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10. Juni 2013 19:22 Uhr

Hydrologie

Heiße Quelle für Heizungen? Analyse in Bürchau läuft

Nicht nur im Yellowstone-Nationalpark in den USA gibt es heiße Quellen, sondern auch im Kleinen Wiesental. Eine zumindest. Sie ist zwar nicht gerade gewaltig – doch lässt sie sich nutzen?

  1. In Gummistiefeln entnimmt Masterstudent Julian Rolker Proben an der Fassung der heißen Quelle (vorne im Bild). Gesucht wird nach der Ursprungstemperatur des warmen Wassers. Foto: harald senn

  2. In der Nähe der Fassung wurde eine bislang unbekannte Austrittsstelle von warmem Wasser entdeckt. Foto: Harald Senn

  3. Julian Rolker nimmt Wasserproben in Bürchau Foto: Harald Senn

Die erste Analysephase für eine mögliche Nutzung der heißen Quelle in Bürchau hat jetzt begonnen: Student Julian Rolker vom Karlsruhe Institute of Technology (KIT) entnahm in Bürchau und in der näheren Umgebung vor wenigen Tagen Gesteins- und Wasserproben. Damit erwartet er sich Informationen über die geologische und hydrologische Situation.

"Lässt sich ausreichend warmes Wasser nachweisen, muss in der Nähe des Wasseraustritts (...) gebohrt werden, um dieses Wasser für die Nutzung zu erschließen." Julian Rolker
Auf Initiative von Harald Senn aus Bürchau hat der Verein "Erneuerbare Energien Kleines Wiesental" ein Projekt ins Leben gerufen, bei dem geprüft werden soll, ob das in Bürchau austretende warme Wasser an der Kleinen Wiese von der Menge und Temperatur zum Heizen geeignet ist. Unterstützung erhält der Verein vom KIT mit einer wissenschaftliche Analyse. Im Rahmen einer Masterarbeit wird Julian Rolker in und um Bürchau geologische und hydrologische Untersuchungen und Analysen vornehmen, die für den Verein die Basis für eine so genannte Machbarkeitsstudie liefert. Das KIT hat zusätzlich ein eigenes Interesse an diesem Projekt. "Dass es parallel zum Oberrheingraben eine zweite Nord-Süd-Verwerfung gibt, die möglicherweise durch das Kleine Wiesental verläuft, wird zwar vermutet, ist aber bisher nicht bewiesen", erläuterte Julian Rolker.

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Julian Rolker hat Gesteins- und Wasserproben in Bürchau, an der Quelle der Kleinen Wiese am Belchen sowie bei anderen Wasseraustritten rund um Bürchau genommen. Sie werden später in Karlsruhe analysiert. "Über die Bestandteile im Wasser lässt sich feststellen, mit welchen Mineralen das Wasser auf seinem Verlauf in Berührung gekommen ist", berichtete Julian Rolker. Daraus lassen sich Informationen über die Gesteinszusammensetzungen im Belchengebiet ablesen. Mit einer weiteren Analysemethode lässt sich nachweisen, ob es im Wasser radioaktive Spuren gibt, die auf die ersten Atomversuche im vergangenen Jahrhundert zurückzuführen sind. Lassen sich keine solche Spuren nachweisen, muss das Wasser "älter" als rund 50 Jahre sein.

Die Bürchauer haben Julian Rolker schon ins Herz geschlossen

Mit "Geothermometern" kann ebenfalls festgestellt werden, welche maximale Temperatur das Wasser auf seinem Weg gehabt hat. Dies soll Aufschluss darüber geben, ob sich warme oder heiße Wasserreservoirs finden, die zu Heizzwecken nutzbar gemacht werden können. "Lässt sich ausreichend warmes Wasser nachweisen, muss in der Nähe des Wasseraustritts – also bei der Bürchauer Brücke – gebohrt werden, um dieses Wasser für die Nutzung zu erschließen", folgert Julian Rolker. Allerdings: Die Proben und Analysen müssen wiederholt werden, denn "die ergiebigen Regenfälle der letzten Tage und Wochen haben so viel "frisches Wasser ergeben, dass wir nach einer längeren Trockenperiode noch einmal messen werden, um wirklich verlässliche Ergebnisse zu erhalten", sagt Rolker.

Der Verein ist sehr froh und dankbar über die Kooperation mit dem KIT, denn Analysen in dieser Professionalität und Qualität hätten die Aktiven nicht leisten können. "Und bevor wir einen weiteren Schritt in Richtung auf die Realisierung machen können, benötigen wir verlässliche Informationen", sagt Harald Senn, der das Projekt für den Verein betreut.

Das Master-Projekt wird vom KIT gefördert, für den Verein fallen lediglich die Kosten für Analysen an, die in Karlsruhe nicht geleistet werden können. Und die Aufwände für den Aufenthalt von Julian Rolker in Bürchau. Aber der junge Mann ist schon jetzt von den Bürchauern so ins Herz geschlossen worden, dass von "Aufwänden" niemand reden mag.

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Autor: Heiner Fabry