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15. Februar 2016

Tratschen bis der Bürgersaal rockt

Die Akteure des Hasler Tratschobe begeistern mit Witz, Charme, Musik und Tanz / Prinzessin Eva Saaler I. will alles "kleiner machen" / Deftig-Frivoles von der Jugend.

  1. Rotierend zum Applaus: die Showtanzgruppe mit Susanne Hägele, Jacqueline Hollenweger, Sarah Grossinet, Tatjana Greiner und Lisa Rotzler Foto: anja bertsch

  2. Moderator Uli Meier Foto: Anja Bertsch

HASEL. Es ist ein Mädchen: Prinzessin Eva (Saaler) führt die Hasler Narren durch die Buurefasnacht. Sie ist die dritte Frau auf dem Habufa-Thron. Gelüftet wurde das Geheimnis um ihre Identität am Freitag zu Beginn des "Tratschobe", der die Gäste im proppenvollen Bürgersaal bis Mitternacht bestens unterhielt.

"Sex, Drugs and Rock ’n Roll – Hasel rockt im 50er-Jahre-Stil", hieß die Devise für die diesjährige Hasler Burefasnacht, und so fanden sich die Zuschauer unter einem Himmel aus Schallplatten, aufblasbaren E-Gitarren und flirrendem Discolicht wieder, während Elvis Presley das bunte Treiben von den Wänden herab belächelte. Angestachelt vom bestens aufgelegten Moderator Uli Meier bekannten sich die Gäste nachdrücklich zum Feierfieber: "Ja, ich will", ertönte es vollkehlig zu Beginn.

Um klare Machtverhältnisse zu schaffen, ging’s in einem ersten Akt daran, Bürgermeister Helmut Kima den Rathausschlüssel abzuknöpfen. Von Hofmarschall Nicolai Schaub feierlich angekündigt, legte Fasnachtsprinzessin Eva I. zusammen mit ihren Pagen und zwei sonnenbebrillten Bodyguards einen coolen Einmarsch aufs Parkett – und ihren Untertanen direkt eine erschütternde Beichte ab: "Ich bin klein", bekannte die Prinzessin das Offensichtliche, und erhob zum Regierungsprogramm folgerichtig, "auch alles andere klein zu machen"". Im Visier dabei: Die Schulden, die Sorgen, die Preise und der Kater am nächsten Morgen...

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Der Bürgermeister witterte bei so viel Kleinheit eine Chance und startete mit einiger Selbstironie einen Verbrüderungsversuch: "Mir zwei Zwuggel halt z’sämme!" Seine Entmachtung konnte er damit aber nicht verhindern.

Im Folgenden zerrten die Akteure Pleiten, Pech und Aufreger aus dem Dorfleben auf die Bühne und vermengten sie mit allerlei Sketchen. Über Monate hinweg etwa, so wurde im Getratsche von Opa (Werner) und Oma (Petra) Grether und ihren beiden "Gören" Larissa und Tatjana klar, herrschte in Teilen der Familie Schlaflosigkeit, denn: "Ich kann bei Tageslicht nicht schlafen. Wenn man an der Wegscheide wohnt, wird das zum echten Problem", bekannte Oma Geiger mit Blick auf die üppige Weihnachtsbeleuchtung am Ortseingang von Hasel. Richtig vermarktet immerhin könnte das Wohngebiet als "Las Vegas vo Hasel" zur Touristenattraktion werden. Für brüllendes Gelächter sorgten dann die Nachwuchsakteure Max Glöggler, Loris Fruttiger, Nicklas Feucht und Anna Meier, die sich als Abziehbilder ihrer im Dorf wohlbekannten Altvorderen am Stammtisch allerlei Deftiges um die Ohren hauten, und dabei auch den großen Fragen des Lebens auf die Pelle rückten: "Gibt es ein Sexualleben nach dem Tod?" Unter dem Titel "Sparmaßnahmen im Altersheim" schlurfte, humpelte und tatterte sich danach ein halbes Dutzend Greisinnen von der Höhliteufel-Clique auf die Bühne, um sich dort unterm Trillerpfeifenkommando einer militanten Krankenschwester im Fließbandsystem "pflegen" zu lassen und das Publikum in ihrer humorigen Hemmungslosigkeit zu ungläubig-kreischendem Lachen zwang.

Die Männerwelt im eigenen Kleinen wie im Allgemeinen hatten zwei rustikale Masseurinnen (Nicole Schmidt und Susanne Kladisch) im Visier: Im Takt ihrer Wutwellen walkten und malträtierten sie die bemitleidenswerten Patienten auf der Massageliege und sorgten mit komödiantischem Talent für Heiterkeitswellen im Publikum. In einer weiteren Einlage kalauerten sich drei zu Jägern mutierte Sportler des SV Hasel (Martin Schick, Patrick Greiner und Patrick Boy) über die Bühne.

Für Bewegung im Saal sorgten nicht allein die Schunkelrunden, sondern auch die Tanzeinlagen, im Programm: Den Einstieg machten die Damen des Sportvereins, die in einer temporeiche Darbietung mit schwingende Röcken und rotierenden Knien über die Bühne twisteten. Ein faszinierendes Schauspiel präsentierten auch die Mühlihexe: Als "Color Blobs" bewegten sie sich wie tanzende Farbbeutel elegant und schräg durch die Musikstile. So rustikal wie sexy schließlich rotierten die Lederhosen- und Dirndl-Trägerinnen der Showtanzgruppe Jäger (Susanne Hägele, Jacqueline Hollenweger, Sarah Grossinet, Tatjana Greiner und Lisa Rotzler) übers Parkett, in einer ausgefeilten Choreographie, die akrobatische, verführerische und humoristische Elemente vereinte. Ein beschwingt vorgetragenes und mit witzigen Einlagen gespicktes Hit-Medley des Gesangvereins verpasste dem Tratschobe ein furioses Finale.

Die Macher: Tratschobe-Gesamtleitung Angelika Hartl; Tontechnik: Dieter Greiner; Bühnentechnik: Armin Greiner, Rainer Hartl; Musik: Klaas Drose.

24 weitere Bilder im Internet unter http://www.badische-zeitung.de/fotos

Autor: Anja Bertsch