Peta und der Bauernhof-Brand

TALUF, TALAB: Hickhack um eine Anzeige

Nicolai Kapitz

Von Nicolai Kapitz

Sa, 01. September 2018

Hausen im Wiesental

Man muss sich das mal vorstellen: Da brennt einer Landwirtsfamilie der Stall mitsamt einer Scheune ab, es ist eine Existenz bedroht, die über Jahrzehnte und Generationen aufgebaut wurde. Da ist eine Familie erleichtert, dass niemand verletzt und das Wohnhaus gerade noch so vor den Flammen gerettet worden ist. Und da ist ein Landwirt, der aus dem brennenden Stall noch einige seiner Tiere retten konnte, tief traurig, dass es acht Rinder – darunter ein Kälbchen – nicht mehr geschafft haben und im Stall umkamen. Die Tierschutzorganisation Peta nun hat seit Mitte 2014 damit begonnen, nach Bränden in Ställen rigoros Strafanzeigen gegen Tierhalter zu erstatten. Dabei verfolgt die Organisation durchaus ein hehres Ziel. Die Zahl der Tiere, die deutschlandweit bei Bränden ums Leben kommen, liegt laut Peta bei mehreren zehntausend. Allerdings beziehen sich die Tierschützer dabei vor allem auf Großzuchtbetriebe mit Hunderten von Tieren. Beim jetzigen Fall zeigt sich, dass dieses pauschale Vorgehen von Peta fragwürdig ist: Man liest einen Polizei- oder Pressebericht über bei einem Feuer verendete Tiere und zeigt den Landwirt quasi prophylaktisch an. Ohne, dass jemals ein Peta-Mitglied im Wiesental war und sich den Stall und die Tierhaltung genau angeschaut hat. Weil – so pauschalisiert Peta – "jedes Tier, das bei einem Brand im Stall stirbt, grob fahrlässig getötet wurde". Damit wird der Staatsapparat auf Steuerzahlerkosten ins Blaue hinein mit einer unter Umständen langwierigen Ermittlung beschäftigt, die Familie wird zusätzlich zu den Folgen des Brandes auch noch mit einer Anzeige und einem Verfahren belastet – und alles nur, weil Peta eine Schlagzeile generieren will. Das ist nicht in Ordnung. Wahrscheinlich haben diese Überlegungen die Tierschützer am Freitag dazu bewogen, die Anzeige zurückzuziehen. Gut so.