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02. Februar 2013

Ebm-Papst setzt auf Autotechnik

Mit einem zweistelligen Millionenbetrag soll das Herbolzheimer Werk in ein Hochtechnologiezentrum umgebaut werden.

  1. Ebm-Papst will ins Herbolzheimer Werk mehrere Millionen Euro investieren. Foto: Siegfried Gollrad

HERBOLZHEIM (gol). Die Firma Ebm-Papst, Hersteller von Ventilatoren und Elektromotoren, investiert in den Standort Herbolzheim einen zweistelligen Millionenbetrag, um das Werk schrittweise zu einem Hochtechnologiezentrum für Produkte der Automobiltechnik umzubauen. Gleichzeitig wird das Kompaktlüftergeschäft nach Ungarn verlagert. Betroffen sind davon 115 Mitarbeiter. Der Arbeitsplatzabbau erfolgt ohne betriebsbedingte Kündigungen. Wegen der schwachen Entwicklung auf dem Lüftermarkt wird an den Standorten Herbolzheim und St. Georgen in einzelnen Betriebsbereichen vorläufig bis März kurzgearbeitet.

Mit diesem Paket sollen die insgesamt 1400 Arbeitsplätze an beiden Standorten langfristig gesichert werden, erklären Dirk Schallock, Geschäftsführer bei Ebm-Papst St. Georgen, und der Bevollmächtigte der IG Metall, Ahmet Karademir.

Wieso wird das Lüftergeschäft

nach Ungarn verlagert?
Ebm-Papst bezeichnet sich selbst als "letzter Kompaktlüfterhersteller in der westlichen Welt", der sich seit Jahren erfolgreich einem rein asiatischen Wettbewerb stelle. Hersteller in China seien derzeit dabei, Produktionsanteile in deutlich kostengünstigere südostasiatische Länder wie Vietnam und Kambodscha zu verlagern. "Unser Geschäft wird dadurch zunehmend schwieriger", so Dirk Schallock gegenüber der BZ. Der Kostendruck in den Kernmärkten IT, Telekom und Photovoltaik nehme kontinuierlich zu.

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Darauf reagiert Ebm-Papst St. Georgen mit der Konzentration der Lüfterproduktion am ungarischen Standort. Herbolzheimer Produkte der industriellen Lufttechnik werden ins Werk nach Vecsés verlagert. Die Verlagerung hat im Herbst begonnen und soll bis Ende März abgeschlossen sein. Im Herbolzheimer Werk sind davon 115 Mitarbeiter betroffen. 71 Mitarbeiter hätten Angebote wie adäquate Arbeitsplätze in St. Georgen, Altersteilzeitregelungen, Teilzeitlösungen oder ein Studium angenommen, teilt das Unternehmen mit. 44 Mitarbeiter gingen in eine Transfergesellschaft über, weshalb keine betriebsbedingten Kündigungen ausgesprochen werden mussten.

Mit Kurzarbeit Arbeitsplätze

langfristig sichern
Aufgrund der aktuell schwachen Marktentwicklung im Segment der Elektronikkühlung an den Standorten St. Georgen und Herbolzheim arbeite Ebm-Papst in einzelnen Betriebsbereichen zwischen drei und fünf Tagen vorläufig bis März kurz, teilt das Unternehmen weiter mit. Die von Geschäftsführung und Betriebsrat getragene Maßnahme betreffe 450 Mitarbeiter aus Herbolzheim und St. Georgen von insgesamt 1400 Beschäftigten.

"Wir wenden das Instrument der Kurzarbeit an, um langfristig Arbeitsplätze zu sichern", erläutert Dirk Schallock und fügt hinzu: "Um seinen Job bangen muss hier niemand."

Millioneninvestition in neues

Hochtechnologiezentrum
Der IG Metall-Bevollmächtigte Ahmet Karademir spricht von einem wichtigen Gesamtpaket der Arbeitsplatzsicherung. "Um das zu erreichen, haben Belegschaft und Betriebsrat gemeinsam an einem Strang gezogen", so Karademir.

"Eine Wirtschaftskrise sehen wir nicht auf uns zukommen. Ebm-Papst ist als Hersteller von energieeffizienten Ventilatoren und Motoren hervorragend aufgestellt", argumentiert der Geschäftsführer und verweist auf die geplanten Investitionen.

Das Werk Herbolzheim soll schrittweise zu einem Hochtechnologiezentrum für Produkte in der Automobiltechnik umgebaut werden. "Es ist uns in der letzten Zeit gelungen, wichtige Projekte aus dem Bereich der Automobilindustrie zu gewinnen. Für diese Projekte und daraus folgende Großserien benötigen wir ein spezielles High-Tech-Zentrum mit hochautomatisierten Fertigungsanlagen und gut ausgebildeten Mitarbeitern", erläutert Schallock. Investitionen im zweistelligen Millionenbereich sollen dazu in den Standort Herbolzheim fließen. So sei beispielsweise ein Sauberraum für eine Million Euro bereits realisiert. Der Ausbau des Werkes Herbolzheim folge einer klaren Strategie: Es finde eine Konzentration auf technologisch anspruchsvolle Produkte mit einem hohen Automatisierungsgrad statt. Dadurch werde die Zukunft des Standortes langfristig gesichert.

Auch am Standort St. Georgen steuert das Unternehmen auf Expansionskurs: Im März soll ein Grundstück im Gewerbegebiet Hagenmoos in Peterzell erworben und innerhalb von vier Jahren bebaut werden.

Kompetenz in Sachen

Antriebstechnik erweitert
Als weiteren Punkt zur Stärkung des Standortes bezeichnet Ebm-Papst den Erwerb des Getriebeherstellers Zeitlauf mit Sitz in Lauf. Somit könnten in Zukunft optimierte Antriebslösungen, bestehend aus Motor, Getriebe und softwaregestützter Steuerungstechnik angeboten werden. Der Erwerb sei strategisch wichtig, um die Systemkompetenz in der Antriebstechnik zu erweitern.

"Ich bin mir sicher, dass diese Erweiterung und die Möglichkeit, nun Komplettsysteme anzubieten, ein klarer und richtiger Schritt in die Zukunft ist", so Schallock, abschließend.

EBM-PAPST

erzielte im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatz von knapp 1,4 Milliarden Euro. An 17 Produktionsstätten und 57 Vertriebsstandorten beschäftigt das Unternehmen weltweit rund 11 000 Mitarbeiter. Ebm-Papst St. Georgen mit Werk in Herbolzheim erwirtschaftete mit 1500 Mitarbeitern rund 300 Millionen Euro Umsatz. Ventilatoren und Motoren von Ebm-Papst sind in vielen Branchen zu finden, zum Beispiel der Lüftungs-, Klima- und Kältetechnik, bei Haushaltsgeräten, der Heiztechnik, in IT- und Telekommunikation, bei Applikationen im PKW und in der Nutzfahrzeugtechnik.  

Autor: Quelle: Ebm-Papst

Autor: gol