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06. Juli 2012

Suizid als Strafe

Hat die Gesellschaft das Recht, da einzugreifen?

Zu: "Ärzte sollten auch mal Selbstkritik üben", Zuschrift von Dr. Roland Phleps (22. Juni) und "Dieser Mann darf sich nicht davonstehlen", Zuschrift von Delia Rapp, sowie "Wir sollten das Leben in allen Facetten schätzen", Zuschrift von Ulrike Hugo (30. Juni):



Der Brief von Dr. Phleps hat mir aus der Seele gesprochen, während mich die Kommentare von Frau Rapp und Frau Hugo eher empörten mit ihrer abgehobenen Selbstgerechtigkeit. Natürlich war die Ermordung seiner vier Kinder ein abscheuliches Unrecht, das durch nichts zu entschuldigen ist. Verzweifelter Suizidler hin oder her, dafür gehört er auch bestraft. Nur: Dieser Vater hat für sich selbst eine Strafe gewählt, die hierzulande aus humanitären Gründen abgeschafft ist, weil ihm mit dieser Schuld auf dem Gewissen der Tod erträglicher erschien als das Leben. Hat die Gesellschaft wirklich ein Recht, hier einzugreifen und zu sagen: "Nix da, du musst weiterleben und dich jeden Tag mit dieser Schuld konfrontieren, bis der Tod dich erlöst?"Was sind das für Humanisten?

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Autor: Klaus Maurer, Herbolzheim


2 Kommentare

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Ulrike Hugo

Registriert seit: 29.06.2012

Kommentare: 4

10. Juli 2012 - 12:56 Uhr

Weiterleben ist "humaner" als die Selbsttötung:

Humanismus wie er hier verwendet wird, ist ein Widerspruch in sich: Suizid ist keine "humanistische" Lösung. Der "Humanismus" hat die Todesstrafe ja gerade abgeschafft, die der Vater nun für sich wählt - in der Hoffnung, dann weniger leiden zu müssen. Da beißt sich die Katze selbst in den Schwanz: Ist die Todesstrafe nun "human" oder nicht - oder nur, wenn man sie selbst wählt???

Es fehlt hier (wieder) die Spiritualität in der "Humanität". Der Mensch ist Gott, nicht nur der pysischer Körper. Seine unsterbliche göttliche Seele muss die Konsequenzen des eigenen Handelns auch nach dem Tod weiter durchleiden. Nur ist die Seele ohne Körper dann auch noch "handlungsunfähig": Es wird also eh weiter gelitten nach dem Tod, nur noch viel länger...

Spirituell geschen ist unser Ansatz "humaner": am Leben zu bleiben und die Konseuquenzen der eigenen Taten auszuhalten: Mit dem Suizid fügt der Vater sich noch größeres Leid zu, als er es im Leben abzutragen hätte: denn nun muss er nicht nur die Verantwortung für die Tötung seiner Kinder ertragen, sondern auch noch für seine Selbsttötung "büßen".

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Jochen Martin  

Jochen Martin

Registriert seit: 11.07.2012

Kommentare: 1

11. Juli 2012 - 01:19 Uhr

"Dieser Vater hat für sich selbst eine Strafe gewählt?" Da ist sicher der Wunsch der Vater des Gedanken, wenn Herr Maurer vergeblich versucht das Gesetz von Ursache und Wirkung und somit die göttliche Ordnung außer Kraft zu setzen. Jede Handlung hat Konsequenzen, welche früher oder später auf uns zurückfallen. Das Entscheidende ist jedoch, dass die Konsequenzen gewissen Gesetzmäßigkeiten unterliegen. Wenn wir Gottvertrauen haben ergeben wir uns diesen Gesetzmäßigkeiten und praktizieren somit Hingabe.

Ein Suizid als Selbst-vollstreckte "Strafe" und somit angemessene Konsequenz einer bestimmten Handlung ist nicht vorgesehen. "Du sollst nicht töten", sagte Jesus. Nicht deine Kinder und auch nicht Dich selbst! Gott ist bereit zu vergeben, wenn wir von ganzem Herzen bereuen und um Verzeihung bitten. Bedingung ist, dass wir Verantwortung für unsere Handlungen übernehmen. Suizid ist Flucht! Eine Flucht vor dem eigentlichen Ziel des Lebens: Die Einheit mit Gott.

Unwissenheit richtet den größten Schaden an. Das faszinierende jedoch ist, dass Herr Maurer unwissentlich eine Wahrheit formuliert hat. Frau Hugo wird mit Ihrem Kommentar in der Tat Ihrem Selbst (göttlichen Selbst) gerecht und hebt somit in Richtung göttliche Einheit ab. Wie wohltuend und befreiend Ihre Sätze doch sind, Frau Hugo!

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