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12. Juli 2008

Mehr tun für eine gute Nachbarschaft

Weiterbildung zum zertifizierten Konfliktberater an der Evangelischen Fachhochschule erfährt bundesweite Anerkennung

  1. Ein Plausch am Abend: Indiz für eine gute Nachbarschaft Foto: Hans-Peter Beck

Nie waren die Städte in Deutschland so dicht bebaut wie heute. Und in einer sich sozial immer stärker differenzierenden Gesellschaft können Auseinandersetzungen in Wohnanlagen häufig nicht mehr ohne fremde Hilfe gelöst werden. Eine Weiterbildung der Evangelischen Fachhochschule Freiburg (EFH) zum Konfliktberater qualifiziert die Absolventen, Streit zu entschärfen und überforderte Nachbarschaften zu vermeiden.

"Die Häufigkeit und Intensität der Konflikte in den Wohnanlagen hat deutlich zugenommen", weiß Frank Spittler, Geschäftsführer der Gisinger Hausverwaltungsgesellschaft. Neben Auseinandersetzungen zwischen den Generationen geht es vor allem dabei um Lärm, um Müll und Probleme der Nutzung von Gemeinschaftsflächen. Gestiegen ist auch die Zahl von Personen mit sucht-, altersbedingten und psychischen Erkrankungen, die der Hilfe Dritter bedürfen.

"Die Wohnqualität beeinflusst das Wohlbefinden eines Menschen entscheidend", so Spittler. Es sei daher für die Wohnungswirtschaft wichtig, neben rechtlichen und gesetzlichen Aspekten auch das Menschsein in ihr Handeln einzubeziehen. Eine tolerante und konsensfähige Nachbarschaft erhöhe die Wohnzufriedenheit und minimiere die Mieterfluktuation.

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Um die Kommunikation in den Wohnanlagen zu verbessern, und insgesamt ein Umfeld zu schaffen, in dem sich die Bewohner wohl fühlen, wurde in einer gemeinsamen Aktion der Gisinger Hausverwaltungen und der EFH unter Beteiligung des Kinder- und des Seniorenbüros der Stadt Freiburg eine praxisnahe Weiterbildung zum zertifizierten Konfliktberater in Wohnanlagen ins Leben gerufen. Dieses Konzept schaffte es sogar unter die Endauswahl des diesjährigen "Initiativpreises Aus- und Weiterbildung" der Otto Wolff-Stiftung und des Deutschem Industrie- und Handelskammertags, dessen Gewinner im November bekannt gegeben werden.

"Innerhalb von sechs Monaten lernen die Teilnehmer berufsbegleitend Hintergründe und Entwicklungsphasen von Konflikten zu erkennen und sich entsprechende Instrumente zur Gestaltung einer Konfliktkultur anzueignen", erläutert EFH-Professorin Cornelia Helfferich. Das bundesweite Angebot richte sich sowohl an Mitarbeiter aus der Wohnungswirtschaft wie Verwalter, Hausmeister und Beiräte, als auch an Mitarbeiter aus sozialen Einrichtungen. Interkulturelle Konflikte seien ebenso Inhalt wie psychische Erkrankungen, Sucht, Vermüllung, Verwahrlosung, Generationenkonflikte, Verhinderung von Wohnungsverlust, Mediation und Konfliktanalyse.

"Konflikte verlaufen in unterschiedlichen Phasen", so die Professorin Helfferich. Es sei wichtig den jeweiligen Status richtig einzuschätzen, um gemeinsam mit den Betroffenen Lösungswege zu finden oder aber auch professionelle institutionelle Hilfe zu vermitteln. Nach der Weiterbildung werden die Absolventen in ihrer praktischen Arbeit durch Fachkräfte begleitet.

Die ersten 20 Teilnehmer haben den Kurs inzwischen erfolgreich beendet. "Wir waren überrascht, wie viele Verwaltungsbeiräte sich für den Kurs angemeldet haben", sagt Frank Spittler. Fast alle hätten sich anschließend bereit erklärt, künftig ehrenamtlich als Konfliktberater in ihren Wohnanlagen tätig zu werden. "Dieses Engagement der Wohnungswirtschaft fördert nicht nur das Zusammenleben in Wohnanlagen, sondern trägt auch entscheidend zu einer positiven Stadtentwicklung bei", so Spittler. Informationen zur Weiterbildung: Akademie für soziales Wohnen an der Evangelischen Fachhochschule Freiburg e. V.,
Antje Spittler, Tel. 0761/2170421,
info@akademie-soziales-wohnen.org

Autor: Gabriele Bobka