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04. Februar 2012

Gold fürs Gebäude

Nachhaltigkeitszertifikate haben sich in der Region noch nicht durchgesetzt.

  1. Die Immobilie des Fonds MPC Deutschland 7 steht in Erlangen und wurde mit dem goldenen Gütesiegel der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen ausgezeichnet. Foto: dpa

Wer beim Bauen über die gesetzlichen Anforderungen hinaus in Nachhaltigkeit investiert, kann sich dies mit einem Zertifikat bestätigen lassen. Oder auch mit mehreren. Denn viele Länder und Regionen haben eigene Nachhaltigkeitszertifikate entwickelt.

Zu den bekanntesten Labels zählt das Zertifikat Leadership in Energy and Environmental Design (Leed) aus den USA, das auch international verbreitet ist. Rund 30 000 Projekte in zahlreichen Ländern – darunter zum Beispiel der Opernturm in Frankfurt am Main – können sich mit ihm schmücken. Im Vergleich zum Deutschen Gütesiegel für Nachhaltiges Bauen werden bei Leed ökologische Gesichtspunkte, wie etwa die Verwendung schadstoffarmer Materialien oder das Regenwassermanagement, bei der Bewertung relativ stark gewichtet. Auch Aspekte wie die Erreichbarkeit des Standorts mit öffentlichen Verkehrsmitteln, die Anzahl der Fahrradstellplätze, der Tageslichteinfall und der Nichtraucherschutz fließen in die Analyse ein.

Bereits seit 1990 gibt es das Siegel Building Research Establishment Environmental Assessment Method (Breeam), dessen Verbreitung sich auf Großbritannien beschränkt. Die Anzahl der damit zertifizierten Gebäude liegt bei mehr als 100 000. Ein weiteres Nachhaltigkeitslabel ist das EU-Programm Green Building, an dem unter anderem die Deutsche Energieagentur beteiligt ist. Dabei wird ausschließlich die Energieeffizienz einer Immobilie bewertet. Weitere Zertifikate sind Green Star in Australien sowie Neuseeland und Comprehensive Assessment System for Built Environment Efficiency (Casbee) für Japan und den asiatischen Raum.

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Das deutsche Zertifikat führen derzeit 277 Gebäude

In Deutschland führte die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) 2009 ihr Gütesiegel ein, das in Gold, Silber und Bronze vergeben wird. Derzeit verfügen 277 Gebäude über das Gütesiegel oder ein Vorzertifikat, weitere 180 sind dafür angemeldet. Darunter befinden sich auch internationale Projekte. Während das Siegel selbst für fertige Gebäude vergeben wird, können Objekte, die sich in der Planungs- oder Bauphase befinden, ein Vorzertifikat erhalten, das weiteres Optimierungspotential aufzeigt. Neben Büro- und Verwaltungsgebäuden werden auch Industrie-, Bildungs- und Hotelbauten sowie Wohnhäuser mit mehr als sechs Wohneinheiten analysiert. Ein Bewertungsprofil für kleinere Wohngebäude und Einfamilienhäuser ist in Vorbereitung.

Die DGNB bewertet Immobilien im Hinblick auf fünf wichtige Punkte: Ökologie, Ökonomie, soziokulturelle und funktionale Faktoren, technische Qualität, Standort- und Prozessqualität. Die Ökologie umfasst in erster Linie die Energieeffizienz und den Ressourcenverbrauch. Die Ökonomie schließt sämtliche Kosten für Bau, Betrieb und die Entsorgung von Gebäudeteilen in die Betrachtung mit ein. Unter den soziokulturellen Faktoren sind Aspekte wie Gesundheit und Wohlergehen der Gebäudenutzer, aber auch gestalterische Komponenten zusammengefasst. Unter technischer Qualität sind beispielsweise der Brand-, Schallschutz und die Reinigungsfreundlichkeit zu verstehen. Bei der Beurteilung der Prozessqualität steht die Qualität der Bauvorbereitung und der Kommunikation unter den am Bau beteiligten Akteuren im Fokus.

Die Kosten für das DGNB-Zertifikat liegen bei Objekten mit einer Fläche bis 4000 Quadratmeter bei 3000 Euro, ein Vorzertifikat gibt es für 2000 Euro. Bei größeren Gebäuden steigen die Gebühren entsprechend. Die Investition scheint sich zu lohnen. Während für die Wertentwicklung zertifizierter Immobilien in Deutschland keine Untersuchung vorliegt, gibt es Daten aus den USA und England. Dort durchgeführte Studien zeigen, dass Gebäude mit Zertifikat höhere Mieten und Verkaufspreise erzielen als Häuser ohne Siegel.

Bei vielen der zertifizierten Gebäude in Deutschland handelt es sich um Vorzeigeprojekte. Investoren wie Banken sehen oft ein Label als imagegebendes Element. So ist es nicht verwunderlich, dass Immobilien mit Nachhaltigkeitszertifikaten vor allem in Großstädten wie Hamburg, Frankfurt, München oder Stuttgart zu finden sind. In der Region stößt man kaum auf die Gütesiegel. Diese Vermarktungshilfe ist auf dem teils angespannten Markt nicht nötig.

Beim Gebäudemanagement konzentriert sich die Stadt Freiburg mehr auf die Energieeffizienz der Gebäude und weniger auf das Gesamtpaket Nachhaltigkeit. Seit 2011 müssen Gebäude auf städtischen Grundstücken in Passivhausbauweise errichtet werden. Mit diesen Bauvorgaben stellt die Stadt seit Jahren hohe Anforderungen an Bauwillige. Johannes Klauser, Amtsleiter des Gebäudemanagements Freiburg, betont, dass damit ein höherer Energieeffizienzstandard als beim DGNB-Zertifikat erreicht wird – und das ohne die Zusatzkosten fürs Zertifikat.

Autor: Matthias Maier