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31. März 2017 22:37 Uhr

Herbolzheim/Kenzingen

Ist ICE-Verkehr mit Tempo 250 wirklich notwendig?

Gemeinden und Bürgerinitiativen an der Bestandsstrecke der Rheintalbahn kämpfen weiter gegen die Pläne für deren Ausbau. Herbolzheim und Kenzingen beteiligen sich jetzt an einem Gutachten.

  1. Die Gemeinden entlang der Rheintalbahn wehren sich. Foto: Frank Kiefer

Gemeinden und Bürgerinitiativen an der Bestandsstrecke der Rheintalbahn kämpfen weiter gegen die Pläne für deren Ausbau. Bürgermeister Ernst Schilling kündigte am Donnerstag im Gemeinderat an, dass sich die Gemeinden hier im Norden, wahrscheinlich bis Lahr, mit Müllheim und Auggen sowie der IG Bohr zusammentun, um ein Gutachten zu finanzieren, ob Tempo 250 überhaupt nötig und möglich auf dieser Strecke ist. Auch Kenzingen macht mit. Das Verkehrsministerium des Landes hält die Bahnplanung für notwendig.

Die BI Bürgerprotest Bahn hatte schon in ihrer jüngsten Jahresversammlung in Herbolzheim deutlich gemacht, für wie wichtig sie den Widerstand gegen die Tempo-Vorgaben der Bahn für den ICE halte. Da dieser mit Tempo 250 auch durch die Bahnhöfe braust, braucht es zwei neue Gleise an der Bestandsstrecke, denn der ICE in diesem Tempo darf nicht am Bahnsteig für Ein- und Ausstieg vorbeibrausen. Für südliche Ortenau und nördlichen Breisgau heißt das, dass von Orschweier bis Kenzingen zwei durchgehende Überholgleise gebaut werden. Damit bekäme Herbolzheim vielleicht doch noch die sieben Meter hohen Lärmschutzwände durch den Ort, die man mit der Verlegung der Güterzugtrasse an die Autobahn verhindert glaubte.

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Gemeinden und Bürgerinitiative finanzieren Gutachten gemeinsam

Auch im Markgräflerland wehrt man sich wegen des Lärms gegen die 250 Stundenkilometer des ICE. Bürgermeister Ernst Schilling kündigte an, dass sich auch Gemeinden im Breisgau und der Ortenau, wahrscheinlich bis Lahr, mit Müllheim und Auggen sowie der IG Bohr zusammentun, um ein Gutachten zu finanzieren. Es soll klären, ob Tempo 250 nötig und möglich ist auf dieser Strecke. Das Gutachten werde rund 50 000 Euro kosten, so Schilling. Man brauche es, um politisch aktiv werden zu können.

Die Stadt Kenzingen ist dabei, wie Bürgermeister Matthias Guderjan am Donnerstag im Kenzinger Gemeinderat informierte. Den finanziellen Anteil der Stadt Kenzingen bezifferte er auf 5000 Euro. "Wir wollen uns im Verbund mit den Bürgerinitiativen positionieren, dass Überholgleise zwischen Riegel und Orschweier überflüssig werden", so Guderjan.

Die Bürgerinitiative hätte nach Schillings Einschätzung noch andere Möglichkeiten, sich zu wehren. Immerhin könne die Bahn und damit der Steuerzahler rund 400 Millionen Euro sparen, wenn die Überholgleise nicht gebaut und die Bestandsstrecke auf Tempo 250 Sachen getrimmt werden müssen. Deshalb solle die BI doch mal beim Steuerzahlerbund und Rechnungshof nachhaken.

Markgräflerland: Treffen mit Vertretern der Bahn

Im Markgräflerland ist man mit der Forderung nach einem langsameren ICE bereits weiter. Dort hat ein Bürgerbündnis langsamere und leisere Schnellzüge für den Ausbauabschnitt Müllheim-Auggen gefordert und sich mit Vertretern der Bahn getroffen. Dazu nimmt Verkehrsminister Winfried Hermann auf der Internet-Seite seines Ministeriums Stellung.

Demnach müssen die ICE bis zu 250 Stundenkilometer fahren, um in 90 Minuten von Karlsruhe nach Basel zu kommen. Nur so könne der Takt auf der gesamten Strecke um eine halbe Stunde verkürzt werden. Das Verkehrsministerium beruft sich dabei auf den Projektbeirat, der für den Ausbau der Rheintalbahn gebildet wurde, um die Proteste aus der Region gegen die ursprünglichen Bahnpläne zu kanalisieren: "Die Verbesserungen beim Ausbau der Rheintalbahn sind im Projektbeirat einstimmig unter Einbeziehung der Vertreterinnen und Vertreter der Region und der Bürgerinitiativen beschlossen worden. Damit konnten zentrale Forderungen aus der Region erfüllt werden." Die Hauptlärmquelle sei der Güterverkehr und dieser werde mit den neuen Zügen deutlich leiser, so der Minister.

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Autor: Michael Haberer und Ilona Hüge