Haufenweise Turnbegeisterung

Laetitia Bürckholdt

Von Laetitia Bürckholdt

Do, 21. Dezember 2017

Turnen

Wie die Kinder des TV Freiburg-St. Georgen für ihren großen Auftritt bei der Turngala am 30. Dezember in der Freiburger Sick-Arena trainieren.

FREIBURG. 70 Minuten Trainingszeit sind vergangen. Dann ruft ein Mädchen auf einmal erleichtert: "Jetzt hab ich’s verstanden!" Wenig später setzt die Musik ein, 21 Mädchen und Jungen des Turnvereins Freiburg-St.Georgen laufen winkend in die Hallenmitte, springen über sternförmig aufgestellte Bänke und suchen ihren Platz an den Geräten. Die Aufführung kann beginnen. Eigentlich.

Doch ganz so einfach ist es nicht. Noch weiß nicht jedes Kind, wann es welche Bewegung ausführen muss. Noch haben nicht alle der Turnerinnen und Turner zwischen sechs und zwölf Jahren den Ablauf verinnerlicht. Lisa Böttcher und Sandra Maier haben die anspruchsvolle Aufgabe, aus einem Haufen turnbegeisterter Kinder mit ganz unterschiedlichen Fähigkeiten eine Einheit zu formen, die bei der Turngala am 30. Dezember in der Freiburger Sick-Arena das sogenannte Kinderbild darstellt. Nur noch wenige Male treffen sich die Kinder zum Training. Dann muss die Choreografie sitzen. "Das Kinderbild ist so konzipiert, dass alle Kinder, die ein Mal pro Woche Training haben, mitmachen können – und auch sollen", erklärt Oberturnwartin Gabriele Gschwinder. Mit dabei sind in diesem Jahr Kinder aus dem Mädchenturnen, aus der Wettkampfgruppe und auch aus der neuen Abteilung Rope Skipping. Ihr Können auf einen Nenner zu bringen ist die größte Herausforderung für die beiden Trainerinnen. Neben der Hallensituation.

Nach anderthalb Stunden sind Lisa Böttcher und Sandra Maier deshalb auch ziemlich geschafft. Unzählige Male haben sie "... 5, 6, 7, 8" gezählt. Unzählige Male versucht, die Hockwenden über die Bank synchron einzustudieren. Dabei steht eine der Übungsleiterin vorne und die andere hinten. Denn in der Halle übt zur gleichen Zeit noch eine andere Kinderturngruppe. Der Lärmpegel ist enorm. Und konzentriertes Arbeiten nach einem langen Schultag ohnehin anstrengend.

Trotzdem ist ein Auftritt bei der Turngala, die zum Jahreswechsel durch 15 baden-württembergische Städte tourt, für sie alle ein Höhepunkt. "Das ganze Drumherum ist einfach besonders. Man sieht die Stars beim Aufwärmen und Proben, wir sind den ganzen Tag in der Halle und hinter der Bühne, das ist eine ganz spezielle Atmosphäre", erzählt Gschwinder, die mit dem TV Freiburg-St. Georgen schon seit einigen Jahren bei der Gala dabei ist. "Da hier Kinder aus unterschiedlichen Abteilungen zusammenkommen, entstehen auch neue Bekanntschaften. Und es ist einfach schön zu sehen, wie sich die Kinder untereinander im Training unterstützen. Die einen können Bewegungsabläufe schneller begreifen als andere, dann hilft man sich eben gegenseitig. Das ist es doch, was die Gemeinschaft in einem Turnverein ausmacht."

Für den Verein, der nach Angaben des ersten Vorsitzenden Michael Kirsch zu mehr als der Hälfte aus Kindern und Jugendlichen besteht, sei es zudem eine Reputation, sich bei so einer großen Veranstaltung zeigen zu können. "Außerdem ist es für die Region wichtig, dass das Turnen sich in so einem Rahmen präsentieren kann. Denn Freiburg ist inzwischen ziemlich abgehängt. Eine solch trainingsintensive Sportart ist eigentlich nur mit hauptamtlichen Trainern möglich, und die haben wir hier nicht. Außerdem gibt es keine Halle mit feststehenden Geräten, wir fahren unsere Talente daher zum Training extra nach Istein", erklärt Kirsch.

Nicht alle Kinder, die gerne bei der großen Show dabei gewesen wären, konnten auch mitmachen. Das liege zum einen an dem Termin nach Weihnachten, an dem viele Familien verreist sind, erklärt Gabriele Gschwinder. Manchen Eltern war auch die Belastung für die Kinder mit Generalprobe am Vormittag und zwei Auftritten am Tag (14 und 18.30 Uhr) zu viel. Und wieder andere Nachwuchsturner wollten bei der Nikolausfeier des Vereins ihr Können zeigen und konnten so nicht auch noch zusätzlich zum Gruppentraining kommen. Doch allen großen und kleinen Problemen zum Trotz ist sich die Oberturnwartin sicher, dass bis zum Auftritt alles sitzen wird: "Wenn dann noch das Adrenalin dazukommt, wird auch alles klappen", beruhigt die erfahrene Turnlehrerin.

Die Choreografie für das Kinderbild, das immer von einem Verein vor Ort gestaltet wird, ist von den Veranstaltern vorgegeben. In der Mitte der Turnfläche steht ein Barren, der allerdings während des Trainings leer bleibt. Dort wird bei der Gala dann eine ganz besondere Turnerin ihr Können zeigen. Johanna Quaas ist mittlerweile 92 Jahre alt und beeindruckt mit Spannung und Eleganz das Publikum. Seit elf Jahren ist sie ununterbrochen deutsche Senioren-Turnmeisterin und mehrfache Turnfest-Siegerin. Angefangen hat sie übrigens auch schon früh, mit gerade einmal drei Jahren.

Infos, Termine und Karten unter http://www.turngala.de Alle Serienbeiträge finden Sie unter: http://mehr.bz/badeninbewegung