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22. April 2017

"Die hän doch e Schiibe, di Alemanne!"

Johannes Kaiser, Verfasser von vielen Gedichten, Geschichten und Liedern, war zu Gast in der Reihe der "Autore-Lesige im Hebelhuus".

  1. Rund 50 Freunde der alemannischen Sprache waren ins Hebelhaus gekommen, um die Lesung von Johannes Kaiser zu hören und zu genießen. Foto: Hans-Jürgen Hege

HAUSEN. Rund 50 Freunde der Alemannischen Sprache konnte Heidi Zöllner von der "Muettersproch-Gsellschaft, Gruppe Wiesental" im Rahmen der "Autore-Lesige im Hebelhuus" begrüßen. "So viel wie lange nicht mehr". Und das schrieb sie der Zugkraft von Johannes Kaiser zu. Dieser nahm die Besucher mit auf eine Reise durch sein vom Alemannischen geprägten Leben.

"Bockige Sieche, bruuchti Kärre" und ein "Lutetia" im Schwarzwald, das von Freiburg aus über die B31-Ost zu erreichen war, verhalfen den Helden der Asterix-Buchreihen zur nachhaltigen Erkenntnis, dass nicht nur die Römer spinnen, sondern dass auch im Musterländle nicht alles Gold ist, was glänzt. Denn Asterix und Obelix, denen der Mundartdichter und Barde Johannes Kaiser zusammen mit Heinz Ehret und Klaus Poppen anlässlich des Tour-de-France-Starts 2000 in Freiburg im Auftrag der Badischen Zeitung einen Sprachkurs "in Alemannisch" verpasste, kamen nach ihren Abenteuern bei der "Tour durchs Ländli" zur Einsicht: "Die hän doch e Schiibe, di Alemanne!"

Und das versuchte der Autor von Gedichten, Geschichten und Liedern am Donnerstag im Hebelhaus mit Auszügen aus (seinen) Werken wie "Die Dampflokomotive" (1996 vom Münchner Literaturbüro nominiert für den Publikumspreis), dem alemannischen Gedichtzyklus "Dote Danz" oder einer Auswahl flotter Sprüche aus dem Asterix-Buch "Tour durchs Ländli" – "unserem größten Coup" – eindrucksvoll zu belegen.

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Eineinhalb Stunden beeindruckte Kaiser mit einer multimedial und musikalisch umrahmten Reise durch sein bisheriges Leben, durch seine Jugend, die er in einem Dorf im Hotzenwald verbrachte und in einigen seiner beliebten Bücher wie etwa "Kuhmilch und Kaugummi" (1998) oder "der Geisterzug" (2013) beschrieb, durch die Jahre in Schopfheim und Steinen, die "eine größere Rolle in meinem Leben spielten", durch ein Freiburg mit den Revolten der 70er-Jahre, durch Erlebnisse auf der "Basler Fähri" ("Fährimaa, Fährimaa, stoß di breite Weidlig a, fiehr mi sicher über d’Fluet, mach mer Muet!") und mit den Masken der Basler Fasnacht zwischen dem Rhi ("S’goht alles de Rhi durab") und dem Badischen Bahnhof "mit siehne Bahnsteig-Bühne uf Insle us Beton, auf denen Iseg’färt am Strom hänge".

Johannes Kaiser sang Lieder aus Zeiten, in denen er mit seinem Bruder Magnus als "Kaiser & Kaiser" auf den Kleinstkunst-Bühnen der Region stand und nicht nur das damals aufkommende Plastikgeld, sondern auch die flimmernde Welt des "TiWi-Kabelfernsehens" ("Mi Kabel isch mi Nabel, i bi kanalisiert") mit Sendern wie "DRS – Schwyzer Chäs", "ARD duet so weh" und "ZDF – luegt mi Chef" an den Pranger zu stellen versuchte. Nach wenigen Minuten schon hatte Johannes Kaiser das zum Teil von weither angereiste Publikum "im Sack". Die Leute genossen den Hefezopf, den offenen Wein, die Schokolade. Aber sie klebten auch an den Lippen des Künstlers in ihrer Mitte, der es ausgezeichnet verstand, die Leute mit selbst komponiertem Rock ebenso zu begeistern wie auch ernstere Passagen seines Vortrags mit Humor oder lustige Abschnitte seines Lebens mit angebrachtem Ernst zu würzen. Und dabei durchaus auch Ansprüche stellte an die Auffassungsgabe seiner Zuhörerinnen und Zuhörer, wie im Gedicht "Maa un Frau", in dem es hieß: "Chumm an mi, obe chumm, chumm unte aß mer d’Bückel biege wie zwei Halbmönd gege d’Nacht. In diine Auge füürt’s un d’Gsichter schmilze bis in Cherne überwiiß. Du bisch – i b’s."

Der Autor: Johannes Kaiser ist gebürtigen Lörracher, der prägende Zeiten seines Lebens in Schopfheim, Steinen, Freiburg und im Hotzenwald verbracht hatte, seit 30 Jahren in VS-Villingen lebt und dort seit 2006 die St.-Ursula-Schulen leitet.

Info: Am Donnerstag, 18. Mai, steht der Muettersproch-Gsellschaft mit Hans Ruf mit dem Duo Wunderfitz ein weiterer Autor für eine Lesig zur Verfügung. Am 20. Juli liest Beate Ruf aus ihrem "Blog", am 21. September sind "de singende Winzer" Arno Müller und Walter Hintereck von Ihringen im Hebelhaus zu Gast, am 19. Oktober erhalten die Hausener Besuch von der Hebelplakettenträgerin Liliane Bertolini us em Elsass und im Dezember laden Heidi Zöllner, Bernhard Klauser und Adolf Ückert zu einem Zuckerbrötli-Obe ins Hebelhaus ein.

Autor: Hans-Jürgen Hege