Gesungene Joyce-Gedichte im Höhlen-Dom

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Mo, 20. August 2018

Hasel

Irische Klänge in der Hasler Höhle: Barde Roland Kroell hat frühe Gedichte von James Joyce vertont.

HASEL. Von starker Anziehungskraft erwies sich das jüngste Höhlenkonzert des Barden Roland Kroell: Mehr als 150 Zuhörer stiegen am Samstag hinab in den "Dom" der Erdmannshöhle Hasel, wo sich der bekannte Musiker zusammen mit dem Harfenisten Christoph Pampuch sowie Claudia Libor an Monochord und Wassertrommel einem irisch geprägten Programm widmete.

Die geheimnisvolle Atmosphäre in der kühlen Tropfsteinhöhle tat ein Übriges, dass die Besucher, von denen etliche nur noch einen Stehplatz bekamen, hineingezogen wurden in die faszinierende frühe Liebeslyrik eines James Joyce und die Stücke des blinden Harfenspielers Turlough O’Carolan, der zur Barockzeit von Hof zu Hof über die grüne Insel zog.

Roland Kroell, der schon öfter Höhlenkonzerte gegeben hat, hat 2015 ein halbes Jahr in Irland gelebt und sich dort intensiv mit dem Werk des Schriftstellers James Joyce beschäftigt. Dessen in jungen Jahren verfasste Sammlung von Liebesgedichten unter dem Titel "Chamber Music" hat den Minnesänger und Liedermacher so fasziniert, dass er 15 dieser frühen Gedichte vertont hat. Es sind Poeme von ganz eigenem Sprachzauber, in denen jugendliches poetisches Feuer glüht, in denen auch ein überraschend romantischer Ton der Empfindung durchklingt. Lieder, die oft auf wenigen Zeilen enorm wortgewaltig sind in ihren Gefühls- und Naturmetaphern und fantastischen Wortneuschöpfungen. Ein starker Naturbezug ist in diesen Liebesgedichten immer präsent.

In seiner Einführung erzählte Kroell den Konzertgängern, dass Joyce, dieser Schöpfer grandioser Weltliteratur wie "Ulysses", "Finnegans Wake" oder "Dubliners", eigentlich Sänger werden wollte. Dieses Musikalische in der Sprache regte Kroell zu den Vertonungen an, er fühlte sich dabei an die Tristan-Lieder erinnert. Für die Zuhörer war es spannend, einmal eine weniger bekannte Seite des großen Autors kennenzulernen. Die Liebeslieder des jungen Joyce sang Roland Kroell teils auf Englisch, teils auf Hochdeutsch zum zarten Klang des Epinettes, eines Zupfinstruments aus den Vogesen. Wunderbar passte dazu das sensible Spiel von Christoph Pampuch auf der keltischen Harfe und die Begleitung durch Claudia Libor, die am Sandawa-Monochord oder den Wassertrommeln einen mystischen warmen Klangteppich auslegte.

Mit eindringlicher, textklarer und warmer Stimme interpretierte Kroell diese Jugendwerke des irischen Dichters, die er einfühlsam und melodisch einprägsam vertont hat: "Wo die Winde umwerben in flüchtiger Hast/Die jungen Blätter so wild/Geht langsam mein Lieb und betrachtet erblasst/Im Gras ihr Schattenbild", heißt es in einem dieser Liebeslieder. Und im "Fairy Song", dem Feenlied, tönt es von geheimnisvollem Elfenzauber: "Derweilen, süß und sanft sonor, Wind an die Blumenglocken rührt/ Und weiser Elfenstimmen Chor/jedes Ohr verführt."

Eng verflochten mit den Liebesliedern wurden die instrumentalen Harfenstücke von Turlough O’Carolan wie "Funny Power" und "Planxty Irwin", die Christoph Pampuch an seiner kleinen keltischen Harfe teils begleitet von Kroell vortrug. Der in Harpolingen lebende Harfenist befasst sich seit Jahrzehnten intensiv mit den Werken O’Carolans, der als umherziehender Komponist den Leuten auf den Gutshöfen Stücke widmete. In seiner Musik klingen Einflüsse traditioneller irischer Musik und kunstvoller Barockmusik durch.

Wegen der Feuchtigkeit in der Höhle spielte Pampuch auf einem originalgetreuen Nachbau einer historischen Harfe mit moderner Bespannung. Feinfühlig und doch kräftig klang sein Harfenspiel, das hervorragend mit den Klängen des Epinettes harmonierte. Mit zwei Harfenstücken als Zugaben, darunter einem Feentanz, klang das stimmungsvolle Höhlenkonzert aus.