Saisonvorschau

Ist Aufsteiger RG Hausen-Zell für das Abenteuer Bundesliga gewappnet?

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

Mo, 03. September 2018 um 22:00 Uhr

Ringen

Zum zweiten Mal ringt die RG Hausen-Zell in der Bundesliga. Für das große Abenteuer hat der Aufsteiger viel bewegt und lange auf den großen Start hingefiebert.

Mangelnde Begeisterung kann man im Wiesental derzeit kaum einem Griffkünstler vorwerfen. "Der ganze Verein brennt auf die Bundesliga, wir sind bei 110 Prozent", versichert Florian Hassler . Nur noch ein paar Tage sind es bis zum Saisonstart. Der 32-jährige Coach sitzt in den Startlöchern, er hat zum Trainingslager am Herzogenhorn gerufen. Letztes Schleifen der Diamanten, Stärken betonen, Schwächen verdecken. "Da holen wir noch einmal alles aus den Jungs raus." Das Last-Minute-Trainingslager ist der Kulminationspunkt einer langen Vorbereitung. Ein knappes Dreivierteljahr ist vergangenen seit die RG Hausen-Zell überraschend den Aufstieg in die oberste Klasse der Ringer geschafft hat. Oder soll man sagen übernommen? Damals weigerten sich die Konkurrenten in der Regionalliga reihenweise, den Aufstieg ins Visier zu nehmen und verloren mutmaßlich absichtlich. "Das kam für uns nie in Frage", betont Ralf Wagner, der im Frühjahr die sportliche Leitung von Björn Gut übernommen hat.

In kältere Gewässer hätte er kaum geworfen werden können. Die ersten Monate verbrachte er nebst Trainergespann Hassler/Recorean mit der Kaderplanung. Dabei diente den Mattenexperten die eigene Vergangenheit als Maßstab. "Damals sind wir nur mit eigenen Leuten hoch", erinnert sich Hassler. Damals, das war 2009, die RG rang oben in der Bundesliga, der TuS Adelhausen, heute der Platzhirsch, war Zweitligist. Das Erstliga-Abenteuer endete für die jungen Hausen-Zeller sieglos mit dem direkten Wiederabstieg, lediglich ein Unentschieden in der Zeller Stadthalle gegen Mitabsteiger KSV Seeheim gelang in 18 Kämpfen.

Viele, die noch heute im Verein sind (Trifan, Hassler-Brüder, Sutter, Mühlemann, Wolfer) waren dabei, zudem der heutige TuS-Coach Florian Philipp im 84er Greco. Diesmal hat die RG auch extern rekrutiert, "wir wollten bewusst einen starken Kader", betont Wagner, Adrian Recorean, 2009 ebenfalls dabei, glaubt: "Dieses Mal kann es reichen."

Dreifache Olympia-Erfahrung aus Rumänien

Kein Wunder: Die Zugänge sind durchaus Kaliber. Freistilexperte Recorean ließ sein Vitamin B spielen. In Virgil Munteanu, Ivan Guidea und Daniel Rares Chintoan sind drei rumänische Nationalringer, allesamt olympiaerfahren, ins Wiesental gewechselt. Zudem hat Heimkehrer und Trainerbruder Oliver Hassler, Vize-Weltmeister von 2014, Nationalmannschaftskollege Florian Neumaier, der in Steinen wohnt, mitgebracht. Die Abgänge (Ritter, Rapp/will Fußballtrainer werden, Alexuc, Mond) wurden – zumindest auf dem Papier – mehr als adäquat ersetzt.

Auch im Hintergrund stehen die Weichen auf Klassenerhalt. "Wir sind größer geworden", sagt Florian Hassler. Das Marketingteam hat dazu erneut zahlreiche PR-Aktionen ins Leben gerufen, unter anderem wieder Training an spektakulären Orten. Der eigene Mattenraum ist renoviert und ausgebaut worden. Auch infrastrukturell will der Verein bereit sein für die Beletage. Viel Enthusiasmus also. Und wenig Platz für Skepsis. Die RG hat Dampf auf dem Kessel. "Große Baustellen sehe ich momentan nicht", findet Hassler. An der Zuversicht sollte es schon mal nicht scheitern.

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