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13. Juli 2013

Abgefüllt und rausspaziert

Auch in Heitersheim ärgern sich Ladenbesitzer über Diebstähle – erwischt werden nur Einzelne.

  1. Martina Ambs vor ihrem Blumencafé Gänseblümchen. Immer wieder verschwinden bei ihr Sachen. Foto: hönig/pfefferle

HEITERSHEIM. Wenngleich der Schaden nicht sehr groß ist. Martina Ambs ärgert sich jedes Mal, wenn wieder etwas aus ihrem Laden-Café geklaut wurde. Auch beim Rewe-Markt kennt man das Problem. Die Polizei rät zu Warensicherung und Überwachung.

Wenn Martina Ambs zwischendurch nach ihrer Auslage vor dem Laden mit Café schaut, muss sie sich oft ärgern. Dann nämlich, wenn wieder einmal etwas verschwunden ist. Mal ist es eine Glasvase, mal sind es Pflanzen, mal aber auch ein Tischchen. Und noch nie hat sie die Langfinger erwischt. "In den vergangenen 14 Tagen hat es zugenommen", sagt Ambs frustriert. Über ihren Facebook-Account berichtet sie von den Taten. Bei der Polizei bringt sie die Diebstähle nicht zur Anzeige. "Ich habe den Eindruck, die Polizei unternimmt dagegen nichts", sagt sie. Vor gut einem Jahr, in der Nacht auf den 1. Mai sei bei ihr randaliert worden – mit erheblichem Schaden. Doch die Beamten im Polizeiposten Heitersheim hätten abgewiegelt. Das sei die Tat Jugendlicher, da könne man nichts machen, sei der Tenor gewesen.

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So will Ulrich Ruh, der im Heitersheimer Polizeiposten der Jugendsachbearbeiter ist, das nicht stehen lassen. Selbstverständlich gehe man Anzeigen nach, und auch was Diebstähle betrifft, sei es sinnvoll, mit der Polizei zusammenzuarbeiten. Ob durch eine Anzeige tatsächlich Ermittlungserfolge erzielt würden, sei nicht gewiss, aber die Polizei könne Tipps geben, Diebstähle zur verhindern. So hätten Ladenbesitzer gute Erfahrungen gemacht mit sogenannten Wildüberwachungsanlagen, bei denen es sich um Kameras mit Bewegungsmelder handle. Allerdings: "Den öffentlichen Raum darf man nicht ohne weiteres überwachen", betont Ruh.

Jugendsachbearbeiter Ruh hat indes nicht den Eindruck, dass sich im Bereich Diebstahl in Heitersheim in jüngster Zeit etwas zum Negativen entwickelt habe. Die Problematik mit gestohlenen Fahrrädern hauptsächlich am Bahnhof sei schon seit einiger Zeit spürbar besser – seit dort Videoüberwachung eingesetzt wird. Zudem wurde durch diese Überwachung festgestellt, dass es weniger die Jugendlichen waren, sondern mehr Erwachsene, die sich an Rädern zu schaffen machten.

Diese Erfahrung hat auch Rewe-Filialleiter Marc Maurer gemacht: Bei ihm wurde ebenso ein Sechsjähriger erwischt wie auch eine 85-Jährige, die eine Flasche Williams eingesteckt hatte. "Es ist ein aktuelles Thema", sagt Maurer, der in gewissen Abständen Ladendetektive engagiert, weil im normalen Betriebsablauf nicht genügend Zeit bleibt, Diebstähle zu verhindern.

Auch was die geklauten Produkte anbelangt, ist die Spanne groß. "Es gibt keine Warengruppe, die nicht betroffen ist", sagt Maurer. Hochwertige Spirituosen sind inzwischen gesichert, Rasierklingen liegen im Kassenbereich und hochwertige Kosmetika hat Maurer längst aus dem Sortiment genommen. Dennoch bleiben den Langfingern Objekte der Begierde. Der Sechsjährige hatte eine Pfandflasche mit Bindfaden versehen, um sie mehrmals in den Automaten zu schieben und so Pfand zu erschleichen. Andere füllen Kaffeepulver im Laden ab – die leere Verpackung bleibt liegen.

Filialleiter Maurer bringt diese Fälle zur Anzeige. Zudem gibt’s ein Hausverbot – lebenslang, nur Teenager bekommen mit 18 eine zweite Chance. Bei dem Sechsjährigen wurden die Eltern gerufen. "Die waren schon schockiert", erzählt Marc Maurer. "Da braucht es natürlich keine Anzeige."

Autor: Martin Pfefferle