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03. Februar 2014

Pferdezucht und Westernreiten

Die Verlegerin Claudia Simon erläutert der BZ ihr Konzept für die geplante Reitsportanlage / Heute Infoveranstaltung im Rathaus.

  1. Nördlich von Sportplatz und Schützenareal (rechts im Hintergrund) soll das künftige Reiterhof-Areal beginnen und sich über rund zehn Hektar nach Norden erstrecken. Der Feldweg nach links verläuft etwa durch die Mitte der gesamten Fläche. Foto: Thilo Bergmann

  2. Claudia Simon mit einem Westernreiter aus Bronze. Foto: Siegfried Gollrad

HERBOLZHEIM. Die Freiburger Verlegerin Claudia Simon möchte auf einer Fläche von rund zehn Hektar nördlich des Herbolzheimer Sportplatzes an der Umgehungsstraße nach Ringsheim eine Reitsportanlage errichten. Im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens lädt die Stadt am heutigen Montag um 18 Uhr zu einer Info-Veranstaltung in den Bürgersaal des Rathauses ein. Im Vorfeld hat sich die BZ mit Claudia Simon über ihr Konzept unterhalten.

Die Investorin
Claudia Simon (47) ist Geschäftsführerin der Simon Druck GmbH und Co. KG und der Steinhart & Simon Verwaltungs-GmbH mit Sitz in Freiburg. Sie ist verheiratet, Mutter von drei Kindern und kandidiert auf der Liste von Bündnis 90/Die Grünen erneut für den Freiburger Gemeinderat, dem sie vor längerer Zeit bereits eine Wahlperiode angehört hat. Ihre Liebe zum Reitsport entdeckte sie im Alter von 12 Jahren. Herbolzheim ist ihr vertraut: Viele Jahre lang ritt sie auf der Red Rock Ranch von Dieter Hämmerle.

17 Pferde besitzt sie mittlerweile, verteilt auf Ställe in Buggingen, Balingen (Zollernalbkreis), in den USA und in Frankreich. Im "Reining", einer speziellen Form des Westernreitens, der sie sich verschrieben hat, hat sie mit ihren Jungpferden zuletzt beachtliche Erfolge erzielt. Vom Reitsport sind auch ihre Kinder begeistert. "Meine 19-jährige Tochter, die seit acht Jahren reitet, möchte das mal beruflich machen", sagt Claudia Simon. Um ihre Aktivitäten zu bündeln hat sie über die Freiburger Wirtschaftsförderung nach einem geeigneten Gelände gesucht und ist dabei auf Herbolzheim gestoßen, wo sie sich wie daheim fühlt.

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Der Planungsstand
Nach einem Vorgespräch mit Bürgermeister Ernst Schilling erhielt Claudia Simon die Gelegenheit, ihr Konzept dem Gemeinderat in nichtöffentlicher Sitzung vorzustellen und stieß auf überwiegend positive Resonanz. Der Gemeinderat beschloss im Dezember, eine rund zehn Hektar große Fläche nördlich des Sportplatzes und westlich der Umgehungsstraße zu überplanen und als Sondergebiet Reitsportanlage "Neues Stockfeld" auszuweisen. Gleichzeitig soll der Flächennutzungsplan geändert werden, denn bisher ist das von der Stadt zur Bewirtschaftung verpachtete Gelände als Grünfläche für Sport und Freizeit definiert. Öffentliche Kritik am großen Flächenverbrauch der Stadt in den vergangene Jahren wurde in diesem Zusammenhang von Mitgliedern der Grünen laut, die dem Gemeinderat bisher nicht angehören.

Was soll gebaut werden?
Claudia Simon möchte eine Fläche von 10,5 Hektar in Anspruch nehmen, wobei sie nicht alles kaufen müsse, sondern einen Teil auch pachten würde. Vertragliche Vereinbarungen hat sie mit der Stadt noch nicht geschlossen. Auch gibt es noch keinen konkreten Planentwurf ihres Architekten. Beabsichtigt sei, eine Fläche von 4000 bis 5000 Quadratmeter zu überbauen. Zu einer mindestens 60 mal 30 Meter großen Reithalle sollen 40 Pferdeboxen mit jeweils einem kleineren Auslauf sowie Wohnraum hinzukommen. "Es müssen immer mindestens zwei Leute da sein, die sich um die Pferde kümmern, beispielsweise wenn nachts ein Fohlen zur Welt kommt", sagt Claudia Simon. Ihren geplanten Mitarbeiterstab beziffert sie auf vier bis fünf, die Summe, die sie in das Projekt investieren will, auf rund 1,3 Millionen Euro. Sie wolle ohne Flächenversiegelung (Bodenplatten) auskommen und beim Bau Naturmaterialien verwenden.

Das Betriebskonzept
Claudia Simon will sich auf Reining spezialisieren, eine Form der Dressur des Westernreitens (siehe Stichwort), die in Baden-Württemberg noch wenig bekannt ist. Ihr schwebe vor, in Herbolzheim einen Reining-Schwerpunkt in Südbaden aufzubauen. Weiter will sie die Grundausbildung für Pferde anbieten sowie Reitunterricht für Anfänger und Fortgeschrittene. Interessenten, die über kein eigenes Pferd verfügen, können auf den Pferden des Reiterhofes üben. Die Westernpferde seien schnell und beweglich, aber gelassen. Die bringe so schnell nicht aus der Ruhe. "Die Jugendförderung liegt mir besonders am Herzen", sagt die Verlegerin, die die Zucht von Pferden als weiteren wichtigen Bestandteil der Anlage nennt.

Sollte sich alles wunschgemäß entwickeln, wären in Herbolzheim auch regionale oder nationale Turniere denkbar. Auch möchte sie zusammen mit Reiter-Kollegen regelmäßig einen Tag der offenen Tür veranstalten, an dem die ganze Bandbreite des Westernreitens transparent werde. Dazu bräuchte sie allerdings auch die Unterstützung der Herbolzheimer. "Ohne Helfer aus Vereinen ist das nicht zu stemmen," sagt sie. Deshalb sei ihr sehr wichtig, die Reitsportanlage in möglichst großem Einvernehmen und mit der Akzeptanz der Bevölkerung zu realisieren.

Die weiteren Schritte
Claudia Simon hofft, dass die Planungen noch in diesem Jahr zum Abschluss gebracht werden können. Wann es zum Vertragsabschluss mit der Stadt komme, sei noch offen, ebenso der Termin für den Baubeginn. Jetzt müssen im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens erst einmal die Behörden und mögliche Einsprecher gehört werden. Abschließend betont Claudia Simon, dass sie an einer Zusammenarbeit mit örtlichen Landwirten sehr interessiert sei. "Ich bin auf eine enge Kooperation mit ihnen angewiesen", sagt sie, weil sie nicht nur Heu, Stroh und Hafer benötige, sondern auch Lohnunternehmer, die helfen, ihre Flächen zu pflegen.

STICHWORT: Reining

ist eine Disziplin im Westernreiten, eine Form der Dressur. Der Begriff wird abgeleitet vom englischen Wort für Zügel (reins). Im Regelwerk sind "Patterns" festgelegt, die zu absolvierenden Reitmanöver. Ursprünglich diente diese Reitweise früher in den USA zur Kontrolle der Rinderherden. Die Pferde der Cowboys mussten am losen Zügel schnell auf die Bewegungen einzelner, flüchtender Rinder reagieren, um sie zurückzutreiben. Zu den Reining-Patterns gehört der Zirkel: Zwei schnelle, große Zirkel und ein kleiner ruhiger Zirkel müssen im Galopp geritten werden. Weitere Manöver sind der Spin (360-Grad-Drehung auf der Hinterhand), das Roll back (180-Grad-Drehung), der Sliding Stop (Abbremsen aus vollem Galopp) das Rückwärtslaufen und Galoppwechsel. Das Reining stellt hohe Herausforderungen an den Körperbau des Pferdes. Besonders geeignet dafür sind die American Quarter Horse. Zugelassen für den Sport sind jedoch alle Pferderassen.  

Autor: BZ

Autor: Siegfried Gollrad