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13. März 2010

Idylle zwischen Reben und Wald

200 JAHRE STADT HERBOLZHEIM: Bleichheim ist mit 737 Hektar Gemarkungsfläche und 405 Hektar Wald ein großer Stadtteil.

  1. Blick auf den rund 750 Einwohner zählenden Herbolzheimer Stadtteil Bleichheim. Foto: Michael Haberer

HERBOLZHEIM-BLEICHHEIM. "Wir leben in einer herrlichen Ecke". So beschreibt Patrik Vetter, Ortsvorsteher von Bleichheim, die Lage seines Ortes. Das vom Bleichbach durchflossene Dorf zwischen Reben und Wald macht die Tallage am Ausgang der bewaldeten Buntsandsteinvorberge des Schwarzwaldes aus. Mit 737 Hektar Gemarkungsfläche und 405 Hektar Wald ist Bleichheim neben der Kernstadt der flächengrößte Stadtteil von Herbolzheim und hat den meisten Wald.

Bis ins letzte Jahrhundert hatte das Dorf auch mehr Einwohner als die anderen Bleichtalgemeinden. Doch inzwischen stagniert die Einwohnerzahl bei rund 750, so dass vormals kleinere Orte wie Tutschfelden schon aufgeschlossen haben. Es wurden zwar Baulücken geschlossen und historische Fachwerkbauten renoviert. Aber der Innerort sowie die am unteren und oberen Dorfende entstanden Neubaugebiete Oberbreite, Oberärmel und Unterbreite sind nahezu ausgereizt.

Der Ortschaftsrat hat inzwischen beschlossen, an der Forststraße einige neue Bauplätze zu erschließen. Denn die Einheimischen monierten, dass sie anderswo bauen und damit wegziehen müssten. Ein Versuchsballon sei dies, so Vetter. Viel Gewerbe im Dorf gibt es nicht, und die Grundversorgung ist auf eine Bäckerei- und eine Metzgereifiliale begrenzt.

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Der Ort mit einer früher ansehnlichen Gastronomie an der durchziehenden Landesstraße hat keine Gaststätte mehr. Und dies, obwohl Bleichheim in einer für den Tourismus günstigen Lage angesiedelt ist. Vetter hofft, dass man den Tourismus im Ort beleben kann. Dafür gebe es im Ortschaftsrat auch schon einige Ideen, erklärt er. Die kulturelle Dynamik im Dorf zeigt sich vor allem bei Festen und Feiern, die von den kirchlichen Organisationen und den Vereinen auf die Beine gestellt werden. Das Wein- und Dorffest in der "Öligasse" und die Aktivitäten der Narrenzunft sind Höhepunkte im Dorfleben.

Neben der Kirche entstand schon vor Jahrzehnten die Kirnburghalle für Sport und Kultur. Später kamen ein Spielplatz und der katholische Kindergarten "St. Marien" hinzu. Teile der Hauptstraße und einige Seitenstraßen wurden kanalisiert und verkehrsberuhigend saniert. Ein kleiner Dorfplatz ist entstanden. Das Dorf hat sich zu einer Wohn- und Pendlergemeinde entwickelt.

Bleichheim war früher ein Bauern- und Handwerkerdorf. Die Sandsteinbrüche an den Berghängen lieferten den Steinhauern Arbeit und den Bauern einen Nebenverdienst durch den Transport der gebrochenen Steine. Im alten Dorfkern sind noch stattliche Gehöfte mit Fachwerk- oder Steinwohnbauten und traditionellen Wirtschaftsgebäuden erhalten geblieben. Scheunen und Stallungen, meist ohne Vieh, weisen auf die ehemalige Bedeutung der Landwirtschaft hin. Historische Strukturen, die sich in Gebäuden und Besitzverhältnissen niedergeschlagen haben, überdauerten Jahrhunderte.

Heute werden Acker- und Weinbau fast nur noch im Nebenerwerb betrieben. Beim Weinbau auf den rund 31 Hektar Reben ist inzwischen der Winzerkeller eingestiegen, um die guten Reblagen für den eigenen Bedarf zu erhalten, weil die Winzergenossenschaft an Nebenerwerbswinzern verliert.

Früher war der Bleichbach an mehreren Stellen aufgestaut. Über die Mühlbäche, die noch zum Teil vorhanden sind, wurden Wasserräder und später auch Turbinen betrieben. Bis auf die "Glöcklemühle" sind alle aufgegeben worden. Dagegen wirkt das Rückhaltebecken am Ausgang des Kirnbaches mächtig im Tal. Das obere Rückhaltebecken beim Aufstieg zum Streitberg ist schon Teil der Naturlandschaft geworden, wo der Spaziergang lohnt und die Alphornbläser an manchen Sonntagmorgen zu hören sind. Die Nähe zur Freiämter Freizeitanlage auf dem Rollberg ist kaum erschlossen.

Die ältesten Teile der Kirnburg stammen aus der Zeit der Staufer

Dabei hat Bleichheim einiges an kultureller Vergangenheit zu bieten, was teilweise auch mit Führungen genutzt wird. Auf der Südostseite des Dorfes erhebt sich über steilen Buntsandsteinfelsen die Ruine Kirnburg, die Ende des Hochmittelalters den Herren von Üsenberg als Residenz diente. Die ältesten Teile der Burg stammen aus der Zeit der Staufer. Bei Sanierungsarbeiten wurde die noch vorhandene, spärliche Bausubstanz gesichert.

Wertvolle Ofenkachelfunde und Reste von Tafelgeschirr illustrieren die Lebensweise und Wohnkultur der Zeit des 13. bis 16. Jahrhunderts. Die Fundstücke sind im Heimatmuseum Bleichheim ausgestellt. Das auf der anderen Seite des Dorfes an der Straße nach Broggingen liegende, ehemalige Kagenecksche Schlossgut mit Herrenhaus, Herrenmühle und Zehntscheuer erinnert an die Grafen von Kageneck, die von 1682 bis in die badische Zeit die Grundherrschaft über Bleichheim ausübten. Inzwischen haben Lord und Lady Bruntisfield das historische Anwesen für sich entdeckt und viel Geld in die Renovierung gesteckt.

Die katholische Pfarrkirche St. Hilarius wurde 1825 nach Plänen des großherzoglichen Baumeisters Christoph Arnold, eines Schülers Friedrich Weinbrenners, im klassizistischen Stil errichtet. Die alte romanische Kirche stand in der Mitte des heutigen Friedhofes, neben dem Pfarrhof, der mit seinem Grundbesitz auf den mittelalterlichen Herrenhof hinweist. Bodenfunde belegen eine Besiedelung in der Römerzeit wie auch eine frühgeschichtliche Besiedelung der Anhöhe zwischen Bleichheim und Broggingen.

Autor: Michael Haberer