Mehrheit will Versuch mit einem Dorftreff wagen

Ilona Hüge

Von Ilona Hüge

Fr, 19. Oktober 2018

Herbolzheim

Bürgerversammlung in Wagenstadt zur zukünftigen Nutzung des ZG-Raiffeisenmarkts / Nur sieben Teilnehmer räumen einem Dorftreff keine Chance ein.

HERBOLZHEIM-WAGENSTADT. Die Bürgerversammlung zur zukünftigen Nutzung des ZG-Raiffeisenmarkts nach dessen Schließung zum Jahresende stieß auf große Resonanz. 140 Einwohner aus Wagenstadt kamen am Mittwochabend in die Halle. Gefragt waren Ideen und Anregungen – und es gab ein erstes Abklopfen in der Frage, ob vor Ort Bereitschaft zum ehrenamtlichen Engagement besteht.

Die Kernfrage des Abends war eindeutig: "Gibt es genügend Energie, dass etwas entsteht, oder lassen wir es?" Bürgermeister Thomas Gedemer wollte die Chance nicht verstreichen lassen, dass für den Platz des bisherigen ZG-Raiffeisenmarkts über eine Anschlusslösung gesprochen wird. Die Mehrheit der Anwesenden entschied sich für den Versuch, einen Dorftreff/Dorfladen zu wagen. Sieben Teilnehmer räumten dem Vorhaben keine Chance ein, mehr als doppelt so viele erklärten noch am Abend ihre Bereitschaft zum Mitmachen. Anregungen, wie so ein Dorftreff/Dorfladen aussehen könnte, gab es von Stefan Wortmann. Er arbeitet in der Gemeinde Hiltensweiler (Raum Tettnang) seit einigen Jahren in so einem Projekt mit. Wortmann brachte Bilder mit, wie im Ort ein leerstehendes Kindergartengebäude zum Dorftreff mit Laden, Veranstaltungsraum, zwei Cafés und einem Spielplatz im Außenbereich wurde. Der Laden gehört 141 Leuten: Es gehe nicht um den Gewinn, es gehe "um das gute Lebensgefühl" und die Gemeinschaft, sagte Wortmann. "Lassen Sie die Chance nicht an sich vorbeiziehen", empfahl er.

Im Anschluss an den Kurzvortrag mit Bildern wurden mit Pfarrer Oliver Wehrstein als Moderator intensiv vier Fragen diskutiert. Fänden Sie es gut, wenn aus dem ehemaligen ZG-Markt ein Dorftreff/Dorfladen wird? Das beantwortete die Mehrheit mit einem Ja. Welche konkreten Ideen gibt es für Wagenstadt, und gibt es weitere Anregungen, was entstehen könnte? Diese Fragen beantworteten die Bürger nach einer Runde intensiver Gruppenarbeit mit einer Fülle von Ideen. Sie wünschten sich einen täglichen Treffpunkt für alle Altersklassen, ein Café mit Talentbörse oder Repair-Café, einen Laden mit regionalen Produkten und Angebote für Senioren. Der Dorftreff könnte Post- und Paketannahme haben, eine Stelle für Secondhand-Waren und Büchertausch sein, einen Raum für Familienfeiern, kleine Veranstaltungen und Kurse bieten, zum Beispiel als Koch-, Sing- und Jugendtreff genutzt werden und Inklusions-Arbeitsplätze bieten. Der Platz könnte aber auch als Handwerker-Haus oder als Eventhalle genutzt werden, von einem neuen Händler mit einem neuen Konzept oder nach Abriss mit einem neuen Mehrgenerationenhaus und einem Bistro. Als kritisch wurde die Nähe zur Konkurrenz der Vollsortimenter in Herbolzheim und Kenzingen gesehen, aber auch der Lärmpegel für die Nachbarschaft, die Parksituation und die Kosten eines solchen Projekts.

"Ich bin überrascht und überwältigt, welcher Andrang bei der Bürgerversammlung herrschte, sagte Ortsvorsteher Thomas Hofstetter und dankte allen Anwesenden fürs "Erscheinen und Mitwirken".