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02. Februar 2009 14:17 Uhr

Sperrgebiet Kahlenberg

Leben mit dem Loch im Berg

Knapp vier Hektar Land auf dem Herbolzheimer Kahlenberg sind inzwischen Sperrgebiet. Alles nur, weil vor fast genau einem Jahr ein mindestens 40 Jahre alter Bergwerksstollen einbrach und ein Loch bis an die Oberfläche des Berges riss.

  1. Das Loch im Kahlenberg aus der Vogelperspektive. Foto: Polizei

Die Herbolzheimer leben mittlerweile gut mit dem Sperrgebiet auf dem Kahlenberg. Sie fügen sich den Kräften der Natur. Nur die Frage nach neuen Zufahrtsmöglichkeiten ist noch nicht ausdiskutiert. Die alte Steigstraße braucht eine neue Trasse.

Es heißt mittlerweile nur noch "das Loch". Und "das Loch", so sagt Gerhard Hechinger, Vorsitzender der Winzergenossenschaft Herbolzheim, kommt auch nach bald einem Jahr immer wieder in seinen Gesprächen mit Winzerkollegen und Einwohnern auf. "Das Loch" entstand vor bald genau einem Jahr, es muss um den 13. Februar 2008 gewesen sein. Es begann als ungewöhnliche Entdeckung eines Fußgängers und hatte weitreichende Folgen. Herbolzheims Winzer verloren wichtige Reblagen,die Stadt und ihre Bevölkerung ein geschätztes Naherholungsgebiet. Knapp vier Hektar Land, oben auf dem Herbolzheimer Kahlenberg, sind seither Sperrgebiet. Alles nur, weil ein mindestens 40 Jahre alter Bergwerksstollen einbrach und ein Loch bis an die Oberfläche des Berges riss.

"Anfänglich waren es sehr steile Wände, mittlerweile hat sich das Loch teilweise selbst verfüllt und die Kanten sind flacher geworden", erklärt Axel Brasse, Direktor der Landesbergdirektion Freiburg, den aktuellen Zustand des so genannten Tagesbruchs. Eine Gefahr für Leib und Leben bestehe vor Ort weiterhin, unterstreicht Brasse. Schließlich sei das Füllmaterial locker und Nachbrüche seien im Sperrbereich jederzeit möglich. Für das Regierungspräsidium Freiburg, das im Juni 2008 die endgültige Sperrung verfügte, gab es keine Alternative.

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Damit war das Problem längst nicht gelöst. Die Sperrung brachte vielmehr neue Fragen auf den Tisch und ließ Emotionen hochkochen. Neben dem reinen Sachwert der Grundstücke hing viel Herzblut der Herbolzheimer an ihrem Hausberg. Es gab ein viel diskutiertes, am Ende jedoch erstaunlich schnell abgeschlossenes Entschädigungsverfahren für Grundstückseigentümer. Der Zweckverband Abfallbeseitigung Kahlenberg (ZAK), Rechtsnachfolger des alten Bergwerks, musste Grundstücke aufkaufen. Das Verfahren ist mittlerweile, bis auf ein oder zwei Unwillige, die den Klageweg beschreiten wollen, abgeschlossen. Stadt und Abfallverband sorgten im Eilverfahren für neue Zufahrten zu einigen abgetrennten Grundstücken während zeitgleich ein Sperrzaun um das Gebiet errichtet wurde. "Heute hat sich die Lage wieder beruhigt", sagt Herbolzheims Bürgermeister Ernst Schilling.

Das sieht nicht jeder so. Zwar sagt auch Winzer Hechinger, dass mittlerweile ein nüchterner Blick auf die Ereignisse vorherrsche, aber "wir müssen ja auf den Berg kommen". Die Frage um einen neuen Hauptzugangsweg ist noch ungelöst. Die Steigstraße, einst die wichtigste Gipfelstrecke, liegt mitten im Sperrgebiet. Winzer und Erholungssuchende müssen seither lange Umwege in Kauf nehmen, um an Grundstücke und Ziele jenseits der Umzäunung zu kommen.

Gemeinsame Planung für neue Trasse über den Berg

Daher hat die Stadt Herbolzheim nun in Zusammenarbeit mit dem ZAK weitere Grundstücke aufgekauft und eine neue Trasse über den Berg geplant. Das ist keine leichte Aufgabe, denn das hügelige Gelände mit dem brisanten Bergwerk im Innern macht Straßenbau zu einer anspruchsvollen Angelegenheit. Sowohl Schilling als auch ZAK-Deponieleiter Georg Gibis nehmen dennoch an, dass die Strecke spätestens im Herbst steht. "Die Menschen haben ein Recht, dass ein Weg erstellt wird", betont Schilling. Man werde bald die Planungen veröffentlichen und hoffe auf Stellungnahmen aus der Bevölkerung. Was der Weg letztlich kosten könne, will Schilling lieber nicht sagen. Gibis wagt hingegen vorsichtige Schätzungen: "Es geht um eine Größenordnung von einer Million Euro". Die müssen unter Stadt und ZAK aufgeteilt werden.

Autor: Hagen Schönherr