Lebensstationen von Johann Peter Hebel (1760–1826)

Ein Mineraloge und Wanderer

Georg Diehl

Von Georg Diehl

Mo, 24. Oktober 2016 um 14:17 Uhr

Hausen im Wiesental

Um Johann Peter Hebel, den berühmten Sohn aus dem Dorf Hausen im Wiesental, drehte sich ein aufschlussreicher Vortrag bei der Muettersproch-Gsellschaft.

HAUSEN. Das evangelische Gemeindehaus war bis zum letzten Platz besetzt, als Heidi Zöllner als Vorsitzende der Gruppe Wiesental der Muettersproch-Gsellschaft die zahlreich erschienenen Gäste und Siegfried Schmieg, den Referenten am Freitagabend, begrüßte. Sein Thema: Hebels Wirken.

Ihr besonderer Gruß galt dem aus München angereisten Professor Gustav Oberholzer, der einen Teil seiner Jugend im Hebeldorf verbracht hatte und an diesem Abend seine Broschüre "Von der früheren Weihnachtszeit im südlichen Schwarzwald" an Interessenten verschenkte. Der Dank für die Zurverfügungstellung des Gemeindehauses galt der ebenfalls anwesenden Pfarrerin Weber-Ernst.

Siegfried Schmieg schilderte anhand von zahlreichen an Ort und Stelle selbst aufgenommenen Lichtbildern auf der Leinwand das Leben von Johann Peter Hebel (1760–1826), der in Basel geboren und in der Peterskirche getauft wurde. Je ein halbes Jahr in Basel und in Hausen lebte er, wurde mit 13 Jahren Vollwaise und hatte somit eine "normale" Familie nicht erlebt.

Schmieg schilderte eindrücklich Hebels Lehr- und Wartejahre in Schopfheim, am Pädagogium in Lörrach, sein Theologie-Studium in Erlangen, weil es im Großherzogtum Baden noch gar keine Universität gab. Seine Tätigkeit als Lehrer und Prediger wurde an verschiedenen Orten dargestellt und schließlich die aus der Sehnsucht nach dem Oberland 1803 geschaffenen "Alemannischen Gedichte" näher gebracht. Hebel wurde als Verfasser der Geschichten im damaligen Kalender "Schatzkästlein des rheinischen Hausfreunds", sehr bekannt. Seine Stationen als Hauslehrer in Hertingen, als Präzeptoratsvikar ans Pädagogium in Lörrrach (heute Dreiländer-Museum), als Subdiakon und Hofdiakon schließlich seine Ernennung zum außerordentlichen Professor in Karlsruhe und zum Ehrendoktor der Universität Heidelberg wurden mit den entsprechenden Bildern der Orte dargestellt.

Hebel war aber auch Mineraloge, der Ehrenmitglied der Mineralogischen Gesellschaft in Jena wurde. Ein weiteres Kapitel widmete Schmieg dem Proteusertum und dem "Belchismus" Hebels, der den Belchen als besonderen Berg auch in seinem Gedicht "Die Vergänglichkeit" charakterisierte. Dass Hebel auch ein fleißiger Wanderer war, belegt Schmieg mit Hebels Wanderungen am Hochrhein bis zum Bodensee. Gegen Ende seines Lebens verfasste Hebel die "Biblischen Geschichten", die jahrzehntelang im Unterricht verwendet wurden. Nachdem er zum Prälaten der evangelischen Landeskirche ernannt worden war, setzte er sich auch 1821 für die Union der lutherischen und reformierten Kirche in Baden ein. Trotz Krankheit unternahm er 1826 eine Prüfungsreise nach Mannheim. Im gleichen Jahr starb er am 22. September in Schwetzingen.