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21. Januar 2012

WOCHENSPIEGEL: Heile Welt

Bei Handel und Gewerbe in Herbolzheim war am Mittwoch Besuch. Er kam aus der Europa-Hauptstadt Brüssel und besichtigte die Kleinstadt, in der er am Abend einen Vortag halten sollte, mit Sachverstand. Als ehemaliger Kommunalpolitiker hatte Dr. Lothar Blatt von Raczeck, heute Repräsentant des Sparkassen- und Giroverbands, ein aufmerksames Auge. Nach Feierabend war er gerade am Rathaus, als er einen Herrn und eine Dame aus dem Gebäude kommen sah. Der Herr schloss hinter sich ab. Wenn hier die Welt in Ordnung ist, ist es der Bürgermeister, überlegte Blatt. Und in der Tat: Ernst Schilling verließ an diesem Mittwoch als Letzter den Arbeitsplatz. "In Herbolzheim ist die Welt in Ordnung, sagte Blatt daher am Abend – und "blitzsauber" fand er die Stadt noch dazu. Das hört man doch gerne.

Rasante Räte

"Bescheidenheit ist eine Zier..." lautet ein Sprichwort. Ein anderes beginnt mit "Reden ist Silber...". Ob Wyhls Kommunalpolitiker derlei Weisheiten zur Richtschnur ihrer Arbeit gemacht haben, wissen wir nicht. Ausgeschlossen erscheint es nicht, wenn man die meist wenig spektakuläre Arbeit von Verwaltung und Gemeinderat in der Rheingemeinde verfolgt. Da wird seit Jahren beharrlich an der Zukunft des Ortes gearbeitet – mit beachtlichen Summen und durchaus beeindruckenden Ergebnissen, aber ohne öffentliches Schaulaufen, sachlich, ruhig und kollegial. Dieser Arbeitsstil prägte auch die jüngste Ratssitzung, mit überraschenden Folgen für manchen. Revierleiter Axel Schulz wollte eigentlich bei geplanten Naturschutzmaßnahmen im Rheinauewald Rede und Antwort stehen, doch als er kam, war das Thema bereits durch und die Tagesordnung schon abgearbeitet. Die hatte es durchaus in sich mit Haushaltsverabschiedung und Bebauungsplanänderungen. Der Bürgermeister entschuldigte sich fast schon fürs hohe Tempo des Gremiums, schloss die erste öffentliche Sitzung des Jahres nach kaum mehr als einer Stunde in "Rekordzeit", schränkte dieses große Wort aber augenzwinkernd sofort wieder ein: "zumindest für dieses Jahr".

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Scheibchenweise

Am 6. Februar soll die aktualisierte Planung zum Bau des neuen katholischen Kindergartens in Herbolzheim öffentlich vorgestellt werden, nachdem das Raumprogramm mit den Fachbehörden dieser Tage festgeklopft wurde und die Zuschussanträge auf den Weg gebracht werden können. Als Bürgermeister Ernst Schilling dies bekanntgab, keimte Unmut auf. Die Gemeinderäte Doris Daute, Herbert Oesterle und Martin Bergmann forderten eine Mitsprache. Hier habe der Gemeinderat nichts mehr mitzureden. Das Raumprogramm für die Einrichtung stehe, da lasse sich nichts mehr dran drehen, sagte Schilling. So könne man den Gemeinderat bei seinen Sparbemühungen nicht übergehen, lautete die Replik. Dann erst sorgte Schilling dafür, dass sich der Sturm im Wasserglas legte: Am 31. Januar werde die Planung im Rat vorgestellt. Hätte Schilling das gleich gesagt, hätte er sich die minutenlange Protestkundgebung erspart.

Autor: hü