Gedemer ruft zu Miteinander auf

Markus Zimmermann

Von Markus Zimmermann

Do, 07. Dezember 2017

Herbolzheim

Herbolzheims neuer Bürgermeister feierlich ins Amt eingeführt.

HERBOLZHEIM. So viel Musik wie am Dienstagabend ist selten in einer Gemeinderatssitzung. Im vollbesetzten Tutschfelder Bürgerhaus spielte jedoch die Herbolzheimer Stadtmusik zur Verpflichtung des neuen Bürgermeisters Thomas Gedemer auf. Der äußerte sich in seiner Antrittsrede deutlich und mit klaren Positionen, in einem immer freundlich gehaltenen Ton.

"Nicht gegenseitig blockieren, sondern kooperieren", macht der neue Rathauschef nach seiner Verpflichtung durch den ersten Bürgermeisterstellvertreter Clemens Schätzle deutlich, worauf es ihm ankommt. Mit der Amtskette um den Hals betont er, dass es wichtig sei, "auch in kontroversen Diskussionen die eigenen Befindlichkeiten zum Wohl des großen Ganzen, der Stadt und der Ortsteile hinten anzustellen". Dabei sei es wichtig, die kontroversen Diskussionen auch zu führen, aber in diesen nicht zuerst das Trennende zu suchen. "Ich hoffe und wünsche, dass wir nicht Gefahr laufen, aus Prinzip das Gegenteil zu behaupten oder eine Sache zu blockieren, nur weil es eine bestimmte Person gesagt hat oder weil es nicht meine Idee ist", richtete er sich an die Bürger, explizit aber auch an die Gemeinderäte.

Es brauche den offenen und fairen Austausch, um optimale Lösungen zu finden. Für ihn seien diejenigen Menschen, die anders denken und leben, die "Interessantesten", denn diese würden ihm neue Ideen und Perspektiven eröffnen. Bürgerbeteiligung sei für ihn deshalb kein leeres Schlagwort, sondern "Grundprinzip gelebter Demokratie". Ziel sei nicht, Meinungen und Ansichten anderer zu teilen, Anspruch jedoch, diese zu verstehen. "Es gibt einen Unterschied zwischen Verstehen wollen und Verständnis haben", so der 45-Jährige. Von den Herbolzheimern wünsche er sich, dass diese "sich einbringen und mitgestalten, aber auch bereit sind, die andere Seite zu hören und Kompromisse mitzutragen".

Notwendig sei es, so Gedemer, frühzeitig Entwicklungen zu erkennen und Themen in ihrer Komplexität wahrzunehmen. "Migration und Flucht haben etwas mit unserem Lebensstil zu tun", nannte der neue Bürgermeister beispielhaft. Vehement sprach er sich zudem für eine ökosoziale Marktwirtschaft aus, "denn der Markt regelt eben nicht alles".

Zu Herbolzheim zurückkehrend betonte er, "ich bin nicht das Christkind, nicht der Weihnachtsmann". Alle Themen gleichzeitig anzupacken, sei nicht möglich. Er wisse um hohe Erwartungen. Bei all dem sei er auch auf die Unterstützung durch andere angewiesen. "Starten wir gemeinsam – mit Kopf, Herz und Hand gelingt uns ein konstruktives Miteinander", schloss Gedemer.

Guderjan: Ganze Menge gemeinsame Themen

"Eigentlich sollte ich Ihre Worte gerade so stehen lassen", zollte Matthias Guderjan seinem neuen Amtskollegen Respekt für dessen Antrittsrede. Der Kenzinger Bürgermeister erinnerte dann aber doch an "eine ganze Menge gemeinsame Themen, die eine interkommunale Zusammenarbeit geradezu nahe legen" und begrüßte Gedemer herzlich im Gemeindeverwaltungsverband. Zugleich erklärte er dem neuen Rathauschef, dass ein volles Haus in einer Gemeinderatssitzung, über das sich Gedemer erfreut zeigte, "nicht immer ein gutes Zeichen ist".

"Lieber wäre es mir gewesen, Thomas Gedemer hätte sich auf einen Rathaussessel in meinem Bürgermeistersprengel beworben", betonte Rainer Houck, Bürgermeister von Schefflenz, der Herkunftsgemeinde Gedemers. Er würdigte die Qualitäten Gedemers als Netzwerker, als einer, der die Menschen zusammenbringt. "Bürgermeister ist ein öffentliches Amt, er ist kein öffentliches Eigentum", bat er zugleich die Herbolzheimer, Thomas Gedemer auch zuzugestehen, Privatmensch zu sein.

"Er ist ein Mensch mit hoher kommunikativer Kompetenz, der, wenn es gefragt ist, auch diskret sein kann", betonte der katholische Pfarrer Stefan Meisert. Nicht zuletzt als Mitarbeiter der Diözese habe Gedemer diese Qualitäten unter Beweis gestellt. Bedauerlich sei, dass er als Sprecher des Gemeindeteams ausscheide. Er sei sich sicher, so Meisert, dass Gedemer alles tun werde, dass die Stadt für viele "Herbolz-Heimat" werde.