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19. Mai 2017

Neuer Hammer für alte Schmiede

Jubiläumsfest zum 150. Jubiläum der Hammerschmiede im Bleichtal am Pfingstwochenende / "Karl der Große" feiert Premiere.

  1. Mit viel Herzblut bemühen sich Uwe Feißt und die Schmiedezunft um den Erhalt der Hammerschmiede im Bleichtal. An Pfingsten werden 150 Jubiläum Hammerschmiede und 22 Jahre Schmiedezunft gefeiert. Foto: Michael Haberer

BLEICHTAL. Die Hammerschmiede der Muckenmühle wird 150 Jahre alt. Das unscheinbare Gebäude am Ausgang eines kleinen Seitentales im Bleichtal ist eine museale Besonderheit, die auch noch funktioniert. Die Schmiedezunft hat die Hammerschmiede zu ihrem Domizil erklärt, wo sie das Andenken an ihren untergegangenen Berufsstand bewahren. Am Pfingstwochenende feiern sie drei Tage lang die historische Schmiede und das Andenken an ihren Beruf.

Pflege für ein Denkmal
Seit Langem sind die Hobbyschmiede um Inhaber Uwe Feißt und Zunftmeister Wolfgang Vossler dabei, die Hammerschmiede für das Jubiläum fit zu machen. Sie haben Reifen und Geländer geschmiedet, um das Denkmal an Pfingsten so dastehen zu lassen, wie es nun aussieht. Berufsschullehrer Feißt ist der Erbe der Hammerschmiede, die vor 150 Jahren als Teil der Muckenmühle gebaut wurde. Seit 40 Jahren bemüht sich Feißt, die Schmiede am Leben zu erhalten. Seit geraumer Zeit geht ihm die vor 22 Jahren gegründete Schmiedezunft, ein Verein aus Fans dieses alten Handwerks, zur Hand. Die Schmiedezunft hat die Hammerschmiede zu ihrer eigenen Sache erklärt.

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Bei den Vorbereitungen zum Fest, wie auch beim Instandhalten und der Reaktivierung von Teilen der Schmiede braucht es neben Sachverstand auch Erfindungsgeist. Die Zunftmitglieder, von denen alle unter 70 Jahren scherzhaft als "Jungschmiede" bezeichnet werden, müssen sich immer wieder fragen, wie es funktionieren könnte, was da über ihre Mühlenräder und Transmissionsriemen angetrieben wird. Diese Frage drängte zuletzt bei "Karl der Große", der am Pfingstsonntag eingeweiht werden soll.

Pläne für dritten Hammer
In den Plänen für die Hammerschmiede hat Feißt das Vorhaben gefunden, einen dritten Schwanzhammer zu installieren. Die Schwanzhämmer, die angetrieben von der Wasserkraft, über Mühlrad und Eichenwelle weitergegeben, auf die Ambosse und das Metall dazwischen einschlagen, sind das Markenzeichen der Hammerschmiede, die der damalige Muckenmüller für seinen Sohn baute. Mit den Schwanzhämmern wird ein Schlag auf das glühende Eisen erzeugt, zu dem menschliche Muskelkraft nicht ausreicht. Inzwischen hat die Zunft auch einen historischen Federhammer gefunden, den sie als Schaustück im Schmiedekeller aufgestellt haben.

Nun hatte die Zunft die Absicht, einen dritten Hammer einzubauen. Er erhielt den Namen "Karl der Große", weil er vom Zunftmitglied Karl Schweizer aus Bleibach gespendet wurde. Schweizer hatte den Hammer vor dem Verschrotten gerettet. Für den eisernen Karl mussten die Hobbyschmiede, viele von ihnen Metaller, tüfteln, weil es praktisch keine Vorbilder gibt und das Hammerwerk auch funktionieren soll. Sie betreiben zwar eine mit Geldern vom Land und von Kenzingen sanierte historische Schaumühle. Aber anders als bei vielen Museumsmühlen funktioniere das ganze historische Hammerwerk mit drei Wasserrädern, Transmission, Schwanzhammer, Gebläse und Mühlstein, erklärt Feißt.

Lebendiges Handwerk
So bekommen die Besucher an Mühlentagen und bei Führungen, jetzt aber in großem Stil an Pfingsten, lebendiges Handwerk zu sehen. Die Schmiede im Bleichtal können also immer noch die "Feißt’schen Handgeräte" herstellen, für die die Mühle bekannt war und die bis 1967 hier gefertigt wurden. Zu den Hauptprodukten zählten die Hacken, mit denen man früher in den Reben und Gärten das Unkraut bekämpft hat. Mit dem Aufkommen der Herbizide sei diese Nachfrage eingebrochen, was zum Ende gerade solcher kleinen Schmieden beitrug, berichtet Feißt. Bei Hammer Karl habe sich schnell gezeigt, dass außer dem Bär, also dem Hammerkopf, nichts mehr zu gebrauchen war, sagt Feißt. So haben man zwei Jahre lang Metallteile wie Beschläge geschmiedet, um den Bär an einem neuen Schwanz und diesen an der Eichenwelle zu befestigen.

Die Geschichte der Schmiede
Zu den Vorarbeiten für das Jubiläum gehört auch, die Geschichte von Hammerschmiede und Muckenmühle aufzubereiten. Sie stehen in einem ausgesprochenen Mühlental. Reinhold Hämmerle ist bei seinen Recherchen auf 15 Mühlen gekommen, die früher am Bleichbach und seinen Nebenbächen betrieben wurden. Diese Wasserläufe erscheinen zwar gerade in trockenen Zeiten recht mickrig. Doch die großen Rückhaltebecken, die man als Querriegel eingezogen hat, lassen die Kraft erahnen, die die Bäche bei Hochwasser entwickeln können. Von den Mühlen sind die Glöckle-Mühle als Getreidemühle und die Hammerschmiede noch funktionsfähig. Von anderen Schmieden existieren teils nur noch die Flurnamen.

Das Jubiläumsprogramm
Drei Tage dauert das Jubiläumsfest an Pfingsten. Am Samstag, 3. Juni, ist um 16.30 Uhr offizieller Festbeginn. Am Sonntag geht es um 10 Uhr los, einschließlich der Einweihung des neuen Schmiedehammers "Karl der Große". Präsentiert werden die Hammerschmiede, Handwerkerstraße, Steinbildhauerin und Feuermachen wie im Mittelalter. Ab 14 Uhr gibt es Schleifen, Holzmachen, Ponyreiten und Kinderschmieden. Am Montag, dem 20. Deutschen Mühlentag, ist um elf Uhr Frühschoppen und Konzert der Bauernkapelle Ottoschwanden angesagt. Am Nachmittag wird das Sonntagsangebot noch durch Kettensägekunst erweitert. Zum Angebot gehören Speis und Trank – vom Schweinehals bis zum Bauernhof-Eis. Für den Pfingstmontag ist von Freiamt und Kenzingen/Herbolzheim aus ein Shuttle eingerichtet.

Mehr Infos auch online unter http://schmiedezunft-em.de.

Autor: Michael Haberer