Vom Miteinander und Bauernleben "amig un hüt"

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Von kst & BZ-Redaktion

Mo, 21. November 2016

Hausen im Wiesental

Erstmals zu Gast im Hebelhaus: Vera Gerspacher aus Fröhnd-Oberhepschingen trug Gedichte und Geschichten auf Alemannisch vor.

HAUSEN (kst). Die Muettersproch-Gsellschaft, Gruppe Wiesental, um Heidi Zöllner ist immer für Überraschungen gut. Einen weiteren Coup landete der rührige Vorstand mit der jüngsten Veranstaltung am Donnerstagabend im heimeligen Hebelhaus mit der Schriftstellerin Vera Gerspacher, auch bekannt unter ihrem Mädchennamen Gutmann, aus Fröhnd.

Die 44-Jährige, wohnhaft in Oberhepschingen, las aus ihrem reichhaltigen und abwechslungsreichen Repertoire vergnügliche und humorvolle Gedichte und Geschichten aus der Kindheit in Aftersteg, Erlebnissen rund um Fröhnd, Todtnau und Schönau, alle in bester Mundart.

Charmant erzählte Vera Gerspacher, wie sie zum Schreiben kam. Schon in der Schule gefiel ihr das Fabulieren, im jugendlichen Alter erfuhr sie Freude daran, verfasste bald Schnitzelbänke für die Fasnacht in Alemannisch und weitete ihr Hobby fast professionell aus, indem sie bisher je zwei Bücher in Hochdeutsch und Alemannisch veröffentlichte. Als feinsinnige Beobachterin erwies sich Vera Gerspacher bei ihren alltäglichen Geschichten. Ob sie mit den Fröhnder Landfrauen im Münstertal unterwegs war, einen Gartenplausch oder Stadtbummel mit Freundinnen schilderte oder einen Tag am glitzernden Schluchsee verbrachte, war das Fazit: "Schöner kann es nicht sein."

Geprägt ist das Schaffen der Mundartautorin besonders vom Familienglück. Ihrer Mutter widmete sie das Gedicht "In de Heidelbeere", das Hecheln der Früchte mit drei Generationen. Der Vergleich des Bauernlebens in Fröhnd von früher und heute und die Kritik am überwachten Fortschritt durch Bürokratie und endlose Formulare gipfelte in einem erlösenden Lachkrampf im Paradies bei Petrus. Das Miteinander im Dorf ist für Vera Gerspacher bedeutend und macht die Lebensqualität aus. Sie sucht Seelenverwandtschaft mit ihren Freundinnen und bedauert im Vergleich "Amig un hüt", dass früher die Kommunikation beim Musizieren, Singen, Lachen, Stricken und Schwätzen im Vordergrund stand.

Im zweiten Teil des Abends war Schmunzeln angesagt, wenn für das Kätzlein festgestellt wurde, es "hat’s doch wahrlich schön". Oder wie die fachsimpelnden Männer in der Werkstatt oder beim Bulldogtreffen in Ehrsberg an der verliehenen Plakette ihre Freude wie kleine Buben haben. Auch der Tradition fühlt sich Vera Gerspacher verpflichtet, wenn sie das Spektakel bei der "Herdöpfelernte" mit der gesamten Verwandtschaft pointenreich beleuchtet.

Ernste Töne brachte die Dichterin mit dem Heimkehrer mit Lungenbeschwerden nach fünfjähriger russischer Gefangenschaft ein, der vom Feldberg kommend auf Todtnau hinunter sieht, sich fragt, ob er wohl erkannt wird und dann wortlos der Mutter in den Armen liegt. Zum Abschluss las die Autorin einige heitere und besinnliche Gedichte zu Advent und Weihnachten. Langanhaltender Beifall belohnte einen schönen Mundartabend, bei dem die "Neue im Hebelhaus" nachhaltigen Eindruck machte und wohl weiterhin gerne "Luftschlösser" baut.