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06. Juni 2013

Haufe: Altes Verlagshaus wird abgerissen

Haufe hat Ex-Zentrale verkauft / Treubau errichtet Wohnungen.

  1. Seinen ehemaligen Hauptsitz an der Hindenburgstraße hat Haufe unlängst verkauft. Foto: michael bamberger

  2. Die neue Zentrale auf der Haid Foto: thomas kunz

  3. Das Führungstrio der Haufe-Holding (von links): Martin Laqua, Markus Reithwiesner und Birte Hackenjos Foto: haufe (2)/Roger Koeppe

  4. Foto: Haufe

  5. Foto: Roger KOEPPE

Die Haufe-Mediengruppe hat sich in den vergangenen Jahren neu aufgestellt und durch Markenzukäufe im E-Business-Bereich breiter aufgestellt. "Das gedruckte Papier ist nicht mehr Schwerpunkt unserer Arbeit", sagt Haufe-Sprecher Jürgen Hoffmeister über die Entwicklung vom klassischen Fachverlag für Recht, Steuern und Wirtschaft hin zum modernen Medienunternehmen. Mit der digitalen Ausrichtung einher geht in Freiburg die Konzentration auf die Zentrale im Gewerbegebiet Haid. Den früheren Hauptsitz in der Oberau hat die Treubau AG erworben, um dort Wohnungen zu bauen.

1951 war Rudolf Haufe mit seinem 1934 gegründeten Verlag von Berlin nach Freiburg gezogen, 1967 ließ er das Verlagsgebäude in der Hindenburgstraße 64 in der Oberau errichten. "Es war damals das erste eigene Verlagsgebäude", sagt Haufe-Sprecher Jürgen Hoffmeister. Aufgrund dieser Tradition habe sich die Familie Haufe als Eigentümerin der Haufe-Gruppe alles andere als leicht getan, sich von dem Gebäude zu trennen. "Der Familie war es wichtig, vom Konzept des Investors überzeugt zu sein", sagt Hoffmeister. Die Familie ist heute nicht mehr ins operative Geschäfte involviert, aber im Beirat vertreten, dessen Vorsitz hat Haufe-Tochter Andrea inne. Die Geschäfte der Holding führen derweil der 50 Jahre alte Markus Reithwiesner und der 61-jährige Martin Laqua (Letzterer ist mit der Haufe-Tochter Manuela verheiratet), seit Januar komplettiert die 44-jährige Birte Hackenjos die Unternehmensspitze.

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Im Frühjahr 2010 waren die 235 Mitarbeiter aus dem Verlagsgebäude an der Hindenburgstraße aus- und in die neue Zentrale an der Munzinger Straße eingezogen. Seitdem stand es in Teilen leer, bis vergangenen Herbst nutzte eine Projektgruppe des Unternehmens dort noch Räume. Den Zuschlag für das attraktive Grundstück an der Dreisam erhielt das Freiburger Wohnungsbauunternehmen Treubau. Zum Kaufpreis wollen sich weder Käufer noch Verkäufer äußern, angeblich sollen sechs Millionen Euro geflossen sein. Ursprünglich sollte das alte Verlagsgebäude stehen bleiben und in Studentenwohnungen umgebaut werden, sagt Treubau-Vorstand Volker Homann. Allerdings seien Abriss und Neubau für die Treubau AG wirtschaftlich interessanter; für diese gefragte Gegend biete sich gehobenes Wohnen an. Die Treubau plant einen Gebäudekomplex mit Tiefgarage und 45 Wohnungen unterschiedlicher Größe, die das Unternehmen nach der Fertigstellung verkaufen will. Homann verspricht eine "zeitgemäße und moderne Architektur" und eine hochwertige Ausstattung: "Es wird nicht gerade das Billigste sein." Im kommenden Herbst soll mit dem Abriss begonnen werden, im Frühjahr/Sommer 2015 sollen die Wohnungen bezugsfertig sein.

Dass die alte Firmenzentrale aufgegeben wurde, begründet Haufe-Co-Geschäftsführer Martin Laqua mit dem Umbau der Organisation in Freiburg, wo Haufe die Standorte von fünf auf zwei reduziert hat. Man wolle kurze Wege, die Kernkompetenzen an einem Ort vereinen und im Gewerbegebiet Haid weiter wachsen, so Hoffmeister. Neben dem dortigen Standort gibt es noch die Haufe-Akademie an der Lörracher Straße mit 130 Mitarbeitern. Im Juni 2011 hatte Haufe sein Service-Center am Hauptbahnhof geschlossen, was seinerzeit für Aufsehen sorgte, da rund 150 Mitarbeiter ihren Job verloren. Ende 2012 verkaufte Haufe dann sein Logistikzentrum im Stadtteil Hochdorf: Da dieses vom externen Dienstleister Rhenus betrieben wurde, sei Haufe-Personal nicht unmittelbar betroffen gewesen, sagt Hoffmeister.

Derzeit beschäftigt Haufe weltweit 1350 Mitarbeiter, davon mehr als 950 in Freiburg. Von diesen sind 600 beim 1998 erworbenen, größten und umsatzstärksten Tochterunternehmen Lexware beschäftigt, das Buchhaltungs- und Finanzsoftware für Freiberufler und kleinere und mittelständische Unternehmen entwickelt. Das 12 000 Quadratmeter große Lexware-Haus an der Jechtinger Straße war 2002 das erste Gebäude der Gruppe im Gewerbegebiet Haid; damals war Haufe Mieter, vor kurzem hat das Unternehmen das Gebäude erworben – für Hoffmeister ein Bekenntnis zum Standort Freiburg. Und dies, obwohl sich die Bedingungen in Freiburg durch die Erhöhung der Gewerbesteuer verschlechtert hätten, wie Laqua zu bedenken gibt.

Haufe-Gruppe hat zahlreiche Marken dazugekauft

2008 hatte Haufe weiteres Gelände auf der Haid erworben, dort dann neu gebaut und die Zentrale peu à peu erweitert, zuletzt 2012. Gläserne Skywalks verbinden die Gebäude miteinander. Der Neubau ist schnieke, das Ambiente in der Kantine ähnelt dem in einem gestylten Trendrestaurant, überall gibt es schickes Mobiliar und in den Ecken der Flure modische kleine Sitzgruppen. Besprechungen, findet Hoffmeister, müssten nicht zwingend in Besprechungsräumen stattfinden; man wolle "kein ganz klassisches Büro". "Wir wollen eine andere Art der Zusammenarbeit fördern." Dass die Holding-Geschäftsführer mit ihren Büros nicht in den obersten Stock des Neubaus und somit nicht an den höchsten und exponiertesten Punkt der Zentrale gezogen sind, findet Hoffmeister "ein Signal an die Mitarbeiter".

Zu Gewinnen will man sich bei Haufe nicht äußern, ebenso wenig zu Investitionen in Standorte und in neu erworbene Marken wie das Schweizer Personalsoftware-Unternehmen Umantis, ESS (ein Beratungsunternehmen für die Immobilienwirtschaft), das Weiterbildungsportal Semigator oder die LSL GmbH, ein Online-Portal, das Unternehmen mit Fachliteratur versorgt. "Von der alten Verlagswelt ist nicht mehr so viel übrig", sagt Hoffmeister – E-Business lautet das Schlagwort.

Die Umsätze sind, auch bedingt durch die Zukäufe, stark gestiegen – von 79,8 (1995) und 132 Millionen (2000) auf 193,1 (2010) und zuletzt 237,1 Millionen Euro (2012). "Und auch in diesem Jahr sieht es ganz gut aus", deutet Hoffmeister an. Die Haufe-Gruppe hat heute 18 Standorte – in Deutschland und in Rumänien, Peking, Boston/USA, Schanghai und dem schweizerischen St. Gallen.

Autor: Frank Zimmermann