische Story in 99 Sekunden

Björn Burkart aus Feldkirch und Julian Ortmann aus Zarten nehmen zum zweiten Mal am wohl weltgrößten Kurzfilmwettbewerb teil.

  1. Björn Burkart (links) und Julian Ortmann beim Schneiden eines Films Foto: Erich Krieger

HARTHEIM AM RHEIN/KIRCHZARTEN. Julian Ortmann aus Zarten und Björn Burkart aus Feldkirch kennen sich aus gemeinsamen Schulzeiten in Freiburg. Beide entwickelten schon in der Grundschule unabhängig voneinander filmisches Interesse und experimentierten mit Videoaufnahmen mit Freunden aus ihrer unmittelbaren Nachbarschaft. Später, in Freiburg, verdichteten sich diese Tastversuche zu gemeinsamer systematischerer Beschäftigung mit diesem Medium.

Sie machten sich tiefere Gedanken zu Konzept, Drehbuch, Bildgestaltung und Schnitt, und es entstanden etliche Kurzfilme, die sie in einen sogenannten Vlog auf Youtube gestellt haben. Mittlerweile stieß noch Camila Morgenstern als musikalische Spezialistin hinzu, und diese Kerntruppe nennt sich jetzt Little Bird Productions.

Bereits das zweite Mal beteiligen sie sich jetzt am sogenannten 99-Fire-Film-Award 2016. Dieser vor acht Jahren ins Leben gerufene und nach eigenen Angaben weltweit größte Kurzfilmwettbewerb mit durchschnittlich 7000 Teilnehmern und rund 2000 Beiträgen setzt alljährlich thematische und formale Vorgaben, die die Kreativen auf einer Gesamtlänge von exakt 99 Sekunden umsetzen sollen.

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In diesem Jahr lautet das Thema "Hauptsache ihr habt Spaß", und es muss zwingend der On/Off-Schalter eines Elektrogeräts sichtbar im Film vorkommen. Als Preise winken für den besten Film 9999 Euro und für die beste Idee, die beste Kamera und für den online ermittelten Publikumspreis jeweils 999 Euro. Darüber hinaus erhalten die 99 besten Teams eine Einladung zum 99 Talent-Campus, bei dem sie sich untereinander und mit zahlreichen profilierten Filmschaffenden aus Kino und Fernsehen austauschen können. Auch die Jury ist hochkarätig besetzt. In diesem Jahr zählen neben anderen der Schauspieler Kai Wiesinger, die Drehbuchautorin von "Keinohrhase", Anika Decker, und der Produzent des Films "Sophie Scholl – Die letzten Tage", Christoph Müller, dazu.

Inhaltlich haben die noch nicht volljährigen Jungfilmer überraschend klare Vorstellungen. " Wir überlegen uns, was wir zeigen wollen. Soziales Engagement ist uns wichtig und damit wollen wir Leute erreichen", meint Julian Ortmann, und Björn Burkart nennt Stichworte wie Rassismus, Umwelt, Minderheiten – sogar das Wort Moral fällt. Für das aktuelle Wettbewerbsthema wollen sie die besondere Freude von Menschen mit Handicap beim Tanzen darstellen. Bei entsprechenden Kursen in der Freiburger Tanzschule Gutmann ist ihnen die weit intensivere und ganz individuell ausgeprägte Emotionalität von behinderten Menschen bei dieser speziellen Bewegungsform aufgefallen. Dort dürfen sie auch drehen.

Bei aller Begeisterung für die Filmerei heben die beiden aber keineswegs ab. Zwar können sie sich durchaus vorstellen, dies auch einmal hauptberuflich zu betreiben, aber fürs Erste absolviert Björn Burkart eine Schreinerlehre, und Julian Ortmann strebt nach dem Abitur ein Physik- oder Geschichtsstudium an. Auch eine bei Nachwuchsfilmern oft zu beobachtende Equipmentfixierung hält sich bei ihnen in Grenzen. Wenn etwas fehlt, basteln sie sich schon mal eine Gegenlichtblende aus Pappkarton oder einen Regenschutz für die Kamera aus einfachen Plastiktüten. Bei so viel Ernsthaftigkeit bleibt nur übrig, den beiden viel Glück für den Award zu wünschen.

Autor: Erich Krieger