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06. April 2013

Putzplan und Gruppenessen

Seniorenwohngemeinschaft als Alternative zum Heim.

  1. Leben Senioren gemeinsam in einer Wohnung, können sie sich bei alltäglichen Dingen wie dem Kochen gegenseitig unterstützen. Foto: Bernd Thissen/dpa, Michael Bamberger

Wenn die Kinder aus dem Haus sind oder der Partner gestorben ist, kann es für Senioren einsam werden. Eine Alternative ist das Leben in einer Wohngemeinschaft (WG) mit anderen Älteren.

Was ist das Wichtigste für eine gut funktionierende Wohngemeinschaft? Der ehemalige Bürgermeister von Bremen, Henning Scherf, braucht bei dieser Frage nicht lange nachzudenken. "Man muss die richtigen Leute finden", sagt der 74-Jährige. Seit einem Vierteljahrhundert leben er und seine Frau in einer WG in Bremen.

Das Zusammenleben in einer Senioren-WG hat Vorteile. Niemand ist einsam, man hilft sich gegenseitig und teilt sich die Kosten. "Man muss aber schon der Typ dafür sein", sagt Ursula Kremer-Preiss vom Kuratorium Deutsche Altershilfe in Köln. Wer nur aus praktischen Erwägungen in fortgeschrittenem Alter in eine WG zieht, wird vermutlich Probleme bekommen. "Anders als bei einer Studenten-WG ist das Zusammenleben von Senioren keine reine Zweckgemeinschaft", sagt Wolfgang Maier, Leiter der Psychiatrischen Klinik am Universitätsklinikum Bonn. Es geht um gegenseitige Unterstützung, um Sympathie, Nähe und um Vertrauen. Die Menschen sollten im Idealfall möglichst bis an ihr Lebensende zusammenbleiben und nicht nur nebeneinander, sondern miteinander leben. Dazu gehören gemeinsame Rituale, etwa das Sonntagsfrühstück. In der Gemeinschaft geht es bei vielen Dingen gleichberechtigt zu, Konfliktfähigkeit ist dabei eine wichtige Eigenschaft. Jeder wird zurückstecken müssen.

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Eine weitere Besonderheit von Senioren-WGs: Im Laufe des Zusammenlebens nehmen die Kräfte bei den Mitbewohnern ab. Die Wahrscheinlichkeit von Krankheiten und Gebrechen steigt, Pflege wird damit zum Thema. Jede Wohngemeinschaft sollte für sich entscheiden, wie sie damit umgehen möchte. "Die große Nagelprobe für uns war, als die Ersten sterbenskrank wurden", sagt Scherf.

Vor der Gründung der WG hätten sie zwar über das Thema gesprochen – dass es so früh aktuell würde, hätte jedoch keiner erwartet. Mehrere Jahre lang haben sie die Kranken ohne fremde Hilfe gepflegt. Laut Maier könne sich eine Gruppe da aber schnell überfordert fühlen. "Es ist besser, sich auch Hilfe von außen zu holen."

Bei Brigitta Neumann von der Alzheimer Gesellschaft Brandenburg geht es gar nicht ohne Hilfe von außen. Sie hat vor drei Jahren mit anderen Angehörigen von demenzerkrankten Menschen eine Wohngemeinschaft in Potsdam gegründet. Rund um die Uhr ist jemand im Haus. Neumann rät, vor der Gründung einer WG die Finanzierung durchzurechnen. Wie hoch sind die Kosten für Wohnung, Lebensmittel, Pflegedienst und Sonstiges? "Das kann genauso teuer wie ein Pflegeheim werden."

Sehr wichtig sei auch die Wahl der richtigen Wohnung. Sie sollte zentral in der Nähe von Einkaufsmärkten, Kirchen und Bürgerhäusern liegen und groß genug sein, damit sich jeder zurückziehen kann. Maier rät außerdem zu nicht allzu großen Altersunterschieden. Mehr als 20 Jahre Differenz seien nicht sinnvoll. Die ideale Gruppengröße liege zwischen vier und zehn Bewohnern.

Autor: dpa