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20. Mai 2017

Mehr Ökologie in Wald mit geringen Eingriffen

Umweltausschuss der Stadt Herbolzheim tagte am Donnerstag.

HERBOLZHEIM. Am Donnerstag tagte der Umweltausschuss. Dabei wurden verschiedene Themen angeschnitten. Ausschussmitglied Hans-Jörg Haas machte sich Sorgen um eine Eiche in seiner Nachbarschaft. Sie steht am Gelände, wo derzeit das neue Feuerwehrgerätehaus Bleichheim/Broggingen gebaut wird. Den bestehenden Wirtschaftsweg hat man zur Ausfahrt für die Laster gemacht. Die fahren damit über das Wurzelwerk der Eiche und Haas befürchtete, dass durch die Bodenverdichtung der Baum nach und nach leiden werde. Bauamtschef Jürgen Rauer erklärte, nach den Bauarbeiten werde der Boden wieder aufgelockert. Außerdem hielt er die Belastung für nicht so gravierend. Das Gewicht auf den einzelnen Rädern sei sicher nicht höher als das auf die Räder der Traktoren, die hier immer wieder auf das Erdreich drücken. Da man eine Baustellenausfahrt brauche und diese als Zufahrt zur Kreisstraße neu anzulegen nicht so einfach sei, habe man sich für den bestehenden Wirtschaftsweg entschieden, so Rauer.

Cornelia Köhler bemängelte, wie zugewachsen manche Grundstücke auf dem Herbolzheimer Berg seien. Bürgermeister Ernst Schilling brachte dazu weitere Beispiele aus dem Bleichtal und meinte, bei Weinwanderungen und Tourismus machten solche Gelände einen schlechten Eindruck. Außerdem widerspreche es der Offenhaltung der Landschaft, wenn über Jahre das Grundstück verbuscht. Grundsätzlich sei eine Mahd im Jahr vorgeschrieben. Wer ein verwildertes Grundstück sehe, solle es fotografieren und das Foto ins Rathaus schicken. Im Spätsommer würden die Eigentümer dann eine Ermahnung bekommen mit der Aussicht, dass die Stadt selbst gebührenpflichtig eingreift. Da das Ordnungsamt nun wieder stärker besetzt sei, habe man auch Kapazität, solchen Fällen nachzugehen. Schilling wies auf das Angebot der Stadt hin, solche Grundstücke zu kaufen.

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Eine Methode, mehr Ökologie in den Wald zu bringen, ist die Umwandlung von Wegerändern. 40 Kilometer Wirtschaftswege im Wald hat die Stadt und auf 2,5 Kilometer davon wurden die Wege- oder Waldränder so verändert, dass sie nicht mehr wie die Grenze von Wirtschaftswald und dazu gehöriger Infrastruktur aussehen. Darüber berichtete Förster Christian Funke. Verändert wurden ein Waldweg am Palmenkopf und einer im Bürgerwald, zu dem man von der Hammerschmiede aus hochkommt. Mit dem Biologen Alfred Winski zusammen habe man sich Gedanken gemacht, wie man viel Ökologie mit geringen Eingriffen hinbekomme, so Funke. Das Ergebnis ist einmal, dass die Wirtschaftsbäume wie Fichte und Douglasie in einem etwa 20 Meter breiten Saum gefällt wurden. Dann wurden Sträucher gepflanzt. "Alles, was das Strauchbuch hergibt", sagte Funke. Geschützt wurden die Setzlinge mit Röhren und Netzen. Damit sollen die Rehe vom Knabbern abgehalten werden, damit nicht am Ende nur Bonsai-Bäumchen dastünden, meinte Funke.

Lehrbienenstand inmitten einer Blühwiese

An anderer Stelle wurde zusammen mit Imkern ein Lehrbienenstand eingerichtet und darum herum eine Blühwiese angelegt, um auch den Richtlinien des Naturparks Südschwarzwald zu erfüllen. Mit Blick auf die Mode, in den Städten Rabatte zu Bienenweiden zu erklären, fand Funke, Herbolzheim mache da etwas Ordentliches. Ökopunkte gibt’s dafür auch noch.

Eine weitere Öko-Baustelle sind die Trockenmauern am Hüttenbühl. Bauamtschef Rauer erklärte, wie schwer es ist, die richtigen Steine für die Trockenmauern zu finden. Der für den Standort typische Stein in gelblichem Ton sei schwer zu bekommen. Nun habe man 35 Kubikmeter von der Deponie Kahlenberg erhalten, die jetzt aufgesetzt werden. Damit beauftragt wurde die gleiche Firma, mit der es beim ersten Anlauf schief ging. Die Mauer war wieder zusammengebrochen. Doch die Firma habe anstandslos nachgebessert und aus dem Fehler gelernt, meinte Schilling.

Autor: Michael Haberer