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12. März 2010
"Je mehr wir sind, desto größer sind unsere Erfolgschancen"
Albrecht Künstle löst Uwe Haller als neues Vorstandsmitglied in der Initiative Bürgerprotest Bahn ab / Für rechtliche Auseinandersetzung finanziell gerüstet.
HERBOLZHEIM. Albrecht Künstle ist neues Mitglied im sechsköpfigen Vorstandsteam der "Bürgerinitiative Bürgerprotest Bahn" (BI). Der 59-jährige Herbolzheimer wurde bei der Jahreshauptversammlung am Mittwochabend einstimmig zum Nachfolger von Uwe Haller gewählt – dieser legte sein Amt nach drei Jahren nieder. "Mit intensivem bürgerschaftlichem Engagement kann man viel erreichen", bilanzierte Haller. "Aber solch ein Einsatz ist für normale Berufstätige nicht zu schaffen."
Bereits im vergangenen Jahr hatte Albrecht Künstle mit dieser Begründung das Vorstandsteam verlassen und sich auf den Posten eines Beisitzers zurückgezogen. "Ich war damals noch voll berufstätig. Jetzt kann ich mich zeitlich stärker einbringen", so Künstle. Der Vorstand besteht nun neben Künstle aus den gleichberechtigten Mitgliedern Georg Binkert, Stephan Hofstetter, Gerd Kammers, Herbert Walter und Gerold Bey.
Laut Satzung kann die BI-Spitze mehrere Mitglieder als Beisitzer zu ihren Vorstandssitzungen hinzuziehen – mit selbem Stimmrecht. "Wir sind für jede zusätzliche Kraft dankbar", sagt Gerd Kammers. Die Arbeitsbelastung scheint enorm zu sein: Sowohl im Vorstandsteam der BI Kenzingen/Herbolzheim als auch in der Chefetage der Interessengemeinschaft Bahnprotest am Oberrhein (IG Bohr) erlitten mehrere Mitglieder in den letzten Jahren Hörstürze. Wie diese entstehen, ist nicht geklärt – Stress scheint dabei jedoch eine nicht unwesentliche Rolle zu spielen.
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Auch im vergangenen Jahr gab es jede Menge zu tun. Bei einer Großdemonstration gegen die Bahn-Pläne in Freiburg zeigte die BI ebenso Präsenz wie beim Nacherörterungstermin in der Breisgauhalle und bei nächtlichen Warnfeuern entlang der Bahnschienen. "Mit solchen Aktionen erhöhen wir den Druck auf die Politik", kommentierte Pressesprecher Stephan Hofstetter. "Nur so können wir die Suppe am Kochen halten." Er blickte auf ein Jahr mit vielen öffentlichkeitswirksamen Aktionen zurück. "Fast an jedem dritten Tag", sagte er, "stand etwas über uns in der Zeitung. Mit den Warnfeuern haben wir das Sommerloch gefüllt."
Die Kasse füllt sich weiter. Die BI erwirtschaftete im Jahr 2009 einen Überschuss von 3000 Euro und kommt nun auf ein Guthaben von 23 000 Euro. Wichtigster Posten sind laut Kassenwart Gerd Kammers die Mitgliedsbeiträge in Höhe von 12 700 Euro. An Spenden kamen 1900 Euro zusammen – darunter fällt auch eine Großspende in Höhe von 1000 Euro. "Wir sind gerüstet, um einen Rechtsstreit mit der Bahn auszutragen", so Kammers. Dessen Kosten von mehreren hunderttausend Euro würden nämlich auf die Schultern mehrerer Bürgerinitiativen verteilt werden.
Uwe Haller appellierte an die vom Bahnausbau betroffenen Bürger, sich mehr in Sachen Protest zu engagieren. "Je mehr wir sind, desto größer sind unsere Erfolgschancen und desto weniger werden die Aktiven zerrieben." Er wurde mit vielen Worten des Dankes verabschiedet, wird sich aber weiterhin in der BI engagieren. "Wer selbst berufstätig ist, weiß, welche Hochachtung die Menschen verdienen, die uns in der BI vertreten", kommentierte Gemeinderätin Doris Daute – Bürgermeister Ernst Schilling und sein Stellvertreter Richard Stubert waren verhindert. "Uwe Haller war einer unserer eifrigsten Mitdiskutanten", sagte IG-Bohr-Sprecher Roland Diehl.
Als neue Beisitzer wurden Andreas Binkert und Hannes Schmidt vorgeschlagen. Beisitzer werden in der BI vom Vorstand ernannt. Schmidt war sogar als neues Mitglied für diesen vorgeschlagen worden, zog seine Bereitschaft später jedoch wieder zurück. "Wir brauchen jetzt keine Kampfwahl machen", sagte er, "ich hab auch nicht die zeitlichen Ressourcen, die der Albrecht hat."
Autor: Patrik Müller
