Berlin

Heiko Maas wegen geschenkter Möbel in Bredouille

Katja Bauer und Thomas Maron

Von Katja Bauer & Thomas Maron

Mi, 07. Juni 2017 um 00:00 Uhr

Deutschland

Natalia Wörner hat sich im Gegenzug für Werbefotos Möbel schenken lassen, Lebensgefährte Heiko Maas will damit nichts zu tun haben. Hat der Bundesjustizminister nun ein Problem?

Möbelwerbung, Home Story – oder eine peinliche Inszenierung? Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) gerät durch eine Aktion seiner Lebensgefährtin, der Schauspielerin Natalia Wörner, in die Bredouille.

Wer zu Natalia Wörner und Heiko Maas an den Esstisch eingeladen wird, der versinkt im mausgrauen Samt fein geschwungener Polsterstühle. Der Blick schweift über zartblaue Wände zum Sofa, hinter dem eine Bücherwand intellektuelle Behaglichkeit verströmt. So jedenfalls sah es aus auf den Fotos, die unlängst das Einrichtungsportal Westwing seinen Kunden zeigte, mitsamt einer lächelnden Wörner. Einige der Möbel konnte man gleich online erwerben, den Polsterstuhl "Manhattan" zum Beispiel für 429 Euro. Diese scheinbar elegante Form der Werbung wird nun allerdings zu einer Peinlichkeit für ihren Partner, Justizminister Maas.

Bilder wurden gelöscht

Die Klatschillustrierte Bunte hatte vergangene Woche die Fotostrecke von Westwing übernommen und auf einer Doppelseite veröffentlicht. Überschrift: "So geschmackvoll wohnt das Glamour-Paar." Es wirkte, als hätten Wörner und Maas nach Hause eingeladen. Die Bilder sind den Beteiligten seitdem offenbar so unangenehm, dass sie gelöscht wurden – was wiederum die Bild am Sonntag so seltsam fand, dass sie über die "Löschaktion" berichtete, den Wert der Möbel auf etwas über 9000 Euro berechnete und fragte: Wer hat das bezahlt?

Es habe sich um eine "ganz normale", branchenübliche Kooperation gehandelt, zitierte die Zeitung dann die Sprecherin Wörners. Die Schauspielerin habe dafür Sachleistungen erhalten, die ordnungsgemäß versteuert würden. Alles ganz normal?

Ein Satz lässt erkennen, dass man im Hause Wörner-Maas ein Problem erkannt hat: "Heiko Maas war in keinster Weise involviert in diese Kooperation." Wie genau das mit dem Nichtinvolviertsein geht, wenn in einem Möbelportal mit einer angeblich gemeinsamen Wohnung geworben wird, bleibt das Geheimnis des Justizministers, denn inzwischen sind alle Beteiligten äußerst schweigsam. Weder die Sprecherin Wörners noch das Onlineportal beantworteten Fragen. Im Justizministerium gibt man sich ebenfalls zugeknöpft. Ein Sprecher ließ wissen, dass man sich "zu privaten Angelegenheiten des Ministers nicht äußern" werde.

Nur: was ist privat? Darf man – gerade als Politiker – immer dann auf Privatsphäre pochen, wenn die private Inszenierung Fragen aufwirft? Natalia Wörner müsste das Geschäft eigentlich gut genug kennen um zu wissen: Wer seine Türen einmal aufmacht, der bekommt sie schwer wieder zu. Erst vor kurzem klagte die Schauspielerin über die ungebetene Form der Publizität als Lebenspartnerin des Politikers. Aber warum scheint es für Politiker immer dann besonders schwierig zu werden, das richtige Maß an Öffentlichkeit zu finden, wenn ihr Leben ein bisschen glamourös wirkt?

Es ist vielleicht ein neidischer Blick des Publikums auf den Luxus, der die Aufmerksamkeit für Verfehlungen schärft. Mehr allerdings geht es um die Frage von Abhängigkeiten: Die Berichte über das Flug-Upgrade für den damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU) schärften den Blick auf ihn in seiner Bundespräsidentenzeit so sehr, dass am Ende das Bobbycar, das ein Autohaus ihm schenkte, zu viel war.

Als der Kieler SPD-Spitzenkandidat Thorsten Albig jüngst ebenfalls in der Bunten, dem Fachblatt für Homestorys, über die Politiker stolpern, über seine neue Liebe schwärmte, war das nicht entscheidend. Aber als er über seine Ehefrau, die jahrelang Hausfrau war, sagte, man habe sich nicht mehr auf Augenhöhe begegnen können, da wurde das Private eben politisch, und zwar so sehr, dass die weiblichen Wählerinnen ihm die Gunst entzogen.

Zum falschen Zeitpunkt im Pool geplanscht

Rudolf Scharping war das erste Opfer einer liebesgetränkten Personality-Story gewesen: Als der SPD-Verteidigungsminister 2001 für die Bunte mit seiner Freundin Kristina Gräfin Pilati-Borgreve auf Mallorca im Pool planschte, zerstörte nicht das gezeigte Glück seine Karriere. Es war die Zurschaustellung von Selbstvergessenheit in einem Moment, in dem die Entsendung von Soldaten nach Mazedonien bevorstand.

Bei Justizminister Maas, der auch für Verbraucherschutz und Werbung zuständig ist, geht es bisher nur um eine Ungeschicklichkeit, die man jemand, der sein Privatleben gerne schützen möchte, so nicht zutrauen würde. "Jede Wohnung hat so ihre kleinen Geheimnisse", wird Natalia Wörner in dem Text zu den Möbelfotos zitiert. Die würde sie sich vielleicht inzwischen zurückwünschen.