Heldenmutiges Spektakel

Beate Zehnle-Lehmann

Von Beate Zehnle-Lehmann

Mo, 10. September 2018

Seelbach

Große Kulisse, prächtige Kostüme, ein etwas anderer Zorro und ein badischer Amtsschreiber – das Publikum feierte die Premiere.

SEELBACH. "Zorro" hat bei den 15. Seelbacher Freilichtspielen am Samstag im ausverkauften Klostergarten ein begeistertes Publikum mitgerissen. Die Premiere konnte bei traumhaftem Wetter stattfinden: Umso mehr wurde die feurige, spannungsgeladene und romantische Aufführung zu einem Theatervergnügen im Abendlicht der Sonne. Die unterschiedliche Couleur mit Mexikanern, Spaniern, Indianern und einem frustrierten Volkshelden, der letztlich wieder aufsteht, formte eine Geschichte, die rundum Spaß machte. Die Zuschauer dankten sich stehend mit minutenlangem Applaus.

Es sind die Geschichten, die Menschen lieben: Ein Held tritt für große Werte ein und bewahrt vor dem Bösen – gar unter Einsatz seines Lebens. In der Fassung der Regisseurin Katja Thost-Hauser waren die glorreichen Zeiten des Volkshelden Zorro allerdings längst Vergangenheit. Doch besinnt sich der alternde Mann im Laufe des Geschehens und lässt seinen Stolz und das kämpferische Herz wieder aufleben. Szene ab: "Buenos dias, amigos!", kommt es lauthals von der Treppe zur Freilichtbühne herunter gerufen. Der Schauplatz ist umgeben von einer prächtigen Kulisse, die das kalifornische San Juan Capistrano im Jahr 1814 zeigt in Zeiten der spanischen Kolonialherrschaft. Vor der Cantina, dem Wirtshaus, herrscht ausgelassenes Treiben bei Wein, Weib, Gesang und Tanz. Die Chicas, hübsche Mädchen in rassigen Kleidern, tanzen temperamentvoll zum virtuosen Gitarrenspiel des Wirts (Gernot Kogler), der mit "Bamboléo" einstimmt auf das bevorstehende Spiel. Nicht weit entfernt tanzen Acjachemen-Indianer vor ihren kuppelförmigen Behausungen aus Weidegeflech, friedvoll geprägt von der mit Weisheit beseelten "Weißen Eule" (Gisela Griesbaum). Die Botschaft an das Publikum soll heißen: Hier leben Menschen unterschiedlicher Herkunft und Kultur im Einklang.

Die stolze Isabella de la Rente (Katja Thost-Hauser) betritt in prachtvoll schwarz-roter Robe die Bühne, an ihrer Seite Tochter Luzia (Chiara-Marie Hauser). Die resolute Frau hält sich seit dem Tod ihres Mannes gerade so über Wasser. "Deine Mutter wird die Hazienda verlieren, wenn sie keine passende Partie macht", verdeutlicht Ramon (Vincent Daiber) seiner geliebten Luzia. Er ist der Sohn des Diego de la Vega (Thomas Koziol), der einst als Zorro gegen die Ungerechtigkeit kämpfte.

Doch die Kämpfe sind längst ausgefochten: Die Trauer um seine Frau will nicht enden und statt eines Degens hält Zorro lieber einen Krug mit Wein in seiner Hand – nicht nur zur Enttäuschung des Padre Boscona (Bruno Thost): "Er focht einst wie der Teufel, stets an der Seite des Rechts."

Auf dem Dorfplatz erwarten alle die Ankunft des neuen Gouverneurs José Dariò Argüella (Christian Peter Hauser). Darunter auch sein ungehobelter Handlanger Sargente Gonzales (Rudi Larsen). Der große Auftritt des unerwünschten Machthabers wird mit "Amazing grace" bespielt, das die neunjährige Lia Franke anmutig singt. Der Gouverneur tönt derweil arrogant: "Ich mache Alter California great again. Ich werde gegen die Mexikaner vorgehen und eine Mauer bauen." Mit seiner Anlehnung an "Think big" wird er von nun an Bosheiten walten lassen und Exempel am Galgen statuieren für Bürger, die mit den Steuern im Rückstand sind. Wie es finanziell aussieht, das weiß der badische Amtsschreiber Trudbert Schleckle, genial gespielt von Siegfried Wacker, der "als Emigrant aus dem Großherzogtum" gleich mal das Badener Lied anstimmt – das das Publikum spontan stehend mitsingt.

Als die Erpressungen überhand nehmen, besinnt sich Zorro und erscheint schwarz gekleidet mit Maske mit Degen auf seinem ebenso prachtvollen und pechschwarz glänzenden Pferd Tornado, das die Stufen zur Bühne hoch reitet. Nach den Kämpfen mündet alles in einem glücklichen Ende: Der Böse muss gehen, die verliebten Paare finden zueinander, der Friede kehrt zurück.

Die Aufführung der österreichischen Profi- und ebenso spielfreudigen heimischen Amateurdarsteller lebte von vielen überraschenden Details, von großer Leidenschaft aller und einer Mischung aus Tragik und Komik.

Weitere Bilder im Fotoalbum unter http://mehr.bz/zorro-de