Erste Alemannische Nacht in Hausen im Wiesental

Große Bühne für Dialekt mit Swing

Anja Bertsch

Von Anja Bertsch

So, 24. April 2016 um 15:43 Uhr

Hausen im Wiesental

An die 200 Menschen kamen am Samstag in die Festhalle, um sieben Mundartsänger und -autoren zu hören. Gastgeber war die Muettersproch-Gsellschaft im Wiesental.

HAUSEN. Es wurde gumpt, gsäcklet und gsunge, man hörte es bruddle und schwätze. Mal ging’s um d’Maiegluschd, mal war’s pfläddernass. Und am Ende flatterte sogar ein alemannisch krächzender Papagei durchs Geschehen – mit ihrer ersten "Alemannischen Nacht" zelebrierte die Muettersproch-Gsellschaft am Samstag in der Hausener Festhalle die Mundart fröhlich und in all ihren Facetten.

Sechs Autorinnen aus der Region zwischen Brombach und Freiburg brachten in ihren Texten, Gedichten und Geschichten die alemannische Mundart mit ihrer Fülle an unterschiedlichen Färbungen und in ihrem Reichtum an Begriffen und Ausdrücken zum Klingen.

Im Saal herrschte die von Organisatorin Heidi Zöllner im Vorfeld herbeigesehnte "Druggede": An die 200 Besucher drängten in die Halle und füllten sie bis auf den letzten Platz. "Bi uns cha me au alemannisch schwätze", verkündete ein großes Logo mit dem Muetterspröchler-Motto, was an diesem Abend zum guten Ton gehörte. Mit vielen Ideen und ebenso viel Mühe hatten die Organisatoren dies bis ins kleinste Detail umgesetzt: Auf der Bühne lud ein "Schnäderbänkli" zum Hock ein, auf den Tischen sorgten handgeschriebene Verse und Sprüchlein für Farbe und Schmunzeln, und die Zeller Trachtengruppe bewirtete.

Nach einer humorigen Begrüßung durch Gastgeberin Heidi Zöllner und Hausens Bürgermeister Martin Bühler übernahm Jürgen Hack aus Freiburg vom Vorstand der Muettersproch-Gsellschaft mitsamt Gitarre, Gesang und Freiburger "bobbele-alemannisch" das Moderatorenzepter. Nachdem der Dialekt in Medien wie Radio und Fernsehen längst schon keinen Platz mehr habe, sei die Live-Bühne die einzige Plattform, um der Öffentlichkeit "den Swing des Dialektes" zu vermitteln, machte Hack deutlich.

"Trau di halt – schwätz alemannisch": Den sechs Akteurinnen – ausschließlich Frauen übrigens – auf der Bühne ist diese Aufforderung der Muetterspröchler längst selbstverständlich, und sie zeigten in ihren inhaltlich wie in Form und Präsentation sehr unterschiedlichen Beiträgen, dass sich Dialekt keineswegs allein für betuliche Blümchenpoesie eignet:

Mit Katrin Ruesch aus Freiburg etwa stand gleich zu Beginn eine junge Autorin auf der Bühne, die dem Alemannischen in ihren Texten und in der Art ihrer Vortrags einen ungemeinen Flow und Rhythmus verlieh – etwa, wenn sie tiefe, nachdenkliche, schöne und bewegende Bilder für das fand, "was Leben ist".

Derlei Nachdenkliches verwob Katrin Ruesch mit netten Beobachtungen aus dem Alltag und leichtfüßig-augenzwinkernden Anmerkungen zu den witzig-irrwitziger Kapriolen, die die Sprache manchmal schlägt. Ein berührender wie unterhaltsamer Einstieg ins Programm.

Inge Trenz, in Schopfheim geboren und aufgewachsen, verwebt in ihren Texten Nachdenkliches und Humoriges, Lebens- und Alltagsbetrachtungen, die zum Gedanken-Machen oder zum Schmunzeln verführen. Offenkundig ist dabei die Freude am Wortspiel und am Ausdrucksreichtum des Alemannischen, das die "Gluzzlichinder" ebenso kennt wie die "Maiegluscht". Nördlicher im Alemannenland bekam Mariele Loy ihren Dialekt in die Wiege gelegt, in dem sie nun kritische Anmerkungen etwa zur grassierenden Ungeduld der Gesellschaft formuliert, ebenso jedoch witzige Gedichte mit großer Lust an schrägen Gedanken und am Spiel mit Klängen – etwa in jenem Zungenbrecher, in dem Gugge-Zugge-Glugge-Mugge die Hauptrolle spielen.

Als "Schmittie vo de Kass" ließ dann Christiane Hack (Freiburg) ihre Zuhörer in aller Ausführlichkeit am offenkundig wenig erholsamen Sommerurlaub des Vorjahres teilhaben, bevor Gastgeberin Heidi Zöllner ihr Publikum mit pfiffigen Texten voll leichtem Witz und Hintersinn zum Nachdenken und zum Lachen brachte. Diebische Freude etwa beim Gedanken, wie "selli Wunderfitz vo de NSA" beim Lauschangriff im Alemannenland nur Bahnhof beziehungsweise "Buscheli" verstehen, die rechte Mischung aus Nostalgie und humorvoller Brechung etwa bei Kindheitserinnerungen, etwa an die bei den Ahnen der heutigen Vegetarierkinder so heißgeliebte Frage "Wottsch e Rädli Wurscht?"

Wäre es anderen Beiträgern am Ende eines über dreistündigen Programms womöglich schwergefallen, die Aufmerksamkeit des Publikums nochmals für sich zu gewinnen, so gelang dies Carola Horstmann aus Zell mühelos: Ihre Texte sind leichtfüßig, unterhaltsam und lebensweise zugleich, verweben nette Anekdoten aus der früheren Zeller Kindheit und dem jüngeren Familienleben mit klugen Gedanken. Ihr Vortrag schuf eine freundliche wie berührende Atmosphäre, und bekam mit einer musikalisch-theatralischen Einlage zum Ende hin noch einen Drall in Richtung Varieté. Ein Beleg für einen Formen- und Farbenreichtum, der in Mundart möglich ist.

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