Hausen-Zeller Empfehlungsschreiben

Uwe Rogowski

Von Uwe Rogowski

Mo, 10. September 2018

Ringen

Die RG stellt beim Bundesliga-Comeback sechs Ringer-Eigengewächse auf und ist gegen Hüttigweiler trotzdem nah am Sieg.

RINGEN Bundesliga: RG Hausen-Zell – ASV Hüttigweiler 12:19. Sie sind ja irgendwie auch ein bisschen in diese Bundesliga gedrängt worden, die Hausen-Zeller. Die einen wollten nicht und tricksten, andere konnten nicht und tricksten. Und da die Hausen-Zeller keine Trickser sein wollen, sind sie nun also in der Bundesliga und aufgrund der gallierartigen Ausgangslage unter lauter Römern in der Situation, jedes Kampfwochenende als sportlich großartige Angelegenheit empfinden zu können. Enttäuscht? Natürlich, das ist jeder Sportler, wenn eine Niederlage frisch ist. "Doch die Freude überwiegt", sagte Florian Hassler, der Coach der RG Hausen-Zell.

Ihr erster Bundesligakampf seit rund neun Jahren war gerade zu Ende gegangen, 12:19 verlor der Aufsteiger in der dezent gefüllten Zeller Stadthalle gegen den ASV Hüttigweiler, und irgendwie blieb das Gefühl zurück, dass mehr drin war, sie hatten nach vier der zehn Kämpfe mit 10:4 geführt und eine gute Stimmung entfacht.

"Das wünscht man sich beim DRB doch, oder?"

Doch andererseits waren sie als Team an ihre Grenze gekommen, sie hatten wenig liegengelassen, und so nutzte Hassler diese Gelegenheit, auf die Rolle, der sich die Zeller in dieser Liga verschrieben hätten, hinzuweisen. Über die RG würde sich beim Deutschen Ringer-Bund sicherlich niemand beschweren, sagte er in selbstbewusster Tonlage, jeder habe schließlich gesehen, wieviele ausländische (1:3) und wieviele deutsche Ringer die beiden Ecken jeweils nominiert hätten, und erst recht wieviele Eigengewächse, was ja angesichts des neuen Punktesystems bei der Aufstellung, das maximal 28 Zähler zulässt, nun schwarz auf weiß abzulesen ist. Sechsmal die "minus Zwei" war bei den Hausen-Zellern (Gesamt: -4) vermerkt, was im Einzelfall heißt: im Verein groß geworden. "Das wünscht man sich beim DRB doch, oder?", fragte Hassler rhetorisch.

Mit dem körperlich kompakten Neuzugang Virgil Munteanu (+5) war bei der RG nur einer dabei, der mehr als einen Punkt beanspruchte. Der 30-jährige rumänische Olympiateilnehmer von 2008 brachte locker den erwarteten Vierer in die Wertung, nach verhaltenem Beginn hatte er seinen Gegner Jan Wolfanger (61 Kilogramm Greco) sehr bald am Wickel und brachte sechs Durchdreher in Folge an. Souverän. Hüttigweiler brachte es gleich auf vier Akteure mit mehr als einem Nominierungs-Punkt und mit gleich drei internationalen Top-Leuten (Esanu, Bradu, Burca) auf je fünf oder mehr. "Klar wollten wir gewinnen. Aber als wir ihre Aufstellung gesehen haben, war uns schon klar, dass es schwer wird. Alles gut", sagte Hassler. Vier Kämpfe gewann die RG, Adrian Recoreans Gegner im 98 Freistil (TÜ 15:0) war nach 2:47 Minuten erlöst, Schwergewichtler Oliver Hassler hatte bei seinem Comeback für Zell in einem engen Kampf gegen den drei Kilo schwereren Till Bialek etwas Glück mit den Entscheidungen des starken Kampfrichters Gerd Reich (KSV Musberg), gewann aber dank einer großen Wertung verdient mit 2:0. Und Tobias Greiner (71 Greco) war beim gefühlten Höhepunkt des Abends, als der Lärmpegel weit nach oben ausschlug, nah dran am Dreier. Gegen seinen meist defensiven Gegner Urs von Tugginer gab er alles, hätte sich wohl schon zur Halbzeit gern ins Sauerstoffzelt gelegt, brachte aber sogar noch einen Ausheber in die Wertung und führte 8:0, ehe der Gegner noch verkürzen konnte (3:8). Letztlich hätte auch der mögliche Dreier für Greiner aber nichts geändert, man ahnte schon zu diesem Zeitpunkt (12:10), dass der Vorsprung für die finalen drei Kämpfe ohnehin nicht reichen würde.

Es fehlten wichtige Bausteine, da Laszlo Szabolcs (Polizeieinsatz) und Ion Guidea (Polish Open) nicht verfügbar waren, was ungefähr so ist, als müsste der SC Freiburg ohne Nils Petersen und Nicolas Höfler spielen. Gut möglich auch, dass die Hausen-Zeller auf dem falschen Fuß erwischt wurden, als der Gegner den moldawischen Spitzenringer Mihai Bradu in die 86er Klasse gegen Alexander Rümmele stellte und Kevin Gremm in die 75. Rümmele war vor dem Kampf noch als Punktbester seines Teams mit einem Pokal so groß wie ein Bierfass geehrt worden, doch auch der Hüttigweiler Vize-Weltmeister (Junioren) ist ein verlässlicher Mann für Punkte. In der Vorsaison verlor Bradu nur einen seiner zwölf Kämpfe, gegen Köllerbachs Timo Badusch, und holte 36 von 48 möglichen Punkten. Rümmele kam auch nicht recht in die Gänge und verletzte sich zudem. "Es war nicht Alex’ Tag, aber er kommt noch", kommentierte Trainer Hassler Rümmeles TÜ-Niederlage, die nach 4:18 Minuten Bestand hatte. Es war ein Schlüsselkampf und Hasslers Einschätzung ("Er kann ihn schlagen.") zeigt, wie nah sie dran waren.

Auch Vladislav Wagner gewann gegen Mihai Esanu (66 F) nicht, aber der Zugang ließ seinen renommierten Gegner, gegen den er vor einem Jahr nach 30 Sekunden auf der Schulter lag, lange nicht zur Entfaltung kommen und gab nur zwei Punkte ab. Stefan Hauschel (80 F) rang gegen Alexandru Burca (0:3), EM-Fünfter aus Moldawien, respektabel. "Die Jungs haben trainiert wie die Blöden, zum Sieg hat es nicht gereicht, wir haben aber super gerungen", sagte Ralf Wagner, der sportliche Leiter. Und Hassler stellte trotzig in Aussicht: "Ich kann versprechen: Wenn wir vollzählig sind, hat es hier jeder Gegner schwer." Die Hüttigweilerer werden es bestätigen können.